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Wirtschaft

Siemens und GE - die ewigen Konkurrenten

Die Industriekonzerne Siemens und General Electric (GE) konkurrieren seit Jahrzehnten miteinander. Nun interessieren sich beide für Alstom aus Frankreich. Spielen die Wettbewerbshüter mit?

Siemens und General Electric (GE) sind sich in vieler Hinsicht ähnlich. Beide Firmen wurden von Erfindern im 19. Jahrhundert gegründet, beide sind heute weltweit operierende Industriegiganten.

Werner von Siemens und Johann Georg Halske gründeten 1847 in Berlin eine Firma zum Bau von Telegrafen und legten damit den Grundstein für die heutige Siemens AG mit Sitz in München. Die Wurzeln des US-Konzerns GE gehen auf Thomas Alva Edison zurück. Der Erfinder der Glühbirne gründete 1890 die Edison General Electric Company.

GE ist größer und profitabler

Die Geschäftsfelder beider Firmen reichen heute vom Turbinen- und Kraftwerksbau über Infrastruktur und Medizintechnik bis zu Finanzdienstleistungen. Im Industriegeschäft machen beide rund 75 Milliarden Euro Umsatz, wegen der deutlich größeren Finanzsparte GE Capital kommt General Electric insgesamt auf mehr als 100 Milliarden Euro Jahresumsatz. Der Nettogewinn ist mit 9,5 Milliarden Euro bei GE mehr als doppelt so hoch wie bei Siemens (4,3 Mrd. Euro).

Thomas Alva Edison

Der amerikanische Erfinder Thomas Alva Edison

Die Profitabilität spiegelt sich im Börsenwert. Nach Marktkapitalisierung ist GE weltweit das neuntgrößte Unternehmen, Siemens liegt laut Forbes Magazine auf Platz 50.

Die Konzentration auf den Börsenwert hat bei GE eine deutlich längere Tradition als bei Siemens. GE-Boss Jack Welch trimmte das Unternehmen in seiner 20-jährigen Amtszeit seit 1981 auf Profit. Zu seinen Zielen gehörte es, in jedem Geschäftsfeld die Nummer eins oder zwei zu sein, andernfalls beendete er die Unternehmung. Welchs Maxime, jedes Jahr die zehn Prozent seiner Manager zu feuern, deren Erfolg zu wünschen übrig ließ, gilt es beispielhaft für die extreme Wettbewerbsorientierung des Konzerns in dieser Zeit.

Gegenseitige Vorbilder

Ganz anders die Situation bei Siemens. "Mit dem 'fix it or close it' von GE hat man sich bei Siemens sehr schwer getan", sagt der frühere Siemens-Manager Manfred Hoefle. "Das lag an dem Familienverständnis bei Siemens, alle waren Teil einer Gemeinschaft. Das wurde lange Zeit gepflegt." Das änderte sich, als Konkurrent GE Mitte der 80er-Jahre immer profitabler wurde. "Ab diesem Zeitpunkt wurde GE bei Siemens ständig als Vorbild genannt", so Hoefle im DW-Gespräch, "von Stabsstellen, von Beratern und von Analysten. Dann wurde damit begonnen, Siemens umzugestalten."

In der Folge wurde Siemens seinem US-Konkurrenten ähnlicher. Die Entwicklung sei zu Lasten der Ingenieurskultur gegangen, die das Unternehmen groß gemacht habe, kritisiert Hoefle, der auch eine

"Initiative für verantwortliche Unternehmensführung"

gegründet hat.

Werner von Siemens

Der deutsche Ingenieur Werner von Siemens

Umgekehrt bemühte sich Jeffrey Immelt, der GE seit 2001 führt, von Siemens zu lernen. Wegen seiner Finanztochter GE Capital war der Konzern in der Finanzkrise gefährlich in Schieflage geraten, nun steuerte Immelt gegen. Er beendete die Praxis seines Vorgängers, GE-Manager als Generalisten in ständig wechselnden Abteilungen arbeiten zu lassen, weil er einen Verlust von technischer Kompetenz befürchtete. Außerdem eröffnete Immelt am Siemens-Stammsitz München ein Forschungszentrum, in das GE bisher 100 Millionen Euro investiert hat.

Fehlender Wettbewerb?

GE und Siemens sind sich also wieder ähnlicher geworden. Das Interesse am französischen Industriekonzern Alstom ist dennoch unterschiedlich motiviert. Für GE wäre die Übernahme eine Möglichkeit, in der Heimatregion von Siemens stärker präsent zu sein. In Europa macht GE nur 17 Prozent seines Umsatzes, während Siemens in den USA fast 30 Prozent erwirtschaftet.

Im Fall einer Übernahme durch GE würde Alstom allerdings nicht lange eigenständig bleiben, glaubt Stefan Schöppner, Analyst der Commerzbank: "Nach erfolgreichem Kaufabschluss wird GE die französische Tochter konsequent restrukturieren."

Siemens könnte das Vordringen von GE in Europa durch ein erfolgreiches Angebot verhindern. Durch den Tausch seiner Transportsparte gegen Alstoms Energietechnik wären die Münchner zudem ein Problem los, das ihnen schon eine Weile Kopfschmerzen macht.

"In der Vergangenheit gab es hier immer wieder Krisennachrichten", so Commerzbank-Analyst Stefan Schöppner im ARD-Radio. "Die Straßenbahnen machten Probleme, die ICE-Züge sind nicht gefahren – das ist genau der Bereich, den Siemens an Alstom abgeben möchte."

Die Frage ist allerdings, ob die europäischen Wettbewerbshüter diesem Tausch zustimmen würden. Französische und deutsche Politiker träumen bereits von zwei neuen "europäischen Champions", der eine spezialisiert auf Energietechnik, der andere auf Transport. In diesen Sparten gibt es allerdings schon jetzt sehr wenig Wettbewerb in Europa, sagt Ex-Siemensianer Manfred Hoefle. "Macht es industriepolitisch Sinn, die ohnehin vorhandene Oligopol-Situation noch zu verstärken, indem man einen Wettbewerber vom Markt nimmt?"

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