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Politik

Sieg der Datschniki

Die Russen sind Meister im Brücken bauen – und zwar zwischen den Feiertagen. Dann haben sie mehr Zeit, um auf ihrer Datscha – dem Wochenendhaus – die Gärtnerhacke zu schwingen. Feiertage streichen? Niemals! Im Gegenteil.

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Feiertage zum Wohl der Konjunktur streichen? Nein, da würden auch die Russen nicht mitmachen. Allein die traumhaften Wachstumszahlen der vergangenen Jahre lassen in Russland eine Diskussion wie in Deutschland gar nicht erst aufkommen. Die russische Wirtschaft boomt, in diesem Jahr wird ein Wachstum von fünf Prozent erwartet. Und das, obwohl die Russen eine ausgeprägte Feiertagskultur haben.

Doch die Russen damit als arbeitsfaules Volk zu bezeichnen, wäre falsch und ungerecht. Im Gegenteil, wenn es um das eigene Glück, den privaten Wohlstand oder schlicht ums Überleben geht, spucken Iwan und Natascha Normalverbraucher erst recht kräftig in die Hände. Zum Beispiel auf der Datscha – dem Wochenendhäuschen, wo der kurze Sommer genutzt werden muss, um ausreichend Gurken, Tomaten und Kartoffeln zu ziehen und zu ernten. Für den Eigenbedarf und den Verkauf auf dem Markt.

Die Wirtschaftsleistung der "Datschniki" ist beachtlich: Rund 90 Prozent der russischen Kartoffeln und 80 Prozent der übrigen Gemüseernte wachsen auf der Scholle der privaten Kleingärtner. Und damit genug Zeit für die Arbeit auf der Datscha bleibt, haben die Russen ein raffiniertes System entwickelt, Feiertage mit Brückentagen zu verbinden.

Fällt ein Feiertag zum Beispiel auf einen Donnerstag, so wird der Freitag zum Brückentag, also zum arbeitsfreien Tag erklärt. Offiziell wird dann der Sonntag zum Arbeitstag, um den Freitag zu kompensieren, doch in der Praxis bleiben Büros und Behörden an so einem Sonntag natürlich geschlossen. Fällt der Feiertag jedoch auf einen Sonntag, wird der Montag zum arbeitsfreien Tag.

Zu den alten sowjetischen Feiertagen wie 8. März (Internationaler Frauentag), 1. Mai (Tag der Arbeit), 9. Mai (Tag des Sieges) und dem Tag der Oktober-Revolution, der heute "Tag der Eintracht" heißt, sind neue Feiertage hinzugekommen: So feiern die Russen inzwischen den Tag der "Souveränitätserklärung" und den "Tag der Verfassung". Inklusive aller Brückentage kommen einige Tage zusammen, an denen die einen auf der Datscha schuften, um sich und das ganze Land zu ernähren, während die anderen richtig feiern und dabei wiederum den Genussmittelsektor, also die Konjunktur ankurbeln.