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Simbabwe

Simbabwe: Ein Land blutet aus

Panzer fahren auf, Schüsse fallen - doch das Militär sagt, ein Putsch wäre das nicht. Die unübersichtliche Lage in Simbabwe spiegelt das wirtschaftliche Chaos wieder, in dem das Land seit vielen Jahren steckt.

Das größte Problem, wenn man die wirtschaftliche Lage des Landes im südlichen Afrika beschreiben will, sind die oft veralteten Daten, die immer auch mit Vorsicht betrachtet werden müssen. Das als erstes ins Auge fallende Indiz für die Schieflage Simbabwes ist seine Währung.

Kein Geld - keine Währung

Den Simbabwe-Dollar gibt es inzwischen nicht mehr. Während der Hyper-Inflation zu Beginn dieses Jahrhunderts hatte die Währung jeden Wert verloren. 2009 wollte die simbabwische Zentralbank noch eine 100-Billionen-Simbabwe-Dollarnote herausgeben, doch im selben Jahr wurde die Währung ausgesetzt.

Im Januar hatte die tägliche Inflation einer Untersuchung von Forbes Asia zufolge bei 98 Prozent gelegen. Die Regierung in Harare zog die Notbremse und suspendierte das eigene Geld. Bezahlt wurde fortan in fremder Währung: in englischen Pfund, südafrikanischen Rand, Euro und US-Dollar. Seit Peking 2015 Simbabwe Schulden im Wert von 40 Millionen US-Dollar erlassen hatte, wird auch der chinesische Renminbi als Währung offiziell akzeptiert.

Zum 1. Oktober 2015 wurde der Simbabwe-Dollar endgültig abgeschafft und durch Fremdwährungen, hauptsächlich den US-Dollar ersetzt. Die Zentralbank in Harare kann selbst keine Dollar drucken und so auch keine klassische Geldpolitik mehr betreiben. Im Dezember 2016 wurden statt neuer Geldscheine Schuldscheine ausgegeben, die ebenfalls auf US-Dollar lauten. Diese unterliegen allerdings auch schon wieder einer Inflation.

Ein Land auf der Flucht

In Simbabwe, das flächenmäßig ungefähr so groß ist wie die Bundesrepublik, leben 15,6 Millionen Einwohner. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Simbabwes lag 2015 nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Berlin bei 14,42 Milliarden US-Dollar, das BIP pro Einwohner demnach bei 860 Dollar.

Dem Jahresbericht von Amnesty International (AI) zu Simbabwe zufolge sind 2017 mehrere Millionen Menschen (insgesamt etwa ein Viertel der Bevölkerung) von "einer unsicheren Ernährungssituation" betroffen. Der Hunger und die Unterdrückung durch die Regierung (AI dokumentiert dies an verschiedenen Beispielen) führt zu einer Massenflucht aus dem Land.

Viele politisch Verfolgte fliehen nach London, sind dort in der Regel aber von Abschiebung bedroht. Ihre Zahl liegt Angaben des Magazins "Der Spiegel" zufolge bei 11.000. Laut dem Online-Portal Laenderdaten.info sind im vergangenen Jahr 226 Simbabwer nach Deutschland geflohen - in einigen Fällen sei den Geflüchteten Asyl gewährt worden.

Die meisten der Flüchtlinge bleiben allerdings auf dem Kontinent und suchen in den Nachbarländern Schutz. Ihre Zahl lässt sich nur schätzen. Besonders in der Republik Südafrika führt die hohe Zahl der Geflüchteten zu Widerstand in der Bevölkerung und zu Übergriffen gegen die Flüchtlinge. Die Zeitung "Die Zeit" spricht von mehr als drei Millionen Simbabwern, die in Südafrika, Botswana und Mosambik Schutz suchen - das entspräche einem Fünftel der Einwohner Simbabwes.

Vom Freiheitskämpfer zum Kleptokraten

Nicht nur Angst vor Gefängnis und Folter oder vor dem Hungertod tragen zur Massenflucht bei: Im gesamten südlichen Afrika ist die Ausbeutung des Landes durch seine Machtelite allbekannt, was ebenfalls für viele ein Grund ist, dem Land den Rücken zu kehren.

Präsident Robert Mugabe, der seit der Unabhängigkeit des Landes 1980 zuerst als Ministerpräsident und dann als Präsident an der Spitze des Staates steht, galt zunächst als "Held des Befreiungskampfes". Doch in den vergangenen Jahrzehnten ist dieser Ruhm - außer bei seinen treuesten Gefolgsleuten - weitgehend verblasst und hat dem Bild des Kleptokraten Mugabe Platz gemacht.

Der diktatorisch regierende Präsident hat ein beträchtliches Vermögen angehäuft, während die Bevölkerung seines Landes unter mehreren teilweise schweren Hungersnöten leidet und gelitten hat. Simbabwe ist deshalb aus dem britischen "Commonwealth of Nations" ausgeschlossen worden. Mugabe selbst darf nicht mehr in die EU einreisen.

Aber der Gattin geht's gut

Die Online-Plattform Wikileaks veröffentlichte 2010 Dokumente, aus denen hervorgeht, dass Mugabe und seine Familie in illegalen Diamantenhandel verstrickt sind. Sie haben, so zeigen die Daten, die aus der Korrespondenz von US-Diplomaten stammen, durch die Ausbeutung der Diamantenmine Chiadzwa im Osten des Landes, Millionen in die eigene Tasche gewirtschaftet. Nicht nur deshalb ist Mugabe etwa für den südafrikanischen Friedensnobelpreisträger Bischoff Desmond Tutu die "Karikatur eines afrikanischen Despoten".

Besonders Mugabes Ehefrau Grace ist immer wieder ein Thema in der Presse des südlichen Afrikas, wenn von den ausgedehnten Shopping-Touren der Präsidentengattin in Johannesburg oder London berichtet wird. Vor dem Hintergrund der Hungersnot in ihrem Land, der allgemeinen Korruption und dem wirtschaftlichen Verfall Simbabwes, lösen diese Berichte regelmäßig Empörung aus.

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