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Wirtschaft

Siemens macht Wind

Der deutsche Technologiekonzern Siemens will seine Windkraftsparte mit Gamesa aus Spanien zusammenlegen. Dadurch würde der größte Windkraftanbieter der Welt entstehen.

Die Windkraftsparte von Siemens und Gamesa haben am Freitag verbindliche Vereinbarungen zu einer Fusion unterzeichnet.

Durch neue Aktien wird Siemens 59 Prozent an dem gemeinsamen Unternehmen besitzen. Die bestehenden Aktionäre von Gameso, zu denen auch der spanische Energiekonzern Iberdrola gehört, halten die restlichen 41 Prozent.

Ihnen zahlt Siemens zudem 3,75 Euro pro Aktie in bar. Das entspricht rund einer Milliarde Euro oder einem Viertel des Börsenwerts von Gamesa im Januar, teilte Siemens mit. Die neue Firma bleibt an der Madrider Börse notiert, Experten schätzen den Wert des Gemeinschaftsunternehmens auf etwa zehn Milliarden Euro.

Der Vorstandsvorsitzende der Siemens AG Joe Kaeser

Siemens-Chef Joe Kaeser

Siemens-Chef Joe Kaeser sagte am Freitag, der Zusammenschluss werde die Windenergie günstiger machen und sprach von einer "klaren und überzeugenden Branchen-Logik". Auf dem Windenergiemarkt zähle Größe, und der Zusammenschluss werde zu einem Produktportfolio führen, das alle Windklassen und die wichtigsten Marktsegmente anspreche.

Siemens und Gamesa ergänzen sich: Die Deutschen sind vor allem bei der Offshore-Windanlagen in der Nord- und Ostsee und in Nordamerika stark, die Spanier bei Windanlagen an Land in China, Indien, Südamerika und Südeuropa.

Aufträge für 20 Milliarden

Zusammengerechnet habe der neue Windkraftriese einen Auftragsbestand von rund 20 Milliarden Euro, einen Umsatz von 9,3 Milliarden Euro und einen Gewinn (Ebit) von 839 Millionen Euro. Der Hauptsitz sowie die Zentrale für das Onshore-Geschäft bleibe in Spanien, das Offshore-Geschäft werde von Hamburg und Dänemark aus gesteuert. Siemens und Gamesa erhoffen sich Synergien von 230 Millionen Euro binnen vier Jahren.

Siemens stellt vor allem Industrieanlagen, medizinische Geräte und Züge her. Die Windkraftsparte, um die es in dem Geschäft mit Gamesa geht, ist die kleinste des Konzerns. Gamesa hatte Ende Januar Gespräche mit dem deutschen Industriekonzern bestätigt. Die Fusion muss unter anderem noch von den Gamesa-Aktionären und den zuständigen Kartellbehörden genehmigt werden.

Aufsichts- und Verwaltungsräte beider Seiten hätten bereits grünes Licht gegeben, hieß es. Die Einigung über den Zusammenschluss hatte sich monatelang hingezogen. Insidern zufolge lag es an Bedenken der spanischen Regulierungsbehörden, vor allem aber an den zähen Verhandlungen mit der französischen Areva. Der Atomkonzern betreibt mit Gamesa ein Gemeinschaftsunternehmen zum Bau von Windkraftanlagen auf hoher See.

Dieses Hindernis konnte Siemens letztlich aus dem Weg räumen. Areva hat das Recht, den Anteil von Gamesa an dem Joint Venture Adwen selbst zu übernehmen oder das gesamte Unternehmen weiterzuverkaufen. Der amerikanische Siemens-Erzrivale GE hat bereits Interesse an Adwen angemeldet.

Der Abschluss der Transaktion wird zwischen Januar und März 2017 erwartet. Weltmarktführer bei Windkraftanlagen ist bisher der dänische Vestas-Konzern mit 8,4 Milliarden Euro Jahresumsatz. Zu den großen Konkurrenten zählt auch der US-Konzern General Electric.

bea/ (reuters, dpa, afp, Siemens)