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Asien

Sierens China: Uber auf der Überholspur

Der amerikanische Mitfahrdienst uber expandiert in China in einem atemberaubenden Tempo – und macht für ein ausländisches Unternehmen erstaunlich viel richtig, meint DW-Kolumnist Frank Sieren.

Was brauchen Chinesen derzeit in Großstädten, abgesehen von einem anständigen Smartphone, am meisten? Ein Taxi, um zur Arbeit oder nach Hause zu kommen, wenn sie nachts von einer Party kommen. Kein Wunder also, dass der amerikanische Fahrtvermittlungsdienst Uber den chinesischen Markt erobern will. Still, aber stetig haben sie sich über die vergangenen Monate daran gemacht, den Markt zu erobern: Noch Anfang des Jahres verzeichnete Uber weltweit rund eine Million Fahrten am Tag. Mittlerweile sind es allein in China so viele. Und das, obwohl Uber im Reich der Mitte lediglich in elf Großstädten aktiv ist.

Das vor fünf Jahren in Kalifornien gegründete Unternehmen expandierte erst Anfang 2014 nach China. Trotzdem ist die Volksrepublik nun schon der zweitgrößte Markt nach dem Heimatmarkt in den USA. Innerhalb eines Jahres will Uber nun insgesamt 50 der etwas mehr als 80 Städte mit mindestens fünf Millionen Einwohnern versorgen. Dafür investieren die Kalifornier in diesem Jahr rund eine Milliarde US-Dollar in China. Doch verwunderlich ist es schon, dass dort gerade ein amerikanisches Unternehmen so viel Erfolg verzeichnen kann. Wieso schaffen es hingegen Internetgiganten wie ebay, Amazon und Co. nicht so richtig bei den Chinesen zu landen?

Kooperation mit Baidu

Frank Sieren Kolumnist Handelsblatt Bestseller Autor China

DW-Kolumnist Frank Sieren.

Die Antwort: Uber wiederholt nicht die Fehler, die viele ausländische Unternehmen in China zuvor gemacht haben. Zum einen hat das Unternehmen in den Städten, in denen es aktiv ist, ausschließlich Chinesen in die Führungspositionen geholt und lässt ihnen freie Hand in der Gestaltung. Zum anderen hat sich Uber im vergangenen Jahr

mit dem chinesischen Internetriesen Baidu einen Kooperationspartner

ins Boot geholt, der bei Chinesen sehr beliebt ist. Neben seiner Beliebtheit ist Baidu zugleich das chinesische Gegenstück zu Google und damit äußerst nützlich für Uber, da der Internetriese über die besten Kartendienste in China verfügt. Die braucht man in Städten in denen ständig gebaut wird. Besonders ein Transportunternehmen wie Uber. Aber auch für Baidu ist dieses Bündnis von Nutzen.

In China gibt es drei Internetriesen: Baidu, Alibaba - Chinas Onlinekaufhaus und Bezahldienst - und Tencent, bekannt durch seine erfolgreiche Chatapp Wechat. Die Expansionspläne von Uber passen geradezu perfekt zu Baidu, denn so kommen mit einem Schlag Millionen mehr Nutzer für seine Karten- und Bezahldienste dazu. Baidu ist außerdem der einzige der drei Firmen-Riesen in China, der noch keinen Fahrtvermittlungsdienst anbietet. Alibaba und Tencent haben mit Didi Dache und Kuaidi Dache jeweils eine App, die Taxi- und Luxusfahrten vermittelt. Allerdings haben die beiden Marktführer so viel Respekt vor den angreifenden Amerikanern, dass sie sich am Valentinstag dieses Jahr kurzerhand entschlossen haben, ihre Fahrtendienste zusammen zu legen. Das daraus entstandene Didi Kuaidi ist mit knapp 90 Prozent Marktanteil noch weit vor Uber. Dafür ist das kalifornische Unternehmen mit rund 45 Milliarden US-Dollar Marktwert mehr als dreimal so groß wie das gut 12 Milliarden US-Dollar teure chinesische Pendant.

Behörden mögen keine Privattaxen

Als Reaktion auf die Expansionspläne der Amerikaner hat Didi Kuaidi nun angekündigt, ebenfalls 1,5 Milliarden US-Dollar in China investieren zu wollen. Wenn Uber nun schon einen Fuß in der Tür hat, ein dauerhafter Erfolg ist damit noch längst nicht garantiert. Vor allem, weil den Behörden in den Städten sämtliche Privattaxen, ein Dorn im Auge sind - egal ob sie von Uber oder der chinesischen Konkurrenz vermittelt werden. Denn sie wollen die Fahrer der Lizenztaxis schützen, die in den Städten bereits über Umsatzeinbußen klagen. Sie sind in diesen Tagen so verzweifelt, dass es sogar schon zu Übergriffen von Taxifahrern auf Uber-Fahrer kam. Die Reaktion der Kalifornier zeigte allerdings gleich wieder, dass sie den chinesischen Markt verstanden haben. Die Uber-Fahrer wurden angehalten, sich um jeden Preis aus Streitereien heraus zu halten, weil sie sonst vom Dienst gesperrt würden. Stabilität und öffentliche Ruhe haben offenbar nicht nur für Chinas Regierung, sondern auch bei Uber höchste Priorität.

DW-Kolumnist Frank Sieren lebt seit 20 Jahren in Peking.

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