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Wirtschaft

Siemens zahlt eine Milliarde Euro Strafe im Korruptionsskandal

Im größten Schmiergeld-Skandal der deutschen Wirtschaftsgeschichte muss der Münchener Konzern hohe Geldbußen in Deutschland und den USA zahlen. Ex-Finanzminister Theo Waigel wurde zum Anti-Korruptionsaufseher ernannt.

Siemens-Zentrale in München (Foto: AP)

Die Korruptionsaffäre kommt Siemens teuer zu stehen

Auf die Höhe der Bußgelder einigte sich der Konzern mit dem amerikanischen Justizministerium und der US-Börsenaufsicht SEC sowie der Staatsanwaltschaft München. Damit seien die Verfahren gegen das Unternehmen wegen des Vorwurfs der Bestechung von Amtsträgern in beiden Ländern zeitgleich beendet, erklärte Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme am Montagabend (15.12.2008) in München. "Heute schließen wir eines der unerfreulichsten Kapitel in der mehr als 160-jährigen Geschichte von Siemens im Wesentlichen ab", sagte er.

Rund 600 Millionen Euro der Strafzahlungen entfallen auf ein Bußgeld an das US-Justizministerium sowie eine Gewinnabschöpfung an die SEC. Die Staatsanwaltschaft München verhängte zudem ein Bußgeld über weitere 395 Millionen Euro.

Wächter Waigel

Ex-Bundesfinanzminister Theo Waigel (Foto: dpa)

Ex-Bundesfinanzminister Theo Waigel soll neue Korruption verhindern

Mit der Gesamtsumme von rund einer Milliarde Euro kommt Siemens glimpflicher davon, als zunächst befürchtet. Ursprünglich war wegen des Schmiergeld-Skandals über Strafen von mehreren Milliarden Euro und einen drohenden Ausschluss von öffentlichen Aufträgen in den USA spekuliert worden.

Als Auflage aus dem US-Verfahren hat Siemens Ex- Bundesfinanzminister Theo Waigel dazu verpflichtet, die Einhaltung von Gesetzen und Vorschriften bei Siemens zu überwachen. Dabei geht es auch um Maßnahmen zur Vermeidung von Korruption. Darüber werde Waigel, der für vier Jahre verpflichtet wurde, auch regelmäßig dem US-Justizministerium und der SEC berichten, teilte Siemens mit.

Verfahren laufen noch

In dem Skandal geht es um dubiose Zahlungen von rund 1,3 Milliarden Euro, die zur Erlangung von Aufträgen im Ausland eingesetzt worden sein sollen. Siemens hatte seit Monaten mit den Behörden verhandelt. Zwar gebe es noch immer eine Vielzahl von Verfahren auch in anderen Ländern, sagte Cromme. Die jetzt erzielten Einigungen seien aber "sicherlich auch von der Größe der Bußgelder und Strafzahlungen bei Weitem der größte Betrag".

Insgesamt hat die Aufarbeitung des Skandals den Konzern bisher 2,5 Milliarden Euro gekostet.

In Washington sprach das US-Bundesgericht Siemens wegen bewusst umgangener und fehlender interner Kontrollen sowie wegen des Verstoßes gegen Vorschriften der Rechnungslegung schuldig. Außerdem haben sich der Entscheidung zufolge drei Siemens-Töchter der Mittäterschaft bei Bestechung strafbar gemacht. Die Staatsanwaltschaft München wiederum verhängte ihr Bußgeld wegen einer Verletzung der Aufsichtspflicht des früheren Gesamtvorstandes des Konzerns.

Versäumnisse der Führungsspitze

Früherer Siemens-Aufsichtratschef Heinrich von Pierer (Foto: AP)

Welche Rolle spielte Ex-Aufsichtsratschef Pierer?

Die Ermittlungen gegen einzelne Beschuldigte in dem Skandal dauern aber an. Unter anderem wird gegen den früheren Siemens-Chef Heinrich von Pierer wegen Verletzung der Aufsichtspflicht ermittelt. Von ihm und weiteren früheren Vorständen des Konzerns fordert Siemens Schadenersatz in Millionenhöhe.

Aus den Dokumenten der US-Behörden geht hervor, dass der früheren Führungsspitze um Pierer schwere Versäumnisse unter anderem bei internen Kontrollen vorgeworfen werden. Siemens sieht sich durch diese Einschätzungen bestätigt. Sie werden nach den Worten Crommes auch als Basis bei den Schadenersatzforderungen dienen.

Pierer gibt sich ahnungslos

Pierer selbst war nach Angaben seines Anwalts in das Verfahren vor den US-Behörden nicht eingebunden. Die erhobenen Vorwürfe seien ihm erst am Montag aus der Presse bekannt geworden, erklärte Pierers Anwalt Winfried Seibert in einer Stellungnahme. Pierer sei nicht beteiligt gewesen und auch in den USA nicht angehört worden. Auch Siemens habe ihm die Vorwürfe "zu keiner Zeit vorab mitgeteilt".

In der "Süddeutschen Zeitung" hatte es geheißen, dem früheren Konzernchef werde unter anderem vorgeworfen, er habe seit 2001 von Treuhandkonten in der Schweiz gewusst, über die Provisionszahlungen für Aufträge aus dem Ausland abgewickelt worden seien. Pierer selbst hatte stets jede Verwicklung in den Schmiergeld-Skandal von sich gewiesen. (gri)

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