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Wirtschaft

Siemens verzichtet auf Kündigungen

Der Siemens-Konzern will beim Stellenabbau in seiner kriselnden Kommunikationssparte nach einer Einigung mit den Arbeitnehmern ohne Kündigungen auskommen.

Klaus Kleinfeld Siemens

Siemens-Chef Klaus Kleinfeld trennt sich von kriselnden Bereichen

Der Siemens-Vorstand einigte sich mit dem Betriebsrat und der IG Metall auf die Einführung der 30-Stunden-Woche im Telefonanlagen-Geschäft, um die befürchteten Kündigungen zu vermeiden. Außerdem bietet Siemens den betroffenen 4600 Mitarbeitern Altersteilzeit, den Wechsel in eine Qualifizierungsgesellschaft und Abfindungen an, wie Unternehmen und Gewerkschaft am Donnerstag (22.9.2005) mitteilten.

Betriebsbedingte Kündigungen soll es nicht geben. "Dieses Ergebnis zeigt, dass es Alternativen zum fantasielosen Beschäftigungsabbau gibt und unsere Tarifverträge genau diesen Spielraum bieten", sagte der stellvertretende IG-Metall-Vorsitzende und Siemens-Aufsichtsrat Berthold Huber. Wie hoch der Stellenabbau über die vereinbarten Instrumente ausfallen soll, ließen beide Seiten offen. In Medienberichten war vor einigen Tagen von mehr als 4000 Arbeitsplätzen die Rede gewesen. Dem Vernehmen nach ist diese Zahl aber zu hoch gegriffen. Siemens-Personalvorstand Jürgen Radomski erklärte, mit der Einigung gebe es "die Basis für eine sozialverträgliche Anpassung der Personalkapazitäten an die veränderten Rahmenbedingungen in diesem Marktsegment".

Verändertes Geschäft

Siemens Werksgebäude München

Siemens Werksgebäude in München

Weil Firmenkunden herkömmliche Telefonanlagen zunehmend durch einfache Internet-Software ersetzen, werden immer weniger Mitarbeiter für Vertrieb und Wartung von Telefonanlagen gebraucht. Auch die IG Metall hatte daher Überkapazitäten eingeräumt. Viele von ihnen würden künftig statt 35,8 nur noch 30 Stunden ohne Lohnausgleich pro Woche arbeiten, erklärte ein Siemens-Sprecher. Außerdem könnten Mitarbeiter in eine firmeneigene Vermittlungs- und Qualifizierungsgesellschaft wechseln, um so einen neuen Arbeitsplatz innerhalb oder außerhalb von Siemens zu finden.

IG Metall und Betriebsrat werteten es vor allem als Erfolg, dass alle 12.000 Beschäftigten in den Siemens-Servicegesellschaften der deutschen Niederlassungen, die ausgegliedert worden waren, wie vereinbart zum 1. Oktober wieder in die Siemens AG integriert werden. Die Arbeitnehmer hatten befürchtet, dass Siemens diese Zusage wieder kassieren könnte. "Damit ist eine wesentliche Forderung der Beschäftigten und der IG Metall erfüllt. Denn diese Geschäfte und die daran hängenden Arbeitsplätze können nicht mehr von heute auf morgen durch einfachen Eigentümerwechsel verkauft werden", sagte Huber.

Aufräumen in den Krisensparten

Siemens räumt derzeit in seinen Krisensparten auf. Nachdem Siemens-Chef Klaus Kleinfeld die Handy-Sparte mit 6000 Beschäftigten unter die Fittiche des taiwanesischen Unternehmens BenQ gebracht hatte, hatte Kleinfeld am Montag den Abbau von 2400 Arbeitsplätzen bei der defizitären IT-Tochter SBS in Deutschland sowie die Aufteilung der ebenfalls angeschlagenen Logistiksparte angekündigt. Gewerkschafter hatten den Abbau weiterer 4000 Jobs in der Kommunikationssparte befürchtet und zeigten sich jetzt erleichtert.

Siemens trennt sich von Handysparte

Die Handy-Sparte hat Siemens schon abgestoßen

Die Siemens-Aktie gab bis zum Nachmittag deutlich nach und gehörte zu den Schlusslichtern im DAX. Die vom Umsatz mit Abstand größte Siemens-Sparte Kommunikation (Com) hatte im vergangenen Quartal 70 Millionen Euro Verlust gemacht, soll im laufenden Quartal nach einem Bericht des "Manager-Magazins" aber einen kleinen Gewinn erwirtschaftet haben. Ein Konzernsprecher lehnte jeden Kommentar ab. Der Analyst Falk Reimann von der Landesbank Baden-Württemberg sagte, die Einigung sei zufrieden stellend und wahre den sozialen Frieden. Aber die Probleme im Com-Bereich Festnetz schwelten weiter, "da muss noch mehr kommen". (stu)

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