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Asien

Sierens China: Freischwimmer für den Yuan

Peking lässt den chinesischen Yuan noch unabhängiger vom US-Dollar werden. Ein guter Schritt auf dem Weg zu einer internationalen Leitwährung meint DW-Kolumnist Frank Sieren.

Vergangenen Freitag (11.12.) kündigte die People´s Bank of China (PBoC) überraschend an, den Wechselkurs des Yuan künftig mehr als bisher an anderen Währungen zu orientieren. Zum ersten Mal veröffentlichte die Zentralbank die Zusammensetzung des Währungskorbs, an dem sich der Yuan orientieren soll. Dort spielt der US-Dollar noch eine zentrale Rolle. Das soll sich offensichtlich ändern. Seit über zwanzig Jahren ist der Yuan an den Greenback gekoppelt. Wegen des gegenwärtig starken US-Dollars hat der Yuan deshalb gegenüber den Währungen von Chinas wichtigsten Handelspartnern zugelegt.

Abschied von der Kopplung an den Dollar

Damit soll jetzt Schluss sein. Inzwischen ist der US-Dollar fast paritätisch zum Euro, obwohl der Euro Anfang dieses Jahres noch bei knapp 1,25 Dollar stand. Deshalb ließ die Chinesische Zentralbank nun zu, dass die Marktkräfte den Yuan auf den tiefsten Wert seit gut vier Jahren sinken ließen. Durch diese Aktion will Peking signalisieren, dass man nicht mehr gewillt ist, auch den Yuan immer teurer werden zu lassen, sollte die US-Währung auch im kommenden Jahr weiter an Wert gewinnen.

Frank Sieren *PROVISORISCH*

DW-Kolumnist Frank Sieren

Schon im August hatte die PBoC die Welt zum Zittern gebracht, als sie ausgerechnet während der Turbulenzen an den chinesischen Aktienmärkten die täglich festgelegten Wechselkursschwankungen des Yuan gegenüber der amerikanischen Währung um zwei Prozent nach oben oder unten ausschlagen ließ. Allerdings ist die Wechselkursfixierung nun transparenter. Während es sich die Politiker in den USA, in Europa und Japan immer mehr leisten, in die Währung einzugreifen, tun die Chinesen das immer weniger. Das ist erst einmal nur ein Trend: Die westlichen Währungen und der japanische Yen sind noch sehr viel freier als der Yuan. Dennoch hat der Internationale Währungsfonds (IWF) Peking dafür gelobt.

Der Yuan wird im kommenden Herbst in den IWF-Währungskorb aufgenommen. Dieser bildet - entsprechend einer bestimmten Gewichtung - eine Art Kunstwährung und bildet die Basis beispielsweise für internationale Finanzhilfen des IWF. Allerdings bewegt sich Peking nicht, um dem IWF zu gefallen oder sogar dessen Forderungen nachzugeben. Den Yuan vom US-Dollar abzukoppeln, ist besser für Chinas Wirtschaft. Denn der Yuan ist für die Exportnation China im Vergleich zum Euro und dem Yen zu teuer.

Billiges Geld gegen die Krise

Die Exporte sind im November bereits den fünften Monat in Folge geschrumpft und fielen um 6,8 Prozent zum Vorjahresmonat. Die Nachfrage sinkt auch, weil Chinas Produkte wegen des Yuan teuer sind. Nur, wenn sich der Yuan vom US-Dollar emanzipiert, kann er stärker werden. In die gleiche Richtung lassen sich die Zinssenkungen der chinesischen Notenbank verstehen: Ende Oktober hatte die Zentralbank zum sechsten Mal seit 2014 den Leitzins gesenkt. Er liegt inzwischen bei 4,35 Prozent.

China versucht seine Krise, ähnlich wie der Westen, mit billigem Geld zu lösen. Allerdings mit einem entscheidenden Unterschied: Anders als in Europa und den USA, deren Zinsen sich schon seit Jahren nahe der Nullgrenze bewegen, hat China noch viel Spielraum. Mit dem für China günstigeren Wechselkurs wird der Spielraum Pekings nun noch größer, ohne dass der Abwärtsdruck weiter zunimmt. Im Vergleich zum Vorjahresmonat legte die Industrieproduktion im November überraschend wieder um 6,2 Prozent zu. Beim Konsum lag das Plus bei 11,2 Prozent und damit so hoch wie seit Jahresbeginn nicht. Günstige Zeiten also, in denen der Yuan problemlos und ohne Not seinen Freischwimmer machen kann.

Unser Korrespondent Frank Sieren lebt seit über 20 Jahren in Peking.

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