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Wirtschaft

Silberstreif am Horizont

Die Wirtschaft der zweitgrößten Industrienation der Welt, Japan, ist im Jahre 2002 gewachsen. Trotz der unerwartet guten Ergebnisse bleiben die Sorgen um die Zukunft.

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Hoffen auf eine bessere Zukunft

Nach dem kräftigen Einbruch in der zweiten Jahreshälfte 2001 erreichte die japanische Wirtschaft 2002 insgesamt ein positives Wachstumsergebnis - aufs Jahr gerechnet zwei Prozent. Im vierten Quartal stieg das Bruttoinlandsprodukt um real 0,5 Prozent. Nach Angaben der japanischen Regierung ist für den Anstieg in erster Linie die Erholung des Außenhandels verantwortlich.

Japans Exporte legten im vierten Quartal 2002 um 4,5 Prozent zu. Vor allem die guten Handelsbeziehungen zu China spielten dabei eine große Rolle: Im Vergleich zu 2001 erhöhten sich die Ausfuhren nach China um 32 Prozent. Hinzu kommt die langsam steigende Kauflust der privaten Haushalte. Im Vergleich zu den vorherigen Quartalen verlangsamte sich das Wachstum jedoch. Während es zwischen Juli und September bei 0,7 Prozent lag, hatte das Wachstum zwischen April und Juni 2002 noch 1,3 Prozent betragen.

Der Anstieg ist ein kleiner Schritt in Richtung einer besseren wirtschaftlichen Zukunft in Japan. Mit dem Mini-Aufschwung scheint der rasante Abwärtsgang der Wirtschaft vorübergehend gestoppt zu sein. "Trotz der positiven Entwicklung ist die japanische Wirtschaft allerdings nicht über den Berg", prognostiziert Ruprecht Vondran, Vorsitzender des Deutsch-Japanischen Wirtschaftskreises. Angesichts vieler Probleme blieben Zweifel daran, wie lange die positive Tendenz in der japanischen Wirtschaft andauern werde.

Hohe Arbeitslosigkeit und die Bankenkrise

U-Bahn in Tokio

Das größte Problem der japanischen Wirtschaft ist die seit Anfang der 1990-er Jahre anhaltende schwere Bankenkrise. Selbst Experten meinen, dass der Bankensektor so verworren sei, dass niemand mehr einen richtigen Überblick über die Geschäfte der Banken hat. Zahlreiche Banken zahlen nun die Zeche für ihre riskante Politik der "faulen Kredite" in der Vergangenheit.

Viele Geldinstitute vergaben Kredite, deren Rückzahlung nicht gesichert war, und stehen heute kurz vor der Pleite. Ohne Absicherung versorgten die Banken auch immer wieder Firmen mit Großkrediten. Auch wurden "notleidende Kredite" - also Kredite, die von den Kreditnehmern nicht aus eigener Kraft zurückgezahlt werden können - mehrfach mit staatlichen Geldspritzen unterstützt. Deshalb erwägt die Regierung in den kommenden Monaten eine Sanierung der Banken. Doch im Zuge dieser Planung könnten weitere Arbeitsplätze verloren gehen.

Die für japanische Verhältnisse hohe Arbeitslosigkeit ist ein weiteres großes Problem des Landes: Zum dritten Mal im abgelaufenen Jahr wurde im Dezember 2002 eine Arbeitslosenquote von 5,5 Prozent erreicht. Das ist der höchste Wert, seit Japan 1953 eine Arbeitslosenstatistik eingeführt hatte. Auch die

Jobsuche in Japan

Jugendarbeitslosigkeit ist mit rund acht Prozent erschreckend hoch. Weil Entlassungen ein Tabuthema sind, wird es für junge Japaner zunehmend schwieriger einen Arbeitsplatz zu bekommen. In Japan sei die Firma "eine Art Lebensgemeinschaft, die bis an das Ende des Lebens geführt wird", sagt Ruprecht Vondran. Auch "fürchten die Unternehmen, wegen Entlassungen ihren Ruf zu verlieren". Dies müsse sich rasch ändern.

Wenig Konsum

Problembereich Nummer drei ist der anhaltend niedrige Privatverbrauch. Obwohl der Privatkonsum im vierten Quartal um 0,1 Prozent gestiegen ist, sind die japanischen Verbraucher zurückhaltend. Seit vier Jahren herrscht in Japan Deflation. Die Preise fallen ständig, dennoch "verschieben die Konsumenten ihre Anschaffungen, in der Hoffnung, dass sie sich in Kürze noch weiter verbilligen", betont Vondran. Auch die Sorge um den Arbeitsplatz sei ein Grund dafür, dass Japaner weniger Geld ausgeben und ihre Ersparnisse auf die hohe Kante legen.

Um der wirtschaftlichen Misere entgegenzutreten und die Deflation in den Griff zu bekommen, hoffen die Japaner auf den neuen Notenbankchef. Der frühere japanische Vize-Zentralbankchef Toshihiko Fukui soll neuer Gouverneur der Bank von Japan (BoJ) werden. Dies habe Ministerpräsident Junichiro Koizumi am Montag (24.2.2003) entschieden, berichteten japanische Medien. Die Entscheidung muss noch vom Parlament abgesegnet werden.

Neuer Notenbankchef soll es richten

In Finanzkreisen wird spekuliert, ob der 67-jährige Fukui eine ähnlich konservative Haltung einnehmen wird wie sein Vorgänger Hayami. Es wird für möglich gehalten, dass auch Fukui an der gegenwärtigen Politik mehr oder weniger festhalten könnte und die Zentralbank über den Kauf von Regierungsanleihen weiter Geld in die Wirtschaft pumpen lassen wird. Ministerpräsident Koizumi erwartet jedenfalls vom neuen Notenbankchef, dass er den Preisverfall energisch bekämpft und das Finanzsystem des Landes stärkt.

Fukui, gegenwärtig Vorsitzender des Fujitsu Research Institutes, genießt breite Anerkennung in Wirtschaftskreisen. Er war 1998 als stellvertretender Notenbankchef zurückgetreten, um die Verantwortung für einen Bestechungsskandal in seinem Hause zu übernehmen. Bis dahin hatte er als "Prinz" und sicherer Kandidat für das Amt des Notenbank-Gouverneurs gegolten. (17.02.2003)

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