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Asien

Sierens China: Rind, Schwein, Hund

Im südchinesischen Yulin findet einmal im Jahr das "Hundefleisch-Festival" statt. Doch chinesische Tradition hin oder her – immer weniger Chinesen wollen Hundefleisch auf dem Teller, meint DW-Kolumnist Frank Sieren.

Die Chinesen sind stolz auf ihre alten Traditionen. So zum Beispiel in Yulin, in der autonomen chinesischen Region Guangxi: Dort ist Hundefleisch eine 500 Jahre alte Delikatesse. Die Menschen glauben, dass der Verzehr von Hundefleisch Gesundheit und Glück bringt. Es ist also nicht so, dass Hundefleisch heimlich ins Essen gemischt wird. Es ist eine teure Delikatesse. Jedes Jahr wird in diesen Tagen zur Sommersonnenwende in Yulin das Hundefleisch-Festival gefeiert. Dabei landen nach Angaben von Tierschützern 10.000 Hunde auf den Tellern der Hundefleischliebhaber - vom Bernhardiner, der bei den Chinesen "Schweizer Fleischhund" heißt, bis zu Mischlingswelpen.

Die Hundegourmets stellen sich auf den Standpunkt, dass es keinen Unterschied macht, ob man Lamm, Rind oder Hund isst. Tier ist Tier. Doch ihre Positionen werden in China immer weniger akzeptiert. Denn immer mehr Chinesen halten sich Hunde als Haustiere. Sie finden, dass es doch ein großer Unterschied ist. Und das bedeutet nicht weniger, als dass eine Jahrhunderte alte Tradition ausstirbt. Man kann auch sagen: China wird westlicher in dieser Hinsicht. Der Schoßhund hat nichts auf der Speisekarte zu suchen.

Immer mehr Hunde als Haustier

Frank Sieren Foto: privat

DW-Kolumnist Frank Sieren

Die neuen Reichen übertreiben es bereits in die andere Richtung. Sie behandeln ihre Haustiere fast wie Menschen. Teure Arztbesuche gehören genauso dazu wie das eigene Hundebett in tierfreundlichen Hotels auf Geschäftsreisen oder im Urlaub. Der chinesische Reiseanbieter Qunar erwartet, dass in den kommenden Jahren etwa 30.000 Hotels Hund und Herrchen gemeinsam beherbergen werden.

Allein in Peking wurden 2012 mehr als eine Million Hunde von ihren Besitzern bei den Behörden registriert. Zehnmal so viele wie vor 20 Jahren. Und auch die Zukunft sieht für Hundefutterhersteller besser aus als für diejenigen, die Hunde als Essen verkaufen. Die Hundefutterverkäufe sollen sich bis 2019 auf 760 Millionen US-Dollar verdreifachen.

Jagd auf streunende Hunde?

Hundebesitzer und Tierschützer befürchteten, dass es sich bei den in Yulin geschlachteten Tieren nicht ausschließlich um gezüchtete Hunde handelt, wie Hundefleischverkäufer in der Vergangenheit immer wieder beteuert hatten. Sie glauben vielmehr, dass es vor allem streunende Hunde sind, auf die die Verkäufer vor dem Festival regelrecht Jagd machen. Manche der Hunde in den Käfigen tragen sogar noch Halsbänder.

Einige hundert Hunde hatten dieses Jahr Glück im Unglück. Sie wurden im Vorfeld des Festivals von einer prominenten Tierschutzaktivistin freigekauft. Sie bezahlte 10.000 Yuan (1400 Euro) für 500 Hunde, um diese vor dem Kochtopf zu bewahren. Im letzten Jahr rettete sie 360 Hunde vor dem Tod. Doch das Hundefleischfestival in Yulin wird es wohl noch einige Zeit geben, selbst wenn Chinas Städter nicht dafür zu gewinnen sind. Hundefleisch ist in China nicht verboten. Und die Hunde-Esser wehren sich derweil tapfer: "Wenn ihr aufhört Rind zu essen, hören wir auch auf, Hund zu essen."

DW-Kolumnist Frank Sieren lebt seit 20 Jahren in Peking.