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China

Sierens China: Stärker als vermutet

Chinas Wirtschaft wächst stärker denn je. Das große Land ist immer unabhängiger vom Rest der Welt - allerdings um den Preis wachsender Schulden, meint DW-Kolumnist Frank Sieren.

Je mehr China wächst, desto wichtiger wird die Frage, woher das Wachstum kommt. Und es geht im 1. Quartal dieses Jahres immerhin um das stärkste Wachstum seit dem dritten Quartal 2015. Um 6,9 Prozent ist das Bruttoinlandsprodukt in den ersten drei Monaten gewachsen. Das Erstaunliche daran: Vor allem die Industrie hat zu dem Plus verholfen. Die Industrieproduktion wuchs im März um 7,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum - so hoch wie seit über zwei Jahren nicht mehr. Der Vorwurf, dass die Betriebe sich dafür zu hoch verschuldet haben, kommt zu früh. Denn Verschulden ist nicht per se schlecht, sondern nur dann, wenn sich die Schulden nicht lohnen, also damit Produkte hergestellt werden, die sich nicht verkaufen lassen. Doch die Binnennachfrage brummt und Exporte fangen sich. Dabei ist es erst zwei Jahre her, dass sich die Welt darauf einzustellen begann, die chinesische Regierung die Wirtschaftsreformen und Finanzmarktreformen nicht so schnell erfolgreich umsetzen konnte, wie einst als Ziel gesetzt. Zugleich kühlte sich die gesamte Weltkonjunktur immer mehr ab.

Das jetzige Wachstum deutet jedoch daraufhin, dass die Reformen allmählich greifen und auch die Achterbahnfahrten an den Finanzmärkten nicht mehr ganz so abenteuerliche Formen annehmen, wie im Sommer vor zwei Jahren, als der chinesische Aktienmarkt in Schanghai binnen eines Monats um 30 Prozent eingebrochen war.

Frank Sieren *PROVISORISCH* (picture-alliance/dpa/M. Tirl)

Frank Sieren ist Kolumnist und Autor

Hohe Konsumzahlen tragen zum Wachstum bei

Erstaunlich ist, dass trotz Handelsstreit mit den USA, den Spannungen zwischen Nordkorea und den USA, bei denen US Präsident Donald Trump selbst einen Militärschlag nicht ausschließt, die chinesische Wirtschaft beharrlich ihren Weg geht. Allein im Einzelhandel stiegen die Verkäufe um zehn Prozent im ersten Quartal und, dass trotz schwacher Autoverkäufe. Zuletzt hatten Autokäufer in spe abgewartet, wie sich die Regulierungen für E-Autos weiterentwickeln. Für die gab es Subventionen von der chinesischen Regierung. Ein E-Auto erhält einfacher eine Zulassung, als ein Benziner. Auch wenn die Preislachnässe für E-Autos Ende vergangenen Jahres  ausgelaufen sind, die Automesse in Schanghai, die Mitte dieser Woche beginnt, wird klar zeigen in welche Richtung es in der Hinsicht weitergeht. Im vergangenen Jahr wurden 23 Millionen PKW im Reich der Mitte verkauft und für dieses Jahr rechnen die Experten damit, dass die Zahl der verkauften Autos in China trotz der Zögerlichkeit auf 25 Millionen steigen wird.

Besonders die Konsumzahlen überzeugen an Chinas Wachstum. Denn die Menschen sind nicht zum Konsum gezwungen, vor allem in Zeiten niedriger Inflation nicht. Und insofern ist folgende Zahl schon erstaunlich. Zwar ist die Industrie gut dabei, aber der Konsum allein trägt über Zweidrittel zum Wachstum bei.

Aber auch ein Zuwachs von 18 Prozent an neuen Wohnungsverkäufen stützt das Wachstum erheblich. Dieser Wachstumsbereich wird allerdings nicht von Dauer sein. Peking hat bereits strengere Regeln in Aussicht gestellt, demnach müssen Käufer in den Metropolen Chinas künftig mehr Kapital mitbringen, um eine Zweitimmobilie zu erwerben. Die Regel betrifft vor allem Städte, in denen der Quadratmeterpreis am teuersten ist. Aber auch hier ist die Lage so, dass der Staat die Menschen am Geld ausgeben hindern muss und nicht etwa umgekehrt.

Autor Frank Sieren ("Geldmacht China") lebt seit über 20 Jahren in Peking.