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Wirtschaft

Siemens steigt aus Atomgeschäft aus

Der deutsche Technologiekonzern Siemens steigt nach einem Medienbericht aus dem Atomgeschäft aus. Konzernchef Löscher begründet den Schritt mit der "klaren Positionierung von Politik und Gesellschaft" in Deutschland.

Reaktor 3 im finnischen Atomkraftwerk Olkiluoto (Foto: picture alliance)

Siemens baut nicht mehr mit

Bereits seit Monaten gab es Gerüchte, wonach Siemens den Ausstieg aus der Atomkraft vorbereite, nun ist es soweit. "Das Kapitel ist für uns abgeschlossen", sagte Unternehmenschef Peter Löscher der neuen Ausgabe des Nachrichtenmagazins "Spiegel" (19.09.2011). Der Konzern reagiere damit "auf die klare Positionierung von Gesellschaft und Politik in Deutschland zum Ausstieg aus der Kernenergie" nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima.

Statt sich am Bau kompletter Kernkraftwerke zu beteiligen, wolle das Münchner Unternehmen künftig nur noch Komponenten wie Dampfturbinen liefern, die auch bei konventionellen Kraftwerken zum Einsatz kommen.

Ende für das Atom-Joint-Venture

Der Vorstandsvorsitzende der Siemens AG Peter Loescher (Foto: ap)

"Für uns abgeschlossen", sagt Peter Löscher

Noch im Jahr 2009 wollte Siemens durch Zusammenarbeit mit dem russischen Rosatom-Konzern zum Weltmarktführer in der Atomtechnik aufsteigen. Bis zu 400 Nuklearbetriebe mit 1000 Milliarden Euro Investitionsvolumen könnten bis 2030 weltweit entstehen, schätzte Löscher damals – und Siemens sollte daran kräftig mitverdienen. Zu dem Atom-Joint-Venture werde es nun nicht mehr kommen, sagte Löscher. Stattdessen wolle Siemens mit dem Partner "auf anderen Feldern" zusammenarbeiten.

Löscher stuft die geplante Energiewende in Deutschland als "Jahrhundertprojekt" ein: Das Ziel, den Ökostrom-Anteil bis 2020 auf 35 Prozent zu erhöhen, hält er nach eigenen Worten für erreichbar.

Die Deutschen und der Atomausstieg

Deutschland ist - gefolgt von der Schweiz - das erste Hochindustrieland, das den Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen hat. 2000 wurde das Ende der kommerziellen Nutzung der Kernenergie von der damaligen Regierung aus Sozialdemokraten und den Grünen eingeleitet. Bis etwa 2020 sollten alle Kraftwerke vom Netz gehen. 2010 beschloss die konservativ-liberale Koalition von Kanzlerin Angela Merkel eine Laufzeitverlängerung deutscher Kernkraftwerke um durchschnittlich 12 Jahre. Nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima in Japan im März 2011 verkündete die Bundesregierung ein dreimonatiges Atom-Moratorium, infolgedessen schließlich der Ausstieg beschlossen wurde: Alle 17 deutsche Reaktoren sollen bis 2022 vom Netz gehen.

Vor Fukushima betrug der Anteil von Atomstrom in Deutschland 23 Prozent. Der Kernkraftanteil an der weltweiten Stromerzeugung beträgt etwa 16 Prozent.

Autor: Oliver Samson (dapd, dpa, rtr)
Redaktion: Martin Schrader

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