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Welt

Sierens China: Weltwährung Yuan

Die Schwäche des Euro und die Verschuldung der USA zwingen Peking, den Yuan schneller zur Weltwährung zu entwickeln als geplant, meint DW-Kolumnist Frank Sieren.

Es ist ein langer Weg, bis eine neue Weltwährung entsteht. Doch manchmal geht es schneller als erwartet. Ohne viel Aufsehen in der Öffentlichkeit hat der chinesische Yuan, wie der Renminbi im Alltag heißt, inzwischen den kanadischen und australischen Dollar überholt und ist nun immerhin zur fünftwichtigsten, internationalen Zahlungswährung aufgestiegen. Der Yuan rangiert nun nur noch hinter dem japanischen Yen, dem britischen Pfund, dem Euro und dem US-Dollar. Das gab nun die Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication (SWIFT) bekannt. Über sie wickeln alle Banken weltweit ihren Zahlungsverkehr ab.

Allerdings hat der Yuan erst einen Anteil von zwei Prozent an den globalen Zahlungen. Der US-Dollar hat einen Anteil von 44 Prozent. Der Abstand ist also noch sehr groß. Schaut man sich jedoch das Wachstum des Yuan-Marktanteils an, relativiert sich das Bild. 2014 sind die Yuan-Zahlungen um über 100 Prozent gewachsen, während alle Währungen zusammen nur knapp über vier Prozent zulegen konnten. Schon über 25 Prozent der chinesischen Handelsgeschäfte mit der Welt werden in Yuan abgewickelt. Das größte Hindernis für den Aufstieg des Yuan ist jedoch, dass er nicht frei handelbar also eigenständig ist, sondern zu einem Kurs mit nur ganz engem Spielraum an die führende Weltwährung US-Dollar gekoppelt ist.

Wie frei soll der Yuan werden?

Will Peking sicherstellen, dass der Yuan so schnell weiterwächst, muss Peking nun ein wirtschaftliches und finanzpolitisches Umfeld schaffen, in dem der Yuan schrittweise freigegeben werden kann. Daran arbeitet Premierminister Li Keqiang mit mehr Druck denn je. Auf dem Weg zur Weltwährung Yuan steht Peking vor einem Dilemma. Einerseits kann eine Weltwährung nur Weltwährung sein, wenn sei frei handelbar ist. Anderseits wird Chinas Währung und die Wirtschaft damit anfällig für die Machtspiele der internationalen Finanzindustrie. Diese ist bei einem frei handelbaren Yuan in der Lage, gegen die politische Strategie Pekings zu agieren, in dem sie plötzlich in großem Umfang die Währung kauft oder verkauft.

Frank Sieren Kolumnist Handelsblatt Bestseller Autor China

DW-Kolumnist Frank Sieren

Zu deutlich hat die weltweite Finanzkrise 2008/2009 gezeigt, welche Vorteile es hat, nicht von den Launen der internationalen Finanzmärkte abhängig zu sein. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass der Yuan nie so frei wird wie der US-Dollar. Und dennoch ist es gleichzeitig sehr wahrscheinlich, dass der Yuan eines Tages auf Augenhöhe mit dem US-Dollar gehandelt wird. Ja, es ist sogar dennoch möglich, dass der Yuan den US-Dollar als Weltwährung ablöst, so wie der US-Dollar Mitte des vergangenen Jahrhunderts das britische Pfund abgelöst hat. Denn traditionell wird die Weltwährung von der größten Volkswirtschaft gestellt. Gemessen an der Kaufkraft hat China die USA zwar wirtschaftlich schon überholt. Doch vergleicht man das chinesischen Pro-Kopf-Einkommen mit dem der USA wird auch deutlich, dass der Yuan noch einen langen Weg vor sich hat. In China liegt es bei 6800 US-Dollar und in den USA bei 53000 US-Dollar.

Kontrolle zunehmend gelockert

In großen Schritten lässt Peking den Yuan nun erwachsen werden. Seit 2009 erlaubt die Regierung, internationale Handelsgeschäfte auch in Renminbi abzuwickeln. Zudem erlaubte die chinesische Zentralbank Auslandsbanken, unter strengen Regeln Geschäfte in Yuan zu tätigen. 2010 wurde dann vor allem im Finanzzentrum Hongkong der Ausbau des Handels mit Renminbi gefördert, und den Unternehmen gleichzeitig erlaubt, Yuan-Anleihen auszugeben. Neben chinesischen Firmen war McDonald´s damals eines der ersten ausländischen Unternehmen, die diese sogenannten „Dim-Sum-Bonds“ auf dem Markt warfen, um sich frisches Geld für ihre Chinageschäfte zu besorgen. Bei den Anlegern waren diese Bonds, die in der Branche nach den in Hongkong beliebten Häppchen Dim-Sum benannt sind, vor allem wegen der hohen Zinsen besonders beliebt. So beliebt, dass in nur fünf Jahren der Wert von Yuan Guthaben in der Sonderverwaltungszone Hongkong von 315 Milliarden Yuan auf 944 Milliarden Yuan gestiegen ist.

Auch viele deutsche Unternehmen haben sich auf diese Weise Kapital beschafft. Seit Juli 2013 können die chinesischen Ableger internationaler Konzerne zudem ihre Yuan-Einnahmen als Kredite ins Ausland transferieren. Und seit November vergangenen Jahres können ausländische Firmen Geld zwischen sich und ihren Tochterunternehmen in China überweisen, ohne dass der grenzüberschreitende Kapitalverkehr Kontrollen unterworfen ist. Neun Börsen weltweit, darunter auch die in London und Frankfurt, haben inzwischen eine Lizenz aus China bekommen, Handelsplätze für den Yuan aufzubauen. Dann haben auch asiatische Investoren direkt Zugang zu den europäischen Kapitalmärkten. Und künftig könnten Unternehmen noch in elf weiteren Städten in der Welt direkt in Yuan ihre Waren bezahlen.

Perspektive: Yuan vor US-Dollar und Euro?

Auch in der neuen Freihandelszone in Shanghai wird der Yuan fit gemacht. Dort wird ausprobiert, wie ein freier Yuan sich entwickeln würde. China möchte jedoch nicht nur in Shanghai, sondern in Asien eine Yuan-Zone errichten. Die Aufbauarbeit des Yuan wird erleichtert durch die Schwäche der Wettbewerber. Der US-Dollar ist eine Währung, deren Macht langfristig ausgehöhlt wird, weil die Währungshüter zu viele Greenbacks drucken. China ist schon seit Jahren der größte Gläubiger der Amerikaner. Und der Euro ist von den großen wirtschaftlichen Widersprüchen zwischen den Ländern im Norden und den Ländern im Süden geschwächt. Die beiden Währungen haben also Probleme, die sie in den nächsten Jahren weiter schwächen werden. Das erleichtert, wie gesagt, die Entwicklung des Yuan. Die Unsicherheit, die dadurch auch für China entstanden ist, setzt Peking allerdings gleichzeitig unter Druck sich zu beeilen, und den Yuan schneller aus dem Windschatten der großen Währungen herauszufahren als geplant.

DW-Kolumnist Frank Sieren lebt seit 20 Jahren in Peking.