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Asien

Sierens China: Wetten auf Familie

Die Antikorruptionskampagne zwingt Macau, vom Kasino-Paradies zum Urlaubsziel für die ganze Familie zu werden, meint DW-Kolumnist Frank Sieren.

Dass in Macau neue Hotel-Komplexe entstehen, ist für die Stadt nicht ungewöhnlich. Die Eröffnung des "Galaxy Macau" vergangene Woche war dennoch eine Zäsur in der Geschichte Macaus. Es ist der erste Neubau eines Kasinobetreibers in drei Jahren. Kosten: drei Milliarden US-Dollar. Er ist nicht wie sonst üblich eine Bettenburg mit angeschlossener Spielhalle. Im neuen Teil des Galaxy sollen vor allem Familien mit Kindern Urlaub machen.

Während die meistens Kasinos in Macau bislang nur zehn Prozent ihrer Umsätze außerhalb des Spielbetriebs machen, sollen es beim Galaxy schon bald 50 Prozent werden - dank aufwendiger Restaurants, einer edlen Shopping-Mall und einem Unterhaltungszentrum mit Wildwasser-Kanubahn für die ganze Familie. Da wäre immer noch Raum nach oben, verglichen mit den 60 Prozent, die in Las Vegas aus Restaurant-, Shopping- und Ticketeinnahmen kommen. Auch andere Kasinobetreiber wollen in Macau ähnliche Quoten erreichen und setzen auf neue Gebäude, in denen Musicals aufgeführt werden, oder sie stampfen Themenparks aus dem Boden.

Ende der Anti-Korruptionskampagne nicht in Sicht

Das ist klug. Denn in Macau ist man offenbar sicher, dass die Anti-Korruptionskampagne von Chinas Präsidenten Xi Jinping noch lange nicht vorbei sein wird. Kinder an die Macht, lautet nun die Devise. Denn in den vergangenen elf Monaten ging es wegen der Antikorruptionskampagne von "Onkel Xi" mit der Wirtschaft abwärts. Die portugiesische Ex-Kolonie ist nur 16 Jahre nach der Rückgabe an China zum weltgrößten Glücksspiel-Ort aufgestiegen. Die 34 Kasinos in der Stadt machten bis vor einem Jahr noch sechsmal so viel Umsatz wie ganz Las Vegas. Das liegt bislang hauptsächlich an den besonderen Rechten, die Macau als Sonderverwaltungszone in China besitzt. Sie ist die einzige chinesische Stadt, in der das Glücksspiel erlaubt ist.

DW-Kolumnist Frank Sieren (Foto: Sieren)

DW-Kolumnist Frank Sieren

Doch nun ändern sich die Vorzeichen: Allein im Mai sind die Umsätze gegenüber dem Vorjahr um 37 Prozent eingebrochen. Und im ersten Quartal 2014 lagen die Umsätze noch bei knapp 13 Milliarden Dollar, während es ein Jahr später nur noch acht Milliarden Dollar waren. Der Sturz war so tief, dass das BIP von Macau im Jahr 2014 sogar geschrumpft ist. Dass Chinas Präsident Xi Jinping und seine Sonderkommission den glücksspielsüchtigen Kadern derzeit ausgiebig auf die Finger schauen, zeigt also erste Resultate.

Macau berüchtigt für Razzien

Die Zahl der VIP-Spieler mit hohen Einsätzen ist im vergangenen Jahr um 44 Prozent eingebrochen. Sie gehen lieber in ein Land, wo es keine chinesischen Kontrollen gibt. Deshalb profitieren die Kasinos in Südkorea, Singapur oder Vietnam von dieser Entwicklung. Macau ist dagegen für Razzien berüchtigt. Weil niemand genau weiß, wann Xi der Mut verlässt, wollen die sechs größten Kasinobetreiber in den nächsten drei Jahren rund 20 Milliarden Dollar in neue Ressorts und Urlaubsanlagen investieren. Das meiste Geld zielt dabei auf die Familienurlauber vom Festland. Nur fünf bis zehn Prozent sollen in Kasinos, Automaten oder anderes Glücksspiel investiert werden.

In Macau wird jetzt also auf die wachsende chinesische Mittelschicht und damit auf die Masse gesetzt - auf Familien, die mit ihren Kindern Urlaub machen und die neben dem Besuch von Kinderparadiesen und Sehenswürdigkeiten auch mal die eine oder andere Münze in einen der Automaten werfen. Allerdings ist das eine Wette mit ungewissem Ausgang. Urlaubsressorts, in denen sich die ganze Familie vergnügen kann, gibt es viele auf dem Festland. Die Mischung soll den Reiz ausmachen: Riesenrad neben Roulette. Donald Duck neben Black Jack.

DW-Kolumnist Frank Sieren lebt seit 20 Jahren in Peking.

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