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Kultur

Sieg dank neuer Droge

In den USA droht ein neuer Skandal: Massendoping im Leistungssport. Wie viele Sportler verwickelt sind, ist bislang unklar.

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Sprint-Weltmeisterin Kelli White - dem Sieg chemisch auf die Sprünge geholfen?

Als erster im Ziel, am weitesten geworfen, höher als andere gesprungen - dafür wird im Sport gespritzt, geschluckt oder einfach das richtige Mittel unter die Zunge gelegt. Das Besondere an dem jetzt drohenden Doping-Skandal: "Es sieht so aus, als ob erstmals ein Medikament speziell zur verbotenen Leistungssteigerung im Sport entwickelt worden ist... Das gab es noch nie", sagte Klaus Müller, Leiter des Instituts für Doping-Analytik in Kreischna, dem Nachrichtenmagazin Focus. Der Name der neuen Wunderdroge: Tetrahydrogestrinone, kurz THG.

Geburtsstätte von THG

Bodybuilding, Doping, Dopingmissbrauch, Stereoide, Kraftsport

Muskelkraft per Spritze

Vater von THG soll das Laboratorium "Bay Area Laboratory Co-Operative" (BALCO) sein. In dem nordkalifornischen Unternehmen werden vor allem Nahrungsergänzungsmittel produziert. Der Labor-Gründer Victor Conte leugnet allerdings die Herstellung des anabolen Präparats THG.

Entdeckung

Auf THG war die amerikanische Anti-Doping-Agentur (USADA) erst durch einen anonymen Hinweis gestoßen. Ein bekannter Leichtathletik-Trainer soll im Juni 2003 die USADA darauf hingewiesen haben, dass amerikanische und internationale Leichtathleten ein Steroid verwenden, das noch nicht nachgewiesen werden könne. Später schickte er an die USADA eine Spritze, die THG enthielt.

Urinuntersuchung

THG - mit herkömmlichen Methoden kaum nachweisbar

Daraufhin wurde die Substanz in Urinproben zahlreicher Top-Leichtathleten entdeckt. Sollte sich der THG-Verdacht bei weiteren Tests bestätigen, droht den Sportlern eine zweijährige Sperre. Damit könnten sie auch 2004 an den Olympischen Spielen in Athen nicht teilnehmen. Welche und wie viele Sportler THG genommen haben, wurde bislang nicht von der USADA veröffentlicht.

Zur Klärung hat ein Bundesgericht in San Francisco Vorladungen an rund 40 Sportler geschickt. Sie sollen über das Labor BALCO aussagen. Unter ihnen: die Sprint-Weltmeisterin Kelli White. Und: Der britische 100-m-Europameister Dwaine Chambers - er wurde in der A-Probe ebenfalls positiv auf die neue Designer-Droge getestet und steht vor einer zweijährigen Dopingsperre. Nach Berichten amerikanischer Medien wurden auch sieben Spieler der National Football League und fünf Stars der Major League Baseball vorgeladen.

Sport-Verband in Bedrängnis

Für den amerikanischen Leichtathletik-Verband (USATF) kann der Skandal schwerwiegende Folgen haben. Das Nationale Olympische Komitee der USA (USOC) hat den Leichtathletik-Verband aufgefordert, bis zum 17. November einen detaillierten Maßnahmenkatalog zur Ermittlung und Bestrafung von Dopingsündern vorzulegen. Andernfalls droht im Extremfall sogar die Entmachtung der USATF als maßgebliche Behörde für die Leichtathletik.

Moderne Menschenversuche

Olympiademedaillen

Tausch: Gesundheit gegen Medaillen

Fritz Sörgel, der Leiter des Instutitus für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung in Nürnberg warnt vor Gesundheitsgefahren, die THG mit sich bringen könnte. Er vermutet, dass "weltweit richtiggehend Menschenversuche stattfinden, indem Arzneistoffe, die man unter regulären Bedingungen zunächst nur ganz vorsichtig an sehr wenigen Menschen testen würde, hier massenhaft auf Sportler verteilt werden".

Außerdem glaubt er, dass es längst Pharmakologie-Labore gibt, "die in unverantwortlicher Weise alles, was nur halbwegs Erfolg versprechend leistungssteigernd wirkt, am Menschen - ohne jeden Tierversuche - testen". US-Doping-Experte Charles Yesalis formuliert das so: "Man darf nicht vergessen, dass dieser Skandal durch einen Tipp und nicht durch Dopingproben aufgedeckt wurde. Wer glaubt, dass THG die einzige Designerdroge auf dem Markt ist, glaubt auch an den Weihnachtsmann und den Osterhasen." (iw)

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