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Asien

Sierens China: Ende des goldenen Zeitalters?

Die europäischen Unternehmen klagen über das Geschäftsumfeld in China. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der EU-Handelskammer unter ihren Mitgliedern. Doch die Ergebnisse sind kaum belastbar, meint Frank Sieren.

Die Drohung kam wie bestellt: Zwischen der EU und China könnte es zu einem "ausgewachsenen Handelskrieg" kommen, sollte Brüssel China nicht den Marktwirtschaftsstatus gewähren. "Die Wirtschafts- und Handelsbeziehungen könnten Schaden nehmen, wenn sich die EU weiter weigert, China diesen Status zu gewähren", verkündete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Dienstag. Ein paar Stunden zuvor präsentierte Jörg Wuttke, Präsident der Europäischen Handelskammer in China, ein ähnlich düsteres Bild. Nur noch knapp jedes zweite der befragten Unternehmen will seine Geschäfte in China ausbauen. 2013 waren es noch 86 Prozent. Gut jedes zweite Unternehmen findet es zudem schwieriger, seinen Geschäften in China nachzugehen.

Vor allem beklagen sich die Unternehmer aus der EU über die allgemein bekannten Hürden in China: Sie bekommen nicht den gleichen Marktzugang wie ihre chinesischen Wettbewerber, die gesetzlichen Regeln sind nicht transparent genug und das zensierte, aber vor allem das langsame Internet würde sich negativ auf die Produktivität, Forschung und Entwicklung aber auch auf Datenaustausch und Kommunikation auswirken. Kammerpräsident Wuttke zieht die Bilanz, dass die Mitglieder die Lage noch nie so pessimistisch gesehen haben wie in diesem Jahr.

Umfrage der EU-Handelskammer nur wenig Aussagekraft

Die Aussage mag stimmen, belegen lässt sie sich durch die Umfrage kaum. Denn von 1600 Mitgliedern wurden nur 1343 befragt. Davon haben nur 38 Prozent geantwortet, von denen die Hälfte unzufrieden ist. Wir wissen also nur, dass knapp zwanzig Prozent der befragten Mitglieder Probleme in China haben. Was ist mit der schweigenden Mehrheit von 80 Prozent? Sind das die glücklichen China-Investoren? Erstaunlich, dass eine renommierte Beraterfirma wie Roland Berger sich für die Umfrage einspannen lässt. Dass Wuttke Druck machen will in China, um die Lage der europäischen Unternehmen zu verbessern, ehrt ihn. Nur mit diesen wenig belastbaren Zahlen lässt sich kaum Druck aufbauen. Da hilft auch nicht, dass die meisten deutschen Medien darüber schweigen, wie die Zahlen zustande gekommen sind.

Frank Sieren (Foto: picture alliance/dpa)

DW-Kolumnist Frank Sieren

So ausgeschlafen sind Pekings Politiker inzwischen schon, dass sie das mitkriegen und entsprechend parieren. Europa sollte sich ein repräsentatives Umfragesystem leisten, um die Finger besser in die Wunde legen zu können. Immerhin werden täglich Waren im Wert von 1,5 Milliarden Euro ausgetauscht. Da müsste eine solide Umfrage doch drin sein. Zwischen China und der EU soll schon innerhalb der nächsten 18 Monate ein bilaterales Investitionsabkommen zustande kommen, um die Beziehungen zu verbessern. Trotz der bei einer Minderheit vorherrschenden Stimmung geht Wuttke davon aus, dass keine Seite Interesse an einem Handelskrieg hat.

Wichtig: Besserer Marktzugang für ausländische Unternehmen

Was belegbar ist: Chinesische Firmen haben mehr Freiraum, in Europa zu investieren als ausländische Unternehmen in China. Wuttke bringt dafür ein plastisches Beispiel: Die Chinesen haben gerade den Flughafen Frankfurt-Hahn gekauft, während es undenkbar wäre, dass ein europäisches Unternehmen einen chinesischen Flughafen kaufen könnte. Besserer Zugang zum chinesischen Markt ist eine wichtige und berechtigte Forderung der EU-Unternehmen. Um das überzeugend zu belegen, braucht es allerdings keine Umfragen.

Unser Kolumnist Frank Sieren lebt seit über 20 Jahren in Peking.

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