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Asien

Sierens China: Talsperre XXL

China baut an der höchsten Talsperre der Welt. Das Projekt wird nicht nur für eine saubere Energiebilanz sorgen – sondern auch für Ärger mit den Nachbarn, meint DW-Kolumnist Frank Sieren.

Auf einer Länge von über 1500 Kilometern erstreckt sich der Yalong-Fluss vom Hochland in Tibet bis tief in den Süden Chinas. In der Provinz Sichuan windet sich der Mittel- und Unterlauf des Flusses durch enge Kerbtäler, bis er schließlich in den größten Strom Chinas, den Yangtse-Fluss, mündet. Dort in Sichuan baut die chinesische Wasserbaufirma Yalong Hydro gerade am Jinping-1-Staudamm. Er soll, wenn er Anfang 2015 fertig gestellt ist, mit 305 Metern der bisher höchste Staudamm der Welt werden, größer noch als der legendäre Drei-Schluchten-Staudamm.

Das Wasser des Flusses soll zur Energiegewinnung nicht nur gestaut sondern zudem durch spezielle Rohrsysteme mitten durch Gebirge geleitet werden, um noch mehr Strom zu gewinnen. 54 Milliarden Yuan, etwa 8 Milliarden US-Dollar, kostet der Bau des Jinping-1-Staudamms, der schon bald 3600 Megawatt Strom produzieren soll. Von dem Projekt profitieren nicht nur der Betreiber Yalong Hydro und deutsche Firmen wie Siemens und Herrenknecht, die mit technischem Know-How von der Grabung bis zur Stromumwandlung zur Seite standen. Auch für die politischen Vorgaben der Pekinger Regierung, den Bereich der alternativen Energiegewinnung auszubauen, ist die Talsperre eines der wichtigsten Vorzeigeprojekte.

Wasserkraft als Alternative zur Kohle

Hydropower, als Chinas Vorreiter in der Umweltpolitik, soll schließlich noch vor Sonnen- und Windenergie die wichtigste Alternative zum schmutzigen Kohleabbau werden. 20 weitere Dämme und Wasserkraftwerke bis weit ins tibetische Hochland sind deshalb derzeit in Planung und sollen bis 2020 gebaut werden. Der mit Wasser gewonnene Strom soll vor allem die noch wenig entwickelten Regionen im Westen des Landes versorgen. Auch 70 Prozent der Energie, die aus dem Jinping-1-Damm gewonnen werden, sollen dorthin gespeist werden.

Was den Westen Chinas sicher voranbringen wird, lässt die Nachbarn der Volksrepublik allerdings regelmäßig protestieren. Und das nicht erst seit dem Baubeginn des Jinping-1-Staudamms. Fast alle großen Flüsse des südlichen Kontinents entspringen auf chinesischem Gebiet im Himalaja. Der Mekong etwa hat seine Quelle in Tibet und fließt zuerst durch China, dann an den Grenzen zu Myanmar und Thailand entlang durch Laos und Kambodscha bis zum Delta in Vietnam, wo er ins Südchinesische Meer mündet. Aber: Weil die Welt wärmer wird, schrumpfen auch die Gletscher in Tibet langsam ab, wodurch von Jahr zu Jahr weniger Wasser dort ankommen wird.

DW-Kolumnist Frank Sieren

Elementarer Konflikt um Trinkwasser

Dabei wird der Bedarf nach Trinkwasser noch steigen, weil die Bevölkerungen in der Region weiter wachsen und wohlhabender werden. Durch die Stauung von Wasser auf chinesischem Terrain fließt allerdings schon jetzt immer weniger Wasser über die Grenzen nach Südostasien. Das stellt ein solch großes Problem für die Wasserversorgung in diesen Ländern dar, dass ein kleines, von Investitionen aus China abhängiges Land wie Myanmar sogar den Bau des Myitsone-Damms auf Eis legte und damit eine regelrechte Abkühlung seiner China-Beziehungen riskierte.

Gemeinsam mit der chinesischen Regierung sollte in Myanmar bis 2017 ein weiterer Staudamm entstehen. Das Milliarden schwere Projekt war für die Chinesen deshalb so wichtig, weil es die Provinz Yunnan mit 21 Gigawatt Strom versorgt hätte. Seit 2011 ruhen nun die Bauarbeiten. Einerseits ist natürlich allen Seiten an stabilen Handelsbeziehungen gelegen. Die engen wirtschaftlichen Verflechtungen sind stets der wichtigste Grund, der gegen einen ernsthaften Konflikt zwischen China und seinen Nachbarn spricht. Doch geht es um etwas so Elementares wie den Zugang zu Trinkwasser, kann selbst dieses Argument schnell an Gewicht verlieren.

DW-Kolumnist Frank Sieren lebt seit 20 Jahren in Peking