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Asien

Sierens China: Umbau bei der Volksbefreiungsarmee

Peking reformiert das Militär und Präsident Xi wertet damit nicht nur Chinas Rolle weltweit, sondern auch seine eigene Position innerhalb des Landes auf, meint DW-Kolumnist Frank Sieren.

Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping ruht nicht. Der Umbau seines Landes soll sich auch zum Ende des Jahres nicht verlangsamen. Jetzt knöpft sich Xi das Militär vor: Es soll schlanker und effizienter werden, indem die Truppen des Landes um
300.000 auf knapp zwei Millionen Soldaten schrumpfen. Aber Xi geht noch einen Schritt weiter: Heer, Marine und Luftwaffe, die bislang relativ unabhängig voneinander wirkten, sollen künftig einem neuen Zentralkommando unterstellt werden. Das Motto der Militärreform: Ein schlankeres Kommando soll den träge gewordenen Koloss zu einer flexibleren und schlagkräftigeren Truppe umbauen.

Vor allem Marine und Luftwaffe schlagkräftiger machen

Frank Sieren *PROVISORISCH*

DW-Kolumnist Frank Sieren

Dafür werden die bislang sieben Militärverwaltungsregionen zu vier "strategischen Zonen" umstrukturiert. "Der chinesische Traum ist auch ein Traum von einem starken Militär", so Xis Botschaft an seine Generäle. Die Reform des Militärs ist ein Projekt, das schon seit zwei Jahren immer wieder diskutiert wird. Die jetzt angekündigten Reformen werden aber von Experten als der größte Umbau des Militärs seit Jahrzehnten gesehen. Am Ende sollen besonders die Luftwaffe und die Marine gestärkt werden. Bisher machten die Landstreitkräfte den größten Teil des Militärs aus. Xi braucht eine schlagkräftigere Marine, um die Territorialansprüche Chinas im Südchinesischen Meer zu stützen, aber vor allem um die "Maritime Seidenstraße" als Handelsroute zwischen Südchina bis nach Afrika zu beleben.

Dazu passt, dass Peking - ebenfalls nun zum ersten Mal in der Geschichte der Volksbefreiungsarmee - einen Militärstützpunkt im Ausland hat: Am Horn von Afrika, in Dschibuti wird er entstehen, wie nach dem China-Afrika-Gipfel am vergangenen Wochenende (04./05.12.) bekannt wurde.

Reform stärkt auch den Präsidenten

Der Umbau des Militärs zeigt also: China will seine Wirtschaft nicht ungeschützt in der Welt operieren lassen. Xis Militärreform richtet sich aber auch nach innen. Denn der Parteichef ist gleichzeitig oberster Befehlshaber des Militärs. Durch die neuen Kommandostrukturen will er auch seine Kontrolle über das Militär weiter stärken. Dabei half ihm vor allem die Antikorruptionskampagne, sich seiner Gegner im Militär zu entledigen und Schlüsselposten neu zu besetzen. So traf die Antikorruptionskampagne auch zwei ranghohe Generäle. Zuletzt hat Xi Jinping im September bei der Militärparade zum 70. Jahrestag des Endes des Krieges gegen Japan den geladenen Staatsoberhäuptern Chinas Waffenarsenal vorgeführt.

Auch wenn China technologisch noch Jahrzehnte vom Niveau westlicher Streitkräfte entfernt ist, wird Xi durch die Reform noch mächtiger als bisher.

Unser Korrespondent Frank Sieren lebt seit über 20 Jahren in Peking.

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