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Politik

Sieben Tage - sieben Länder

Bundeskanzler Schröder bereist die Golfstaaten und den Jemen. Es geht um Wirtschaft, Kultur und Politik. Deutschlands guter Ruf in der Region soll mit Kanzlers Hilfe den Unternehmen Aufträge sichern.

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Gerhard Schröder und der saudische Kronprinz Abdallah bin Abdulaziz

Spill Watch

"Schwimmen im Geld": zwei Emirati am Ölhafen von Dubai

Sieben Länder stehen auf dem Programm, wenn Gerhard Schröder vom 27. Februar bis zum 5. März in den Nahen Osten fliegt: Saudi-Arabien, Kuwait, Katar, Bahrain, Jemen, Oman und die Vereinigten Arabischen Emirate. Es ist ein Marathon-Trip durch die gesamte arabische Halbinsel, von großen Ambitionen begleitet.

"Saudi-Arabien schwimmt im Geld"

Gleich zu Beginn: Saudi-Arabien, das größte Land der Region und der ölreichste Staat der Welt. Der hohe Ölpreis hat im vergangenen Jahr 106 Milliarden Dollar in die Staatsschatulle des Königreichs gespült. "Das Land schwimmt im Geld", schreibt sogar, undiplomatisch direkt, die deutsche Botschaft in Riad. Dreistellige Milliardensummen will die Führung des Wüstenstaates in den kommenden Jahren in Infrastruktur und neue Industrien investieren. Eine gewaltige Chance für profitable Aufträge für Firmen aus aller Welt. Da wollen auch die Deutschen mitmischen. Kanzler Schröder hat große Projekte im Gepäck.

Später Durchbruch für den Transrapid

Transrapid

Soll durch die Wüste von Kuwait zum Oman fahren: deutscher Transrapid

Die Verkehrsminister des Golf-Kooperationsrates GCC erregten mit neuen Infrastrukturplänen Aufsehen. Eine Transrapidstrecke, so die Idee, soll alle Golfstaaten von Kuwait bis zum Oman miteinander verbinden – eine Trasse von knapp 2000 Kilometern Länge. Der Transrapid – in Deutschland entwickelt und jahrelang Lieblingsobjekt der Politik – wurde "zu Hause" nie eingesetzt, bisher bedient der Hochgeschwindigkeitszug nur eine Kurzstrecke in Shanghai. Wenn die deutsche Delegation mit Vertretern der Golfstaaten wie angekündigt eine Absichtserklärung über den Bau einer Trasse unterschreibt, könnte dies der späte Durchbruch für die deutsche Magnetschwebebahn sein.

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DW-TV Arabisch

In Kuwait werden Bundeskanzler Schröder und Deutsche Welle-Intendant Erik Bettermann den Startschuss für ein neues Projekt geben, das Europa und die arabische Welt verbinden soll. DW-TV wird ab dem 28. Februar täglich drei Stunden arabisches Programm über den ägyptischen Satelliten NileSat in die Region ausstrahlen. Knapp neun Millionen Haushalte werden das Programm empfangen können. Damit soll die Bedeutung der Region für Deutschland und die Wichtigkeit des Arabischen als Programmsprache der Deutschen Welle herausgehoben werden.

Ansturm auf Kanzlermaschine

Darüber hinaus hoffen viele andere mittelständische und Großunternehmen ebenfalls auf einen "push"-Effekt durch die Reise des Bundeskanzlers. Mehr als 600 Unternehmensvertreter hatten sich um einen Mitflug in der Regierungsmaschine beworben. Der Wirtschaftsdelegation stehen an Bord allerdings nur 20 Plätze zur Verfügung. Wegen der gewaltigen Nachfrage werden nun knapp 170 Manager zu ausgewählten Stationen gesondert eingeflogen.

Deutsche Wertarbeit

Deutsche Flagge und verschleierte Frauen

Straßenbild aus Abu Dhabi

Deutsche Unternehmen profitieren von dem hervorragenden Ruf, den Deutschland in der Region genießt. Diese Bonus in zusätzliche Aufträge umzuwandeln, hat sich die Schröder-Delegation zum Ziel gemacht.

Die Rahmenbedingungen sind günstig. Im Vorfeld des Irak-Kriegs wurde die Haltung Deutschlands in den arabischen Ländern sehr genau beobachtet. Die Anti-Kriegs-Demonstrationen der Deutschen und die strikte Haltung der Bundesregierung haben in der gesamten Region zu einem ungebrochenen deutschen Popularitätsschub geführt – in der Bevölkerung und in der Staatsführung der einzelnen Länder. Das positive Klima haben die Bundesregierung und die arabischen Länder bereits im Vorfeld der Reise betont.

Kritische Themen

Ob daneben auch das kritische Thema der Menschenrechtslage angesprochen wird, wie vielfach von deutschen Organisationen gefordert, ist noch ungewiss. Der Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik, Tom Koenigs, sagte zwar, in allen Länder, die der Kanzler besuchen wird, sei die Lage der Menschenrechte nicht befriedigend. Die Führung der Länder reagiert aber traditionell empfindlich bei jeder Einmischung in "staatsinterne" Problematiken. Ob der Kanzler aus Rücksicht auf die gute wirtschaftliche Stimmung gegenüber den Deutschen auf schwierige Fragen verzichten wird, ist gut möglich - Arabien lockt die Deutschen mit Geld und guten Worten.

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