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Asien

Sierens China: Das iPhone geht vor die Hunde

Apples Umsätze sind in China, dem wichtigsten Wachstumsmarkt, eingebrochen. Vor allem die chinesischen Wettbewerber setzen Apple zu, meint DW-Kolumnist Frank Sieren.

Keine Woche sind das neue iPhone 7 und das iPhone 7 Plus auch in China zu haben, aber der Verkauf läuft schleppend. Während beim Vorgängermodell, dem iPhone 6, Chinas Apple-Fans vor den Läden campierten, um unter den Ersten zu sein, die das neue Modell aus dem Hause Apple in der Hand halten, waren in Peking oder Shanghai diesmal keine größeren Schlangen vor den Apple-Läden zu sichten. Nur diejenigen, die sich das neueste iPhone schon online vorbestellt hatten, konnten es in den Apple-Läden abholen.

Der Umsatz des alten iPhones in China ist im Verkaufszeitraum zwischen April bis Juni um über 30 Prozent eingebrochen. Davor war das iPhone 6 Modell, als es neu auf den Markt kam, Apples einstweilige Rettung. Eine Mischung aus einem unausgereiften Marketingplan für China, gepaart mit immer stärker werdenden chinesischen Anbietern, setzt Apple unter Druck. Hatte Apple im vergangenen Jahr noch einen China-Marktanteil von über zehn Prozent, ist er inzwischen auf rund sieben Prozent gesunken. Es reicht nun nur noch für Platz fünf hinter den chinesischen Anbietern Huawei, Oppo, Xiaomi oder Vivo. Das war noch vor drei Jahren eine unvorstellbare Entwicklung.

Apples "Neuerungen" in China längst alter Hut

Frank Sieren Kolumnist Handelsblatt Bestseller Autor China

DW-Kolumnist Frank Sieren

Inzwischen ist Huawei nun Chinas größter Player mit einem Marktanteil von 18 Prozent. Und Oppos Anteil an Chinas Smartphonemarkt ist sogar von 6,9 Prozent im vergangenen Jahr auf 14 Prozent im zweiten Quartal dieses Jahres gestiegen. Oppo ist eine Marke, von der im Westen nur Spezialisten gehört haben. Das größte Problem des neuen iPhone 7: Apple-Marketingchef Phil Schiller preist Neuerungen an, die für die chinesischen Smartphone-Bauer längst gang und gäbe sind. Die Kunden wissen das natürlich und fühlen sich verschaukelt. Schiller hat die falschen Töne angeschlagen, als er von Apples Mut sprach, auf veraltete Technik zu verzichten, um Raum für Neues zu schaffen. Damit ist die Abschaffung der Buchse für Klinkenstecker beim neuen iPhone 7 gemeint.

Kopfhörer können nun nur noch über einen Adapter über den Stromanschluss oder kabellos per Bluetooth mit dem Gerät verbunden werden. Doch chinesische Smartphone-Hersteller wie LeEco hatten bereits im Juni ein neues Modell ohne Klinkenstecker auf den Markt gebracht. Und auch die neue Dual-Kamera des iPhone 7 ist bei dem chinesischen Anbieter Huawei schon länger Standard. Somit hat Apple beim neuen iPhone 7 nur alte, aber immer noch weitverbreitete Technik gegen neue ausgetauscht, die zumindest in China keine Neuheit mehr ist.

Schlechtes Marketing auf chinesischem Markt

Auch beim Marketing und Design haben sich die Amerikaner beim iPhone 7 verschätzt. Während Scarlett Johansson für Huaweis Smartphones wirbt, hat Apple zum Verkaufsstart des neuen iPhone 7 kaum plakatiert. Stattdessen hängen überall Plakate von kleineren chinesischen Anbietern wie Meizu an den Bushaltestellen in Peking. Ganz besonders daneben dürfte Apple vor allem aber mit der Entscheidung liegen, der neuen iPhone-Generation kein neues Design zu verpassen. Die chinesischen Kunden sind schnell gelangweilt. Und wenn sie sich schon ein neues Smartphone leisten, dann sollte man es auch sehen. Sonst funktioniert es nicht als Statussymbol.

Das neue Smartphone hat also nicht das Zeug, den Abstieg Apples in seinem wichtigen Wachstumsmarkt zu bremsen. Apple verliert weiter den Anschluss an seine Kunden. Währenddessen geht Apple-Chef Tim Cook immer noch öffentlich davon aus, dass "jeder eins haben will". Das ist in China nicht mehr der Fall und dürfte auch nie mehr der Fall sein. Da helfen auch schöne Geschichten wie die von Wang Sicong nicht, dem Sohn des reichsten Mannes Chinas, Wang Jianlin. Er soll seinem Hund Coco gleich acht iPhone 7 gekauft haben. Im Gegenteil, sie verleiten zu Kalauern: Das iPhone geht vor die Hunde.

DW-Kolumnist Frank Sieren lebt seit mehr als 20 Jahren in Peking.

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