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Asien

Sierens China: Alarmstufe rot

Zum ersten Mal hat Peking aufgrund der Feinstaubbelastung die höchste Alarmstufe ausgerufen. Das ist ein wichtiges Signal, doch das Problem löst es aber auch nicht, meint DW-Kolumnist Frank Sieren.

Das Atmen fällt schwer, keine fünf Meter kann man durch den dichten Smog Pekings noch etwas erkennen. Die Verbotene Stadt liegt in einer dicken Dunstwolke, die die einstige Kaiserstadt in eine fast friedliche Kulisse hüllt. Kaum Touristen sind noch unterwegs, sich die Hauptattraktion der Stadt anzuschauen. Und überhaupt steht das öffentliche Leben in Peking seit Beginn dieser Woche still.

Die Pekinger Umweltschutzbehörde hat zum ersten Mal die höchste Alarmstufe Rot ausgerufen. Das bedeutet: "Die Menschen sollten möglichst Aktivitäten im Freien vermeiden", so die Umweltschutzbehörde. Drei Tage sind Kindergärten und Schulen teilweise geschlossen, nur noch jedes zweite Auto darf fahren. Rund 2000 Fabriken in und um Peking herum mussten ihre Produktion herunterfahren, damit es nicht wieder zu apokalyptischen Luftwerten wie etwa vor einer Woche kommt. Dienstag vergangener Woche (01.12.) stiegen die Feinstaubwerte in der Hauptstadt auf über 600 Mikrogramm pro Kubikmeter - auf einer Skala, die bei den meisten chinesischen Messgeräten bei 500 aufhört.

Notmaßnahmen wirkungslos

Bis Dienstag dieser Woche (08.12.) wurde die Luft trotz aller Notmaßnahmen nicht besser. Bis zum Abend kletterte der Wert der Feinstaubbelastung auf 350 Mikrogramm pro Kubikmeter. Das ist über fünfzehnmal höher als die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sie noch für akzeptabel hält. Grund dafür ist die Verbrennung von Kohle. Kohle ist mit einem Anteil von über 60 Prozent immer noch die wichtigste Energiequelle in China. Jedes Jahr zur Beginn der Heizperiode, wenn die Heizkraftwerke ab dem 15. November wieder auf Hochtouren laufen, verschlechtert sich die Luft so sehr, dass die Menschen zwar nicht mehr frieren müssen, aber dafür kaum mehr Luft bekommen.

Frank Sieren *PROVISORISCH*

DW-Kolumnist Frank Sieren

Besonders schlimm trifft es Peking aufgrund seiner geografischen Lage. Dann hüllt der Smog die Millionen-Metropole regelrecht in eine Smogglocke ein. Für die Kommunistische Partei ist es inzwischen höchste Priorität, das Smogproblem in den Griff zu bekommen, denn der Unmut in der Bevölkerung wird immer größer. Viele Pekinger ziehen weg, wenn sie können. Und auch ausländische Firmen haben das Problem, dass die meisten Talente wegen der schlechten Luft selbst für viel Geld nicht nach Peking zu locken sind. Vor allem dann nicht, wenn sie Kinder haben.

Jedes Jahr sterben in China 1,4 Millionen Menschen an den Folgen der Luftverschmutzung. Weltweit sind es laut einer Studie des Max Plancks Instituts 3,3 Millionen. Die hohe Feinstaubbelastung schwächt nicht nur das Immunsystem, sondern ist auch noch Ursache für Atemwegs- sowie Herz- und Kreislauferkrankungen. Gerade alte und junge Menschen sind besonders gefährdet. Zudem sehen Ärzte die Feinpartikel, die direkt ins Blut gehen, als Krebserreger.

Die KP kann für blauen Himmel sorgen

Die Kommunistische Partei hat zum APEC-Gipfel im vergangenen Jahr und auch zur Militärparade vor drei Monaten gezeigt, dass sie durchaus in der Lage ist, für blauen Himmel und gute Luft zu sorgen, wenn ausländische Staatsoberhäupter nach Peking kommen. Erkauft wurde das durch die temporäre Schließung von Fabriken und die damit verbundenen Produktionseinbußen.

"Apec-Blau" statt "Air-pocalypse" fordern nun auch immer mehr Nutzer in den sozialen Netzwerken. Peking hat das Problem längst erkannt und will nun die Infrastruktur der Stadt umbauen. In einer Fusion mit den umliegenden Kommunen sollen die Industriezonen reduziert werden, die Regierungsinstitutionen an Orten ohne Verkehrsstaus zusammengezogen werden. Plan ist auch, unrentable Produktionen in afrikanische Länder zu verlagern. Das bringt Peking den Vorwurf des Exportes von Treibhausgasen ein. Die Lage ist kompliziert. Die Bevölkerung will weder schlechte Luft atmen noch ein Autofahrverbot. Kurzfristig wird die Regierung nicht in der Lage sein, die Situation zu ändern.

Unser Korrespondent Frank Sieren lebt seit über 20 Jahren in Peking.

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