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Wirtschaft

Siemens beglückt seine Anleger

Zur Hauptversammlung präsentiert Siemens überraschend gute Zahlen. Der Auftakt verlief vielversprechend und das Gesamtjahr soll besser werden als zunächst erwartet. Überraschungen gab es im Kerngeschäft.

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Siemens erfreut seine Aktionäre

"Wir nähern uns wieder an die Konkurrenz an", Joe Kaeser trat selbstbewusst vor die Aktionäre und das Ergebnis des Siemens-Chefs ließ sich zeigen. Dank eines Auftragsbooms im abgelaufenen Quartal beträgt das Jahresergebnis zwischen sechs und 6,40 Euro je Aktie. Bisher waren die Münchner von bis zu 6,20 Euro je Anteilsschein ausgegangen. Auf Basis der aktuellen Anzahl von Aktien verspricht Siemens-Chef Joe Kaeser damit einen Jahresgewinn bis zu 5,6 Milliarden Euro, knapp 200 Millionen Euro mehr als bisher.

Deutschland Siemens PK zur Hauptversammlung

Vorstandsvorsitzende der Siemens AG Joe Kaeser blickt optimistisch in die Zukunft

Kaeser sieht sich mit seiner Renditestrategie bis 2020 bestätigt. "Wir haben ein starkes Quartal geliefert und sind mit der Umsetzung unserer Vision 2020 auf gutem Weg. Deshalb heben wir die Gewinnprognose für das Geschäftsjahr 2016 an, obwohl die makroökonomischen und geopolitischen Entwicklungen unsere Märkte weiterhin belasten", erklärte er. Siemens konzentriere sich weiter auf die Erschließung seiner Märkte "sowie die Stärkung unserer Innovationskraft".

Konzernumbau gelungen

Im ersten Geschäftsquartal (per Ende Dezember) verbuchte Siemens deutlich mehr Aufträge und verdiente weit mehr als von Analysten erwartet. Der Gewinn nach Steuern kletterte im ersten Geschäftsquartal um fast die Hälfte auf 1,6 Milliarden Euro - das entspricht einer Steigerung von 42 Prozent - im Vorjahr hatten Sonderfaktoren das Ergebnis noch belastet.

Der Auftragseingang schnellte dank mehrerer Großaufträge aus Europa und Afrika um fast ein Viertel auf 22,8 Milliarden Euro nach oben. Damit schnitt Siemens besser ab als etwa der Erzrivale General Electric. Der Umsatz der Münchner kletterte um acht Prozent auf 18,9 Milliarden Euro.

Der Konzernumbau sei weitgehend abgeschlossen, so Kaeser. Außerdem sei das Projekt- und Risikomanagement besser geworden. Die Sonderbelastungen seien gesunken. Das besonders profitable Geschäft mit der Digitalisierung von Fabriken - einem Tragpfeiler von Siemens – entwickle sich danke der starken Nachfrage aus Europa gut.

Knapp eine Milliarde Dollar für Softwareschmiede

Um genau dieses Geschäftsfeld zu stärken steckte Siemens auch direkt einen guten Teil des Quartalsgewinns in die Übernahme der US-Softwareschmiede CD-adapco. Für den Kauf des Unternehmens, das auf Simulationssoftware für die Industrie spezialisiert ist, gibt Kaeser 970 Millionen Dollar aus.

CD-adapco erwirtschaftete den Angaben zufolge zuletzt mit gut 900 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von knapp 200 Millionen Dollar. Die Software werde unter anderem von 14 der 15 größten Autobauer eingesetzt und sei auch in der Luft- und Raumfahrt sowie in der Energiebranche weit verbreitet. Die Übernahme soll in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres abgeschlossen werden. Damit verbreitert Siemens seine florierende Sparte für Industriesoftware, die der Konzern seit rund einem Jahrzehnt zusammenkauft.

Kerngeschäft floriert

Im traditionellen Kerngeschäft hatte Kaeser im Weihnachtsquartal mehrere Überraschungen parat. Er verblüffte die Investoren mit Zuwächsen just in den Bereichen, in denen die meisten Konkurrenten über Einbrüche klagen. So lief das Kraftwerkssegment wesentlich besser als bei der Konkurrenz und von Industrieexperten erwartet. Getragen von einem Großauftrag aus Ägypten wuchs der Auftragseingang in der Sparte um fast die Hälfte, der Umsatz kletterte um ein Viertel. Allerdings räumte Siemens einen starken Preisdruck in dem Geschäft ein, der Gewinn legte binnen Jahresfrist nur um fünf Prozent zu.

Der Auftragseingang der Zugtechnik hat sich den Angaben zufolge mehr als verdoppelt, der Gewinn des Segments stieg um ein Viertel. Die hochrentable Medizintechnik, die traditionell moderate Zuwachsraten verzeichnet, legte beim Umsatz um 15 Prozent zu, der Gewinn kletterte sogar um ein Drittel. Ausgerechnet der schwächelnde Markt in China bescherte der Medizintechnik, die derzeit vom Mutterkonzern abgespalten wird, kräftige Zuwächse.

Zweite Quartal soll erstes noch übertrumpfen

Das erste Quartal war schon gut - das zweite Quartal soll aber noch besser werden, verkündete Kaeser. Nach mehreren Quartalen des Umsatzrückgangs habe Siemens von Oktober bis Dezember 2015 nun "die Trendwende eingeleitet". "Ich gehe davon aus, dass wir diese Trendwende im zweiten Quartal deutlich verstärken", sagte Kaeser. Das organische Umsatzwachstum - also die Steigerung der Erlöse aus eigener Kraft ohne Zukäufe - werde im Gesamtjahr größer sein als im ersten Geschäftsquartal: "Ich glaube, das ist eine sichere Wette."

Zuletzt waren bei den Anlegern die Sorgen um die Folgen des Ölpreisverfalls für Siemens gewachsen. Das Unternehmen hatte sich im vergangenen Jahr den US-Ölindustrie-Zulieferer Dresser-Rand einverleibt und ursprünglich damit vom Fracking profitieren wollen. Angesichts der niedrigen Ölpreise ist die Branche aber derzeit kräftig unter Druck, deshalb gab es Befürchtungen um mögliche Abschreibungen.

iw/ul (dpa, rtr)

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