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Aktuell Afrika

Sierra Leone hat gewählt

Zum dritten Mal nach dem Ende des Bürgerkriegs fanden in Sierra Leone Präsidenten- und Parlamentswahlen statt. Beobachter sahen die Abstimmung als Test für die Demokratie im westafrikanischen Land.

Eine Frau gibt ihre Stimme bei der Präsidentschaftswahl in Sierra Leone ab. (Foto: Reuters)

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Neben Amtsinhaber Ernest Bai Koroma, der seit 2007 an der Macht ist, kandidierten mehrere Vertreter der Opposition. Koromas Anhänger verweisen auf Verbesserungen in der Infrastruktur und im Gesundheitssystem, die seit seinem Amtsantritt erzielt wurden. Dazu gehört unter anderem eine kostenlose medizinische Versorgung für die Bürger.

Einer seiner Herausforderer, der frühere General Julius Maada Bio, erklärte dagegen, der Präsident habe seine Wahlversprechen, zu denen die Bekämpfung der Korruption gehörte, nicht eingehalten und verdiene daher keine zweite Amtszeit. Bio war 1996 drei Monate lang Staatsoberhaupt gewesen und hatte die Macht dann an eine demokratisch gewählte Zivilregierung übergeben. Es wird erwartet, dass die Regierungspartei APC im Norden des Landes und in der Hauptstadt gut abschneidet.

Menschen stehen Schlange vor einem Wahllokal in Sierra Leones Hauptstadt Freetown (Foto: Reuters)

Vor Beginn der Abstimmung bildeten sich lange Schlangen vor den Wahllokalen wie hier in Freetown

Der Wahlkampf war weitgehend friedlich geblieben. Am Wahltag herrschte allerdings Ausnahmezustand. Schon vor der Abstimmung bildeten sich vor den Wahllokalen in der Hauptstadt Freetown lange Schlangen. Rund 14.000 Polizisten und Soldaten sorgten dafür, dass es keine Ausschreitungen gab. Jeglicher privater Autoverkehr wurde untersagt. Regierungssprecher Abdulai Bayraytay hatte zuvor betont, diese Maßnahmen seien "symbolisch“ für den unbedingten Willen der Regierung, Recht und Ordnung aufrechtzuerhalten und eine friedliche, demokratische Wahl zu ermöglichen.

Korruptionsvorwürfe überschatteten Wahl

Es ist jedoch unklar, ob der Amtsinhaber die notwendigen 55 Prozent der Stimmen erzielen kann, die er benötigt, um gleich im ersten Wahlgang zu gewinnen. Erste Wahlergebnisse werden in der kommenden Woche erwartet. Sollte keiner der Kandidaten im ersten Wahlgang auf 55 Prozent der Stimmen kommen, findet am 8. Dezember eine Stichwahl statt.

Die Abstimmung wird überschattet von Korruptionsvorwürfen gegen Spitzenpolitiker der APC, die ihre Mehrheit im Parlament verteidigen will. So soll Vizepräsident Samuel Sam Sumana Schmiergelder von ausländischen Investoren kassiert haben. Oppositionspolitiker Bio ist dagegen wegen seiner Vergangenheit als Putschpräsident 1996 umstritten.

Test für demokratische Entwicklung

Die rund 2,6 Millionen Wahlberechtigten in dem westafrikanischen Land waren außerdem aufgerufen, ihre Regional- und Kommunalversammlungen neu zu bestimmen. Vor vielen Wahllokalen bildeten sich bereits in der Nacht Stunden vor ihrer Öffnung lange Menschenschlangen.

Die Wahlen gelten als Test für die demokratische Konsolidierung Sierra Leones, wo in den Jahren 1991 bis 2002 ein Bürgerkrieg wütete. Es ist das erste Mal seit dem Konflikt, bei dem geschätzte 75.000 Menschen getötet wurden, dass das Land Wahlen ohne die Vereinten Nationen organisiert.

Trotz leicht verbesserter Wirtschaftsdaten in den vergangenen Jahren ist das 5,5 Millionen Einwohner zählende Land einer der ärmsten Staaten der Welt. Laut einer Statistik der Weltbank müssen die meisten Menschen in Sierra Leone mit umgerechnet weniger als einem Euro pro Tag auskommen.

GD/re (epd, dpa, dapd, afp)