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Asien

Sierens China: Der Renminbi wird zur Leitwährung

Der chinesische Renminbi ist vom IWF in die Liga der Weltwährungen aufgenommen worden. Das wertet die Währung auf, verpflichtet Peking aber auch, meint DW-Kolumnist Frank Sieren.

Seit Anfang dieser Woche ist es nun beschlossene Sache: Der Exekutivrat des Internationalen Währungsfonds (IWF) hat beschlossen, den chinesischen Renminbi in seinen Währungskorb aufzunehmen. IWF-Chefin Christine Lagarde sprach von einem "Meilenstein der Integration der chinesischen Wirtschaft in das globale Finanzsystem". Neben dem US-Dollar, dem Euro, dem japanischen Yen und dem britischen Pfund ist die chinesische Währung damit zur fünften Weltreservewährung aufgestiegen.

Entscheidung gegen viele Kritiker

Dass der IWF diese Entscheidung treffen würde, war absehbar. Zunächst verändert sich jedoch nichts im Devisenkorb der IWF, da die Entscheidung erst zum Oktober 2016 wirksam wird. Peking kann sich aber nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen, sondern muss die Finanzreformen im Land weiter voranbringen. Bisher hat die Volksrepublik ihre Hausaufgaben gemacht, wenn auch langsamer als von den Unterstützern dieses Entscheids erhofft wurde. Auch deswegen ist die Liste der Bedenkenträger und Kritiker des IWF-Beschlusses lang. Noch im Sommer, als Chinas Aktienbörsen sich auf Achterbahnfahrt vor allen nach unten bewegten, waren die Vorzeichen für China noch schlecht, die strengen Kriterien des IWF zu erfüllen.

Frank Sieren *PROVISORISCH*

DW-Kolumnist Frank Sieren

Der größte Einwand war und ist: Der Yuan, wie die chinesische Währung auch genannt wird, kann nicht - wie die anderen Leitwährungen - frei an den Weltmärkten gehandelt werden. Vielmehr entscheidet Peking darüber, wie sehr der Kurs des Yuan schwanken darf - und habe ihn künstlich hochgehalten, so die Kritiker. Doch während des Sommers hat die chinesische Zentralbank den Yuan nicht nur binnen weniger Tage um mehr als drei Prozent gegenüber dem US-Dollar abgewertet. Auch lassen Chinas Zentralbanker den Kurs des Yuan seit mehr als einem Jahr täglich bis zu zwei Prozent zum US-Dollar schwanken. Die offizielle Begründung für die Maßnahmen: Peking will dem Markt einen größeren Spielraum beim Austarieren des Wechselkurses geben. Und der kommende Fünf-Jahresplan, der im Frühjahr 2016 verabschiedet wird, könnte vielleicht schon einen komplett freien Handel des Yuan vorsehen.

Immer mehr Geschäfte in Yuan

Bisher beträgt der Anteil des Yuan am weltweiten Zahlungsverkehr nur 2,8 Prozent. Der Dollar bringt es hingegen auf 45 Prozent. Doch die Chinesen holen auf. So bemüht sich Peking schon seit sechs Jahren, weltweit Swap-Abkommen abzuschließen. 40 Länder haben mittlerweile ein Swap-Deal mit China. Das bedeutet, sie können ihre Geschäfte mit China direkt in Yuan statt in US-Dollar abwickeln. Auch an den Börsenplätzen der Welt wird der Yuan immer sichtbarer: In London, Zürich und Frankfurt sind Renminbi-Clearing-Hubs entstanden, über die der chinesische Devisenhandel in Europa abgewickelt werden kann. Und seit zwei Wochen gibt es in Frankfurt zudem eine neue deutsch-chinesische Börse CEINEX, an der Anleger rund 200 Renminbi-Produkte handeln können.

Mit der Aufnahme des Renminbis in den IWF-Devisenkorb geht die Ära des US-Dollar als alleinige Weltwährung langsam aber stetig zu Ende. Rund eine Billion Yuan (147 Milliarden Euro) könnten in den chinesischen Anleihemarkt fließen, sobald der Yuan im Währungskorb des IWF aktiviert wird. Die Nachfrage nach Yuan könnte dann auf über 560 Milliarden Euro steigen. Peking hat also einen wichtigen, ersten Etappensieg erzielt. Und hinzu kommt der Ruhm für den historischen Vorstoß in die internationale Währungs- und Devisenwelt.

Unser Korrespondent Frank Sieren lebt seit über 20 Jahren in Peking.

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