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Wirtschaft

Siemens-Chef Kleinfeld gibt auf

Der Vorstandschef von Siemens, Klaus Kleinfeld, hat seinen Rücktritt angekündigt. Ihm wurde der Korruptionsskandal zum Verhängnis, obwohl er offenbar nicht beteiligt war - und das Unternehmen unter ihm florierte.

Der Siemens-Vorstandsvorsitzende Klaus Kleinfeld bei der Bilanzpressekonferenz am 9. November 2006, Foto: AP

Kleinfeld: Will Platz machen für "Klarheit und Führung"

"In diesen Zeiten braucht das Unternehmen Klarheit über seine Führung", sagte Vorstandschef Klaus Kleinfeld am Mittwoch (25.4.) bei der Aufsichtsratssitzung von Siemens in München. Da maßgebliche Aufsichtsräte dafür plädiert hatten, die Abstimmung über seine Vertragsverlängerung zu verschieben, kündigte er selbst seinen Rückzug bis spätestens Herbst 2007 an.

Vorstandschef Heinrich von Pierer, Foto: AP

Auch Siemens-Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer muss gehen

Der Aufsichtsrat wollte am Mittwoch Gerhard Cromme zu seinem neuen Vorsitzenden wählen. Beendet werden sollte damit die Tätigkeit Heinrich von Pierers, der dreizehn Jahre Vorstandschef und zwei Jahre Aufsichtsratschef war. Von Pierer hatte wegen der Skandalserie bei Siemens seinen Posten zur Verfügung gestellt.

Bilanzen retteten Kleinfeld nicht

Kurz vor der entscheidenden Aufsichtsratssitzung am Mittwoch sickerte durch, mächtige Aufsichtsratsmitglieder wie Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann wollten nach Pierers Rücktritt einen kompletten Neuanfang und Kleinfelds Vertrag nicht verlängern.

Präsidiumsmitglied und Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, Foto: AP

Präsidiumsmitglied Ackermann soll sich gegen Kleinfeld ausgesprochen haben

Kleinfeld konterte mit der vorzeitigen Veröffentlichung der Halbjahresbilanz, die für das zweite Quartal einen kräftigen Gewinnanstieg um 36 Prozent auf 1,259 Milliarden Euro ausweist. Der Umsatz legte um zehn Prozent auf 20,6 Milliarden Euro zu. Damit hatte die Schmiergeldaffäre kaum Auswirkungen auf das operative Geschäft.

Doch es waren nicht die Zahlen, die Kleinfeld in Bedrängnis

gebracht haben. Die zahlreichen Affären des Konzerns überschatten seit Monaten sämtliche positiven Nachrichten von Siemens. Zwar erklärte der vom Konzern engagierte US-Korruptionsexperten Michael Hershman, dass es bisher keine Hinweise auf Verwicklungen Kleinfelds in die Affären um schwarze Kassen und internationale Schmiergeldzahlungen gebe, doch Kleinfeld, der bei seinem Amtsantritt vom "Manager Magazin" als "Wunderknabe" gefeiert wurde, war bereits zum Prügelknaben herabgesunken.

Vetrauensverlust

Clemens Joos von BenQ Mobile, Foto: AP

Die BenQ-Pleite wurde Kleinfeld zum Verhängnis

Schrittweise verlor Kleinfeld das Vertrauen seiner 475.000köpfigen Belegschaft durch Entscheidungen wie die Erhöhung der Vorstandsbezüge um 30 Prozent oder den Verkauf der verlustreichen Handy-Sparte an den taiwanischen BenQ-Konzern, der schließlich pleite ging.

Dennoch dankte der künftige Aufsichtsratsvorsitzende Gerhard Cromme Kleinfeld nach seiner Rücktrittsankündigung für seine Arbeit: "Siemens steht heute wirtschaftlich besser da, denn je." Unter Kleinfelds Führung sei das Unternehmen strategisch neu ausgerichtet worden.

Börsenkurs knickt ein

Siemens Firmenlogo, Foto: AP

Nachfolgespekulationen bei Siemens

Über die Nachfolge-Diskussion im Aufsichtsrat wurde zunächst nichts bekannt. In den vergangenen Tagen war in Branchenkreisen

hartnäckig Linde-Chef Wolfgang Reitzle genannt worden, allerdings erklärte der Linde-Konzern, dieser stehe nicht zur Verfügung. (ina)

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