Sierens China: Ein Hafen für den Frieden | Asien | DW | 07.12.2015
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Asien

Sierens China: Ein Hafen für den Frieden

Peking errichtet einen ersten Marinestützpunkt an der Küste Afrikas, im strategisch günstig gelegenen Hafen von Dschibuti. Ein wichtiger Schritt für Chinas Außenpolitik, meint DW-Kolumnist Frank Sieren.

Dschibuti spanisches Kriegsschiff im Hafen

In Hafen von Dschibuti liegen heute schon die Kriegsschiffe mehrerer Nationen vor Anker

Lange hat China in seiner Außenpolitik damit gepunktet, sich allein auf wirtschaftliche Beziehungen zu konzentrieren. Im Juni deutete sich mit dem neuen Sicherheitsgesetz der Regierung an, dass sich dies ändern könnte. Da hieß es im Weißbuch zwar noch, dass China in seiner Natur defensiv bleibe und das Militär allein der Sicherung des Friedens diene. Ende November verkündete Präsident Xi Jinping dann auf einer Militärtagung quasi eine Generalreform der Volksbefreiungsarmee. Anstelle von starren Land- und Marineeinheiten will man flexible und zusammenarbeitende Kräfte formen, die unter einem einheitlichen Kommando stehen. Große Priorität haben die Sicherheit internationaler Gewässer und die Verteidigung territorialer Ansprüche – ein kleiner Wink hinsichtlich des Inselstreits im Südchinesischen Meer.

Bei der ersten offiziellen Militäranlage außerhalb Chinas - im afrikanischen Dschibuti, am Horn von Afrika - geht es vordergründig darum, internationale Gewässer zu sichern und die Chinesen in Afrika zu schützen. Seit 2008 helfen etwa 60 chinesische Marineschiffe als Teil einer UN-Mission im Golf von Aden und vor Somalia bei Geleitmissionen mit. Peking selbst nimmt noch Abstand vom Begriff "Militärstützpunkt" und nennt ihn einfach eine Basis zur Unterstützung der dortigen Truppen. Man brauche einen geeigneten Anlaufhafen, an dem die Soldaten sich ausruhen und Vorräte wieder aufgestockt werden könnten. Ein entsprechendes Stationierungsabkommen für die nächsten zehn Jahre wurde von beiden Ländern schon unterzeichnet.

Strategischer Stützpunkt vieler Nationen

In Dschibuti befinden sich die Chinesen in guter Gesellschaft. Der Kleinstaat liegt an einem strategisch wichtigen Punkt: der Meerenge Bab al-Manda, die das Rote Meer und den Golf von Aden trennt. Ein Anlaufpunkt für viele Piraten. Weitere Krisengebiete, wie im Jemen und Somalia liegen in der Nachbarschaft. Dementsprechend haben auch die USA dort ihren einzigen Stützpunkt in Afrika mit mehr als 4000 Soldaten. Der wird gerade für 1,3 Milliarden Dollar ausgebaut. Japan und Italien sind ebenso vertreten wie Frankreich, das in Dschibuti etwa 1500 Soldaten unterhält. Russland wollte sich eigentlich auch dort positionieren, wurde wegen Interessenskonflikten mit den USA aber abgewiesen. Erstaunlicherweise gibt es diese Probleme mit China nicht. Das Angebot der Chinesen war wohl interessanter.

Frank Sieren *PROVISORISCH*

DW-Kolumnist Frank Sieren

Für Peking ist Dschibuti ein wichtiger Knotenpunkt. Der Stützpunkt sichert nicht nur wirtschaftliche Interessen – der Transport von Rohöl durch die Meerenge - man hat auch ein besseres Auge auf die arabische Halbinsel und das afrikanische Innenland. Dafür entsteht auf der Basis auch eine Flugbahn. Längst ist bekannt, wie stark China in den afrikanischen Kontinent investiert. Vor ein paar Tagen erst hat Staatspräsident Xi Jinping für die kommenden Jahre 60 Milliarden Dollar an Unterstützungen und Krediten im Wirtschaftssektor versprochen. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis Peking sich auch militärisch stärker engagieren würde, um die Sicherheit in dieser Weltregion zu erhöhen. Der Afrikanischen Union hat man 100 Millionen Euro für eine schnelle Eingreiftruppe zur Verfügung gestellt. 8000 chinesische Soldaten sollen für eine UN-Friedenstruppe zusammengestellt werden. Weitere Kooperationen der Volksbefreiungsarmee in Afrika sind auch nicht undenkbar.

Perlenkette am Indischen Ozean

Der neue Stützpunkt lässt sich noch in einem anderen Zusammenhang sehen: Er ist ein neues Glied in der sogenannten Perlenkette, die China entlang der Küsten des Indischen Ozeans zieht. An mehreren Stationen befinden sich Häfen im Bau oder werden geplant. So hätte die chinesische Marine später schneller Anlaufpunkte zur Auffrischung von Treibstoff und Vorräten, ohne nach China zurückkehren zu müssen. Die Kette beginnt in Südostasien, wie etwa Kambodscha und könnte sich dann durch den geplanten Kra-Kanal in Thailand in den Indischen Ozean verlängern. Dort geht es weiter über einen Hafen in Burma nach Bangladesch und Sri Lanka bis nach Gwadar in Pakistan. Dschibuti ist da eine sinnvolle Erweiterung.

Mit diesen Häfen, von denen manche auch Bahnverbindungen in die Volksrepublik erhalten sollen, könnte China seine militärische Reichweite enorm erweitern. Experten betrachten diese Entwicklungen an der Perlenkette als eine Gegenbewegung zu den geopolitischen Interessen der USA. China will und kann sich nicht mehr nur auf wirtschaftliche Kooperationen verlassen.

Unser Korrespondent Frank Sieren lebt seit über 20 Jahren in Peking.

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