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Wirtschaft

Siemens - ein fast perfekter Verlierer

Der Alstom-Deal ist fast gelaufen: Nicht zuletzt ein Parforceritt des französischen Wirtschaftsministers hat den Ausschlag für General Electric gegeben. Siemens leckt die Wunden. Vorerst.

"Montblanc" hieß das Codewort, unter dem Siemens das wochenlange Ringen um den französischen Technologiekonzern Alstom intern behandelte. Seit Samstag (21.06.2014) ist klar: Dieser Gipfel wurde "nicht ganz erklommen", wie Siemens-Vorstand Joe Kaeser in einem Mitarbeiterbrief schrieb. Dennoch könnte das Bieterverfahren um Alstom und nicht zuletzt die anvisierte Partnerschaft mit Mitsubishi Heavy Industries als Glücksfall in die Siemens-Unternehmensgeschichte eingehen. Für den US-Konkurrenten General Electric (GE), gegen den Siemens unterlag, steht ein Happy End unterdessen noch aus.

Siemens noch in Wartestellung

Alstom-Chef Patrick Kron (Foto: AFP)

Alstom-Chef Patrick Kron galt als GE-Unterstützer

Denn wegen einer Übermacht von GE auf dem europäischen Gasturbinenmarkt könnte Brüssel Klage erheben - und der Deal immer noch platzen. "Solange noch nicht endgültig unterschrieben ist und die Kartellbehörden noch nicht zugestimmt haben, ist so ein Vertrag in der Schwebe", sagt die Siemens-Expertin Daniela Bergdolt. "Es kann sich alles noch ändern - und dann würde Siemens sicherlich Gewehr bei Fuß stehen."

Am Freitagabend (20.06.2014) war zunächst klar: Der französische Staat wird selbst groß bei Alstom einsteigen. Die französische Regierung sicherte sich die Option, dem bisherigen Großaktionär Bouygues 20 Prozent der Alstom-Anteile abzukaufen - ein Schachzug, wie man ihn nur von der "Grande Nation" erwarten konnte, so Bergdolt: "Deutschland betreibt eine viel dezentere Industriepolitik. Wir denken sehr viel globaler."

Auch Johannes Mayr, Chefvolkswirt der Bayern LB, sieht hier die Krux des Verhandlungsausganges zwischen GE und den Franzosen: "Aus Unternehmenssicht ist der starke Einstieg der französischen Regierung im neuen Alstom-Konsortium sicherlich der kritischste Punkt." Mit 20 Prozent habe sie sich ein "erhebliches Mitspracherecht" gesichert - was dazu führen dürfte, dass "Paris über Wirtschaftspolitik versuchen wird, Einfluss auf den neuen Konzern zu nehmen".

Einstimmige Entscheidung für GE

Am Samstag (21.06.2014) votierte der Alstom-Verwaltungsrat einstimmig gegen Siemens und für das Angebot von GE, das der französischen Regierung das weitreichende Veto einräumte.

Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg hofft, damit eine mögliche Zerschlagung des Traditionsunternehmens sowie riskante Geschäfte, die die Energiesicherheit in Frankreich gefährden könnten, zu verhindern.

Joe Kaeser mit Shunichi Miyanaga. (Foto: Reuters)

Joe Kaeser (r.) mit Shunichi Miyanaga, Chef von Mitsubishi Heavy Industries

Weiterer Bestandteil des Pakets: GE wird drei Gemeinschaftssparten mit Alstom gründen - im Stromleitungsbau, bei den erneuerbaren Energien und im Nukleargeschäft. Die Signaltechnik geht für 600 Millionen Euro auf den französischen Konzern über, das Energiegeschäft wird für 7,3 Milliarden Euro dem amerikanischen Partner übertragen.

"Beginn einer großen Freundschaft"

Noch in der Niederlage habe Siemens damit mehrere strategische Ziele erreicht: Der amerikanische Konzern muss deutlich mehr Geld in die Hand nehmen, als ursprünglich geplant, weil sein Angebot durch Übernahmeschlacht in die Höhe gepokert worden war. Siemens habe den Konkurrenten materiell geschwächt und zugleich mit Mitsubishi Heavy Industries einen mächtigen "Verbündeten" gewonnen - ein zukunftsweisender Weg, glaubt Daniela Bergdolt. Sie bewertet die Neuausrichtung als ein "gutes Zeichen" und als wegweisend für weitere Kooperationsinitiativen - möglicherweise sogar als "den Beginn einer großen Freundschaft".

Zumindest aber habe das Münchner Unternehmen seine Handlungsfähigkeit und seine Bereitschaft, Akquisitionen zu tätigen, eindrucksvoll bewiesen, sagt Bergdolt - und "andere Väter haben auch schöne Töchter".

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