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Politik

Simbabwe am Ende seiner Kräfte

Vor fünf Jahren begann in Simbabwe die Vertreibung von weißen Farmern. Seitdem hat sich die Regierung von Präsident Mugabe international nahezu vollständig isoliert. Wirtschaftlich steht das Land am Abgrund.

Dürre in Simbabwe, Quelle: dpa

Ohne Hilfe aus dem Ausland droht der Hungertod

Viele weinen, wenn sie an Simbabwe denken. Wenn sie die verlassenen, ausgedorrten Felder sehen, die das Land einst zur Kornkammer des südlichen Afrikas gemacht haben. Oder die ausgestorbenen Privatfarmen, in denen die Antilopen, Löwen und Leoparden wildern. Oder die Dörfer auf dem Land, in denen Menschen an Durchfall sterben, weil die Ärzte für die überlebenswichtigen Infusionen noch nicht einmal Zucker auftreiben können.

Viele weinen, wenn sie sehen, was aus Simbabwe nach 27 Jahren Unabhängigkeit geworden ist: Ein Ort der Trostlosigkeit und ein Ort des Horrors mit mehr als drei Millionen Menschen, die von ausländischer Nahrungsmittelhilfe abhängig sind. Die bei einer Inflation von über 4500 Prozent das Geld gar nicht so schnell ausgeben können, wie es wertlos wird. Die aufgrund der Preiskontrollen, die die Regierung ausgerufen hat, kein Mehl und Fleisch mehr finden.

3000 Flüchtlinge täglich

Simbabwes Präsident Robert Mugabe, Quelle: AP

Präsident Mugabe hat sein Land ruiniert

Benzin ist knapp, Strom und fließend Wasser ebenso. Und nun gibt es auch kein Bier mehr, mit dem die Menschen ihren Schmerz wenigstens vorübergehend betäuben konnten. Deshalb stimmen viele inzwischen mit ihren Füßen ab: Sie verlassen Simbabwe. Mindestens 3000 pro Tag sind es. Ärzte, Lehrer, Farmarbeiter: Sie verlassen ihre Heimat, weil ihnen dort das Leben zur Hölle gemacht wird - von einem Mann: Präsident Robert Mugabe, der erste und bislang einzige Präsident Simbabwes, der sich mit aller Gewalt an der Macht hält - auch wenn er dabei sein eigenes Land zugrunde richtet.

Vor sieben Jahren hat der Untergang begonnen. Spätestens da jedenfalls hat alle Welt begriffen, dass dieser Präsident ein blutrünstiger Diktator ist. Weil er befürchten musste, dass ihm die gerade gegründete Oppositionsbewegung Movement for a Democratic Change zu viele Wählerstimmen wegnehmen würde, rief er den Krieg aus: Schwarz gegen Weiß, landlose Kleinbauern gegen Großfarmer.

Unselige Vertreibungspolitik

Die Statistiken gaben Mugabe Recht: 70 Prozent des kommerziellen Ackerlandes waren in weißer Hand - ein grausames Erbe kolonialer Vergangenheit. Mehrere tausend Farmern wurden deshalb auf Anordnung Mugabes entschädigungslos enteignet. Doch schon damals wussten viele, dass man auf Statistiken allein nicht bauen kann, selbst wenn sie wahr sind. Mugabe verschwieg außerdem, dass die Mehrheit der Weißen ihr Farmland erst nach der Unabhängigkeit gekauft hat und zwar mit Genehmigung seiner Regierung.

So kam es dann auch, dass der organisierte Aufstand der mittellosen Schwarzen weniger spontan als lanciert war. So genannte Kriegsveteranen, die zum Zeitpunkt des Unabhängigkeitskampfes noch gar nicht geboren waren, stürmten mit Knüppeln und unter Drogeneinfluss die Höfe weißer Großfarmer. Sie vergewaltigten deren Frauen und prügelten die Männer krankenhausreif. Andere wurden ermordet. Viele wurden vertrieben, darunter die schwarzen Farmarbeiter. Zehntausende waren plötzlich ohne Arbeit und Unterkunft.

Keine unabhängige Justiz mehr

Söldner im Gefängnis von Harare, Quelle: AP

Söldner im Gefängnis von Harare (Archivbild)

Und damit nicht genug: Während die Wirtschaft des Landes gewaltsam zerstört wurde, begannen Mugabes Schergen auch mit der Abschaffung der unabhängigen Justiz. Richter, die Enteignungen per Gerichtsbeschluss für ungültig erklärten, wurden so lange bedroht, bis sie von ihrem Posten zurücktraten. Ob Akademiker, Bauer oder Schüler, Mann oder Frau, schwarz oder weiß - die Polizei schaute zu, wenn die Bevölkerung im Namen des Präsidenten malträtiert wurde.

Deshalb weinen so viele zu Recht, weil ihnen die Unabhängikeit bislang das größte Leid gebracht hat. Selbst die landlosen Bauern, die von dieser so genannten Reform zu Hunderttausenden profitieren sollten, haben alles verloren. Unter Zwang wurden sie auf die abgebrannten und geplünderten Höfe geschickt. Ohne Saatgut und Dünger, mit einer Hacke in der Hand sollten sie Simbabwes Wirtschaft zum Blühen bringen - bis es sich Mugabe anders überlegte. Dann ließ er auch seine Schützlinge vertreiben und gab das Land an einen Parteibonzen oder General.

Sanktionen treffen nur die Präsidentengattin

Manchmal fragen sich die Simbabwer, wie es so weit kommen konnte. Warum sie ihren Präsidenten haben gewähren lassen. Warum die afrikanischen Staatschefs Mugabe so lange die Stange gehalten haben. Und warum das Ausland immer noch so wenig Interesse zeigt.

Die Sanktionen, die verhängt wurden, haben bislang nur bewirkt, dass die Präsidentengattin ihre Schuhe nicht mehr in Paris kaufen kann. Die Menschenrechtsverletzungen aber haben sie nicht stoppen können, den Exodus auch nicht. Von einst 4500 weißen Farmern sind noch 600 übrig geblieben, und auch sie sitzen auf gepackten Koffern. Deshalb weinen so viele, wenn sie an Simbabwe denken - Weiße und Schwarze gleichermaßen. Weil am Ende alle zu Opfern geworden sind, die sich eine bessere Zukunft gewünscht haben. Weil sie in ihrer eigenen Hütte nicht sicher sind. Weil sie ihre Hoffnung und ihre Würde verloren haben.

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