1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Asien

Sierens China: Mit Gebrauchtwagen aufs Parkett

Bitauto.com ist die erfolgreichste chinesische Internetfirma des vergangenen Jahres. Die Macher haben zwei der wichtigsten Wirtschaftstrends erkannt, meint DW-Kolumnist Frank Sieren.

Als Alibaba im vergangenen Jahr an der Wall Street in New York den größten Börsengang aller Zeiten hinlegte und mit einem Wert von 26 Milliarden US-Dollar sogar Facebook klein aussehen ließ, sorgte das für viel Aufsehen. Gemessen an der Markt-Performance waren andere aber noch erfolgreicher - allen voran Bitauto.com. Das in New York gelistete Unternehmen ist die erfolgreichste chinesische Internetaktie des Jahres 2014. Um 135 Prozent legten die Papiere des Unternehmens im vergangenen Jahr zu. Zum Vergleich: Alibaba schaffte 59 Prozent.

William Bin Li wusste offenbar, was er tut, als er im Jahr 2000 im Alter von 26 Jahren Bitauto.com gründete. Bitauto.com spricht mit seinem Geschäftsmodell zwei Märkte in China an, die schon jetzt die größten der Welt sind, aber im Reich der Mitte noch viel Luft nach oben haben: den Automobilmarkt und das Internet. Rund 630 Millionen Menschen nutzen das Internet in China. Das ist nicht einmal die Hälfte der Bevölkerung. Aber schon jetzt sind in China mehr Nutzer online als auf dem gesamten europäischen Kontinent. Im Jahr 2015 soll die Zahl der im Netz surfenden Chinesen auf 850 Millionen steigen: Das wären mehr Internetnutzer als in Europa und den USA zusammengenommen.

Gebrauchtwagenmarkt bisher verpönt

Frank Sieren, Kolumnist der DW; Foto: DW

DW-Kolumnist Frank Sieren

Und im Automobilmarkt sieht es ähnlich aus. 2010 wuchs China zum größten Automarkt der Welt. Seitdem haben dort mehr als 40 Millionen Fahrzeuge die Fließbänder verlassen. Und der Markt wächst zweistellig. Die etablierten Autobauer erschließen immer mehr Regionen des Riesenreiches. Knapp die Hälfte der Menschen in China leben im verhältnismäßig armen Westen des Landes. Doch genau dort wird nun fleißig investiert. Immer mehr Menschen können sich ein Auto leisten. Und haben will sowieso jeder eins. Denn es gibt für Chinesen neben der eigenen Wohnung kein wichtigeres Statussymbol als ein Auto.

Und nun entsteht in China etwas, was bisher verpönt und ungewollt war: ein Gebrauchtwagenmarkt. 200 Millionen Chinesen sollen bald zur Mittelschicht gehören. Und mit neuen Gesetzen, die Benziner aus den Städten verbannen, werden Elektroautos den Ton angeben. Auf dem Land allerdings werden die Menschen dann auch einen gebrauchten Skoda nehmen. Denn dort darf er noch fahren auch, wenn er schon älter ist und noch wichtiger: Er ist bezahlbar.

Auto-Portal auch auf Smartphones nutzbar

Und die Chinesen in den Städten nutzen ihre Tablets und Smartphones, um Autos online zu vergleichen und zu kaufen, ganz egal ob Neuwagen oder Gebrauchtwagen. Dafür brauchen sie aber eine Plattform, die die Autohäuser der Hersteller, die Neuwagenhändler und die Gebrauchtwagenhändler vergleicht. Bitauto macht genau das möglich. Die Autohändler freut das. Denn wie soll ein Chinese vom äußeren Stadtring in Peking sonst wissen, dass es im Zentrum den günstigsten Händler gibt. Und gleichzeitig bietet Bitauto.com auch die Möglichkeit, nach Kategorien und Marken zu suchen. Selbstverständlich nach Preis sortiert.

Geld verdient Bitauto.com vor allem mit Onlinewerbung, die auf der Plattform geschaltet werden kann. Westliche Konkurrenten erwirtschaften ihre Einnahmen meist durch eine Gebühr für den Verkäufer und haben noch keine Modelle entwickelt, bei der die Einnahmequellen nur aus Werbeanzeigen kommen. Außerdem können Autohäuser auf Bitauto.com ihre eigene Website erstellen lassen und so ihre Bekanntheit weiter steigern. 2013 verzeichnete das Unternehmen einen Umsatz von rund 240 Millionen US-Dollar und steigerte ihn auf 400 Millionen im vergangenen Jahr. Auf Alibaba-Gründer Jack Ma hat das scheinbar Eindruck gemacht. Auch er ist jetzt mit Alibaba in den Gebrauchtwagenhandel eingestiegen.

DW-Kolumnist Frank Sieren lebt seit 20 Jahren in Peking.

Die Redaktion empfiehlt