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Wirtschaft

Siemens-Skandal erreicht neue Dimension

Der Korruptionsskandal hat ein weit größeres Ausmaß als bisher angenommen. Der Konzern räumte jetzt dubiose Zahlungen in Milliardenhöhe ein. Zudem drückt die Affäre auf das Geschäftsergebnis.

Siemens-Chef Peter Löscher, Quelle: AP

Zuversichtlich: Siemens-Chef Peter Löscher bei der Bilanzkonferenz in München

Der Schmiergeld-Skandal bei Siemens hat eine milliardenschwere Dimension erreicht. Insgesamt seien fragwürdige Zahlungen in Höhe von 1,3 Milliarden Euro entdeckt worden, erklärte Siemens am Donnerstag (8.11.2007) bei Vorlage der Jahresbilanz in München. Bisher hatte Siemens 449 Millionen Euro dubiose Zahlungen in der Kommunikationssparte eingeräumt. Über diesen Bereich hinaus seien nun weitere 857 Millionen Euro in den Jahren 2000 bis 2006 als zweifelhafte Zahlungen eingestuft worden, hieß es. Daraus ergäben sich zusätzliche Steuerverpflichtungen in Höhe von 339 Millionen Euro.

347 Millionen Euro Beraterkosten

Auch neue straf- oder zivilrechtliche Verfahren schloss der Konzern nicht aus. Es könnten zudem Geldbußen und Ausschlüsse von Aufträgen drohen. Erst im Oktober hatte der Konzern eine Geldbuße in Höhe von 201 Millionen Euro wegen schwarzer Kassen in der Kommunikationssparte akzeptiert und im abgelaufenen vierten Quartal verbucht. Neben der Geldbuße muss sich Siemens auf Steuernachzahlungen und möglicherweise auch auf eine harte Bestrafung durch die US-Börsenaufsicht SEC einstellen.

Die Affäre kommt Siemens in mehrfacher Hinsicht teuer zu stehen: Allein für das Geschäftsjahr 2007 bezifferte das Unternehmen die Kosten für externe Berater für Untersuchungen und Anti-Korruptionsmaßnahmen auf 347 Millionen Euro.

Neuer Chef: Skandal nun aufgeklärt

Siemens-Banner, Quelle: AP

Ende der düsteren Zeit? Für die Siemens-Spitze ist der Skandal nun aufgeklärt

Siemens-Chef Peter Löscher hält den Schmiergeldskandal nun für weitgehend aufgeklärt, wie er in München erklärte. Der Konzern werde in Zukunft kompromisslos mit dem Thema Bestechung umgehen. Künftig werde in jedem Jahr die Zahl der Mitarbeiter bekannt gegeben, die gegen die internen Richtlinien verstoßen haben. Im vergangenen Geschäftsjahr wurden deshalb 470 Mitarbeiter belangt. In 14 Prozent der Fälle seien Korruption oder Verstöße gegen das Kartellrecht nachgewiesen worden, sagte Löscher.

In rund einem Viertel der Fälle ging es um Untreue oder Betrug. Bei den restlichen 62 Prozent handelte es sich um Verstöße wie zum Beispiel Diskriminierungen. Von 30 Prozent der betroffenen Beschäftigten hat sich Siemens getrennt. In 8 Prozent der Fälle wurde Bestandteile des Gehalts gestrichen. Die restlichen 62 Prozent wurden verwarnt oder abgemahnt.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr war der Siemens-Konzern in die größte Krise seiner Unternehmensgeschichte geschlittert. In den vergangenen Jahren sollen immense Summen in schwarze Kassen geflossen und im Ausland als Schmiergeld eingesetzt worden sein. Zudem wird dem Konzern vorgeworfen, die Arbeitnehmerorganisation AUB mit Schmiergeld als Gegenorganisation zur IG Metall aufgebaut zu haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ehemalige Top-Manager des Konzerns, die erste Anklage ist bereits erhoben.

21 Prozent mehr Gewinne

Siemens-Zentrale in München, Quelle: AP

Siemens-Zentrale in München: Gute Geschäfte trotz Skandal

Trotz der Affäre laufen die Geschäfte gut. Im Geschäftsjahr 2006/07 (30. September) steigerte Siemens den Gewinn um 21 Prozent auf mehr als vier Milliarden Euro. Der Umsatz legte um neun Prozent auf knapp 72,5 Milliarden Euro. Der Auftragseingang wuchs um zwölf Prozent auf knapp 84 Milliarden Euro. Unter dem Strich stand im letzten Quartal wegen diverser Sondereffekte wie etwa der Schmiergeldaffäre allerdings ein kleiner Nettoverlust.

Auch für das laufende Geschäftsjahr ist Löscher zuversichtlich. Siemens sei "auf den Wachstumsmärkten für Industrie-, Energie- und Gesundheitslösungen hervorragend aufgestellt", sagte er. Der Konzern, der derzeit in ein knappes Dutzend Bereiche gegliedert ist, soll künftig auf diesen drei Säulen ruhen. Die entsprechenden Beschlüsse für die Umstrukturierung sollen Ende November fallen. (tos)

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