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Sport

Silberpfeile auf dem Prüfstand

Formel-1-Rennstall Mercedes und Hersteller Pirelli müssen sich für ihren umstrittenen Reifentest verantworten. Heute wird vor dem Internationalen Tribunal des Automobil-Weltverbandes FIA in Paris verhandelt.

Mercedes hatte Mitte Mai mit den beiden Stammfahrern Nico Rosberg und Lewis Hamilton und dem aktuellen Silberpfeil drei Tage lang auf der Formel-1-Strecke in Barcelona Reifen für Pirelli getestet. Red Bull und Ferrari legten gegen die Probefahrten Protest ein, weil sie aus ihrer Sicht gegen das Verbot von Tests während der Saison verstoßen.

In der heutigen Verhandlung vor dem Internationalen Tribunal des Automobil-Weltverbandes FIA in Paris will der Formel-1-Rennstall den Kopf aus der Schlinge ziehen. Auch der Einheitshersteller, obwohl kein Wettbewerber, muss sich vor dem Sportgericht erklären. Dabei sind verschiedene Strategien denkbar, doch das Ergebnis ist völlig offen.

Sturm im Champagner-Glas

Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff (r.) und Mercedes AMG Teamchef Ross Brawn unterhalten sich (Foto: Mercedes Motorsport/dpa)

Bleiben locker: Mercedes AMG Teamchef Ross Brawn (l.) und Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff

Die Mercedes-Offiziellen jedenfalls geben sich in Sachen "Reifen-Affäre" nach außen hin gelöst. Als "Sturm im Champagner-Glas" bezeichnete Motorsportchef Toto Wolff die Aufregung um möglicherweise illegale Tests mit Pirelli - ganz nach dem Motto: Wir sind uns keiner Schuld bewusst. "Unsere Überzeugung ist, nichts Falsches getan zu haben", sagte Wolff zuletzt auch der "Welt am Sonntag". Die FIA machte den Fall dennoch zur Angelegenheit für die Richter.

Unklar ist noch, mit welcher Verteidigungsstrategie Mercedes im FIA-Hauptquartier antritt - denkbar ist einiges. "Wir haben unsere Unterlagen aufbereitet, mehr können wir nicht machen", sagte Wolff. Im Mittelpunkt, das drang in den vergangenen Wochen durch, könnte dabei eine Erlaubnis aus Kreisen der FIA stehen. Nicht nur der englische "Guardian" berichtet, dass Mercedes eine E-Mail vorlegen will - Absender soll kein Geringerer sein als FIA-Renndirektor Charlie Whiting, von dem die Silberpfeile sich demnach die Erlaubnis geholt hatten.

Nur ein Pirelli-Test

Nahaufnahme eines Pirelli Formel-1-Reifens (Foto: HOCH ZWEI/dpa)

Mercedes spricht von einem "Pirelli-Test"

Derartiges hatte Mercedes-Teamchef Ross Brawn schon im Rahmen des Großen Preises von Kanada angedeutet. "Wir hätten den Pirelli-Test nicht durchgeführt, wenn wir nicht gedacht hätten, dass wir es dürfen", sagte der Brite und kündigte "Antworten vor dem Tribunal" an. Brawn wird als einziger der Mercedes-Größen in Paris erscheinen.

Möglich ist zudem, dass Mercedes eine Grauzone im Reglement nutzen will. Auffällig häufig fielen aus dem Mund der Offiziellen zuletzt die Worte "Pirelli-Test", und diese Deutung könnte einen wichtigen Teil der Strategie bilden. Artikel 22.1 des FIA-Reglements definiert nämlich verbotene Tests als Fahrten, "durchgeführt von einem Wettbewerber der Meisterschaft". Gelingt der Nachweis, dass der Reifenhersteller die Tests organisiert und ausgeführt und dabei lediglich Mercedes-Material und -Fahrer "verwendet" hat, könnte der Rennstall eine Hintertür gefunden haben.

Keine Vergleichsfälle

Helmut Marko, der Motorsportchef von Red Bull, vor dem Firmen-Logo (Foto: Jan Woitas/dpa)

Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko ist sauer

Entscheiden muss das Internationale Tribunal, ein zwölfköpfiges Gremium, das 2010 ins Leben gerufen wurde. Die Reifen-Affäre ist der erste große Fall der Runde. Die verschiedensten Sanktionen sind grundsätzlich denkbar und reichen von Geldstrafen über Punktabzüge bis hin zu einer - unwahrscheinlichen - Disqualifikation. Auch weil es keine Vergleichsfälle gibt, stellt sich die Einordnung als schwierig dar.

Als "größten Verstoß seit dem Spionage-Skandal zwischen McLaren und Ferrari" bezeichnete Motorsportberater Helmut Marko von Sebastian Vettels Red-Bull-Team die Reifentests. Die Informationsbeschaffung durch McLaren wurde 2007 mit einer Strafe von 100 Millionen Dollar und dem Abzug aller Punkte in der Konstrukteurs-WM sanktioniert. Das ist nun nicht zu erwarten, doch der Nachweis des Betrugs würde für den Mercedes-Konzern einen gehörigen Image-Schaden bedeuten.

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