1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Asien

Sierens China: Bessere Luft für alle

Wenn China in saubere Energie investiert, profitiert das eigene Volk, aber auch die ganze Welt. Peking könnte dadurch eine treibende Kraft in Sachen Klimawandel werden, meint DW-Kolumnist Frank Sieren.

Der Pekinger Smog kommt zur Klimakonferenz in Paris wie gerufen. Werte über 650 auf dem Luftqualitätsindex sind fast ein Rekord und über zwanzig Mal höher als die erlaubten Grenzwerte. Sie zeigen auch dem letzten Skeptiker, wie dringend notwendig die Klimakonferenz in Paris ist. Dort gibt sich Chinas Präsident Xi Jinping positiv: China sei entschlossen, ein internationales Abkommen, das für alle Beteiligten bindend sei, zu erreichen. Die Volksrepublik hoffe, auf dem Gipfel würden nach dem Prinzip "gemeinsame, aber individuelle Verantwortung" globale Mechanismen zur Begegnung des Klimawandels nach dem Jahr 2020 aufgebaut.

China selbst hat schon vor einem Jahr zugesagt, bis zum Jahr 2030 seinen Ausstoß an Treibhausgasen zu reduzieren und den Anteil an erneuerbaren Energien zu vergrößern. Und dass es Xi dabei ernst ist und es sich nicht nur um Lippenbekenntnisse zur Klimakonferenz handelt, zeichnet sich immer deutlicher ab.

Deutlicher Kurswechsel in Peking

China ist der weltweit größte CO2-Erzeuger mit einem Anteil von rund 25 Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen. Noch vor gut sechs Jahren stellte sich Peking auf der Klimakonferenz in Kopenhagen auf den Standpunkt, dass der Westen schon viel länger die Welt verpeste als China und beide deshalb nicht über einen Kamm geschert werden dürften. Nun hat China nachgegeben. Auf jeden Fall will Xi, dass die internationalen Klimaverhandlungen Erfolge erzielen und diese auf Chinas Image abstrahlen.

Frank Sieren *PROVISORISCH*

DW-Kolumnist Frank Sieren

Nichts wird dabei dem Zufall überlassen. Schon im Juni hat Peking nochmals seine bisherigen Klimaziele für den Gipfel in Paris nach oben geschraubt. So soll 2030 schon ein Wendepunkt beim Ausstoß von Kohlendioxid sein und 20 Prozent des Energiebedarfs dann aus nicht-fossilen Quellen kommen. Derzeit sind es gerademal elf Prozent. Gleichzeitig soll der Energieverbrauch der Industrie verringert werden und bis 2030 sollen die Emissionen im Vergleich zu 2005 um 65 Prozent gesenkt werden. Noch 2012 gingen zwei Drittel des chinesischen Energieverbrauches auf das Konto der Industrie. Peking will vor allem weg von der Kohle und hofft auch, damit endlich bessere Luftwerte für sein 1,3 Milliarden-Volk zu erreichen.

China ist aber nicht allein in Sachen Klimawandelbekämpfung: 160 Länder nehmen in Paris am Klimagipfel teil, gemeinsam sind sie für 93,5 Prozent der weltweiten Emissionen verantwortlich. Die meisten haben sich im eigenen Land schon Ziele gesetzt und arbeiten an weniger CO2-Ausstoß. Doch in Paris gilt es sich auf eine gemeinsame Lösung zu einigen, trotz der bisherigen Streitigkeiten und Vorwürfen, die es in jeder Gemeinschaft gibt.

Klimapolitik ist vor allem Streit ums Geld

Der größte Streitfaktor ist dabei die Finanzierung der gesteckten Klimaziele. So sollen Industrieländer mit einem jährlichen Fonds von 100 Milliarden US-Dollar und Hochtechnologie für die Finanzierung der Klimaziele bis 2020 aufbringen und damit den Entwicklungsländern unter die Arme greifen. Chinas Spezialunterhändler für Klimawandel, Xie Zhenhua, hat den Nagel auf den Kopf getroffen, als er sagte, dass Finanzierung und Technologie ausschlaggebend für die Verhandlungen in Paris sein werden. Peking, das sich zu den Entwicklungsländern zählt, zögerte dennoch nicht, drei Milliarden US-Dollar in einen Süd-Süd-Hilfsfonds einzuzahlen.

Auch Deutschland fördert den weltweiten Klimaschutz mit mehr als 2,3 Milliarden Euro jährlich. Nur US-Außenminister John Kerry tut sich noch schwer. Er hat erst kürzlich gesagt, dass die USA keine rechtlich verbindlichen Klimaziele unterschreiben will. Xi Jinping will hingegen und ist damit eine der Schlüsselfiguren der Weltklimakonferenz.

Unser Korrespondent Frank Sieren lebt seit über 20 Jahren in Peking.

Die Redaktion empfiehlt