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Meet the Germans

Sieben deutsche Gesten, die man kennen sollte

Wenn Deutsche mit den Händen reden oder das Gesicht verziehen, sollte man wissen, wie das gemeint ist: Was bedeuten wedelnde Hände, gespitzte Lippen oder aufgerissene Augen? Wir haben die Antworten.

Auch wer nie nach Deutschland reist, trifft sicherlich irgendwann mal auf einen Deutschen. Schließlich sind die Deutschen Reiseweltmeister, und in anglo-amerikanische Länder reisen sie besonders gern. Mit der nonverbalen Kommunikation ist das allerdings so eine Sache - da kommen Fremde oft ins Grübeln.

Und worüber? Hier sind einige Beispiele für typisch deutsche Mimik und Gestik:

1. Mit der Hand vor dem Gesicht wedeln = 'Du willst mich wohl für dumm verkaufen'

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Deutsche Mimik und Gesten - Hand

Wie es geht: Während man spricht mit der flachen Hand vor dem Gesicht wedeln, um dem Gegenüber klar zu machen, wie idiotisch eine Idee oder ein Verhalten sind.

Beispiele: "Seit zwei Monaten sind die beiden erst zusammen, und schon haben sie sich einen Hund zugelegt?" (Wedeln mit der Hand).

"Nur zwei Wochen bezahlter Urlaub im Jahr?" (Wedeln).

Oft bezieht sich der Satz (und die Geste) auf einen abwesenden Dritten, es kann aber auch das Gegenüber gemeint sein, dem man deutlich zeigen will, was man von seinem Verhalten hält, nämlich gar nichts:

"Du hast gedacht, Du könntest einfach so mit anderen Leuten ausgehen?" (Wedeln mit der Hand, Stirnrunzeln).

Letzteres, also Konfrontation, ist für Fortgeschrittene, also bitte erstmal üben, indem man über einen abwesenden Dritten spricht.

"Stell' dir vor, sie hat doch echt auf WhatsAppSchluss gemacht." (Wedeln mit der Hand).

2. Das Augenlid-Ding = 'Das ist jetzt sarkastisch gemeint'

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Deutsche Mimik und Gesten - Auge

Wie es geht: Mit dem Finger ein Unterlid herunterziehen während man spricht.

Erstaunlich aber wahr: Deutsche können Sarkasmus sehen. Wenn ein Deutscher mit dem Finger am unteren Augenlid zieht, will er damit ausdrücken "Ich meine exakt das Gegenteil von allem, was ich jetzt sage". Die Geste ist wichtig, damit das Gegenüber den Sarkasmus auf jeden Fall erkennt. Beispiel:

"Ja klar, Atomenergie (Finger zieht am Augenlid) ist eine sichere Alternative zu Kohle."

Das Timing, die genaue Zugrichtung - alles nicht so einfach, Neulinge sollten sich also nicht sofort an dieser Geste versuchen. Wenn sie es doch tun, und sie nicht wirklich gelingt, kann man nur sagen: Netter Versuch!

3. Die Lippen spitzen = 'Ich denke noch darüber nach'

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Deutsche Mimik und Gesten - Lippen

Wie es geht: Die Lippen spitzen, dabei nachdenklich nicken, vielleicht den Kopf zur Seite neigen, während man zuhört.

Achtung: Wenn das Gegenüber die Lippen spitzt, dann weiß der- oder diejenige noch nicht so recht, wie auf das Gesagte zu reagieren ist. Als ob das Gesagte wie ein Schluck Wein noch im Mund herum gespült werden muss: Taugt das was? Nein, nicht wirklich...

Gespitzte Lippen deuten also auf jeden Fall Skepsis an, bevor am Schluss das Urteil fällt. Wer diese Form der nonverbalen Kommunikation beherrscht, ist wirklich in Deutschland angekommen.

4. In die Augen starren

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Deutsche Mimik und Gesten - Starren

Wie es geht: Dem Gegenüber unverwandt in die Augen starren.

Nein, der Typ flirtet nicht, er ist auch kein esoterischer Spinner. Er ist deutsch, und Deutsche starren Leute an. Der Gesichtsausdruck ist dabei leer.

Interessanterweise halten Deutsche Augenkontakt nicht nur beim Zuhören, sondern auch beim Sprechen. Das braucht Übung. Ausländer, die diese Mimik ausprobieren, riskieren, den Gesprächsfaden zu verlieren.

Aber eine tolle Eigenschaft ist es schon. Man weiß, der Andere hört wirklich zu. Und da es nicht so leicht ist, jemandem in die Augen zu schauen und sich dabei verständlich auszudrücken und Lügen oder nichtssagende Nettigkeiten von sich zu geben, sind solche Gespräche ehrlich und direkt. Und führen letztlich vielleicht zu dem ganz tiefen Blick in die Augen.

5. Augenblinzeln als Begrüßung

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Deutsche Mimik und Gesten - Blinzeln

Wie es geht: Lächeln, langsam einmal die Augen schließen und wieder öffnen, mit dem Kopf nicken.

In Deutschland ist es völlig okay, jemanden in bestimmten Situationen in der oben genannten Form zu begrüßen.

Zu beobachten in Meetings: Wer als erster am Konferenztisch sitzt, sieht die Kollegen einen nach dem anderen hereinspazieren, und die anderen mit einem Blinken und Nicken begrüßen. Der Angeblinzelte reagiert mit derselben Mimik.

Diese Form der Begrüßung gilt für Kollegen und Bekannte, aber eher nicht für gute Freunde.

6. An die Stirn tippen = 'Was für ein Idiot'

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Deutsche Mimik und Gesten - Stirn tippen

Wie es geht: Mit dem Finger an die Stirn tippen macht das Gegenüber (oder eine andere Person) zum Idioten.

In englischsprachigen Ländern wird für "crazy" der Finger um das Ohr gewirbelt. Die Geste ist allerdings mittlerweile etwas antiquiert, und sieht eher albern aus.

Im Gegensatz zum deutschen An-die-Stirn-tippen, was auch heute noch eine Beleidigung ist.

Ein Beispiel: "Du weißt schon, dass das Johns Idee war, oder?" (Finger tippt an Stirn).

7. Ich bin beeindruckt= 'Boooah!'

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Deutsche Mimik und Gesten - Boooah

Wie es geht: Laut "Boooah" sagen, und dabei die Augen erstaunt aufreißen und den Kopf bzw. Oberkörper ein wenig zurücknehmen.

Alles gleichzeitig: Die verbale Äußerung, das Erstaunen im Gesicht und die leichte Rückwärtsbewegung des Kopfes signalisieren Verblüffung. Oder Enttäuschung. Oder Respekt. Oder Ekel.

Das "Boooah" kann man übrigens beliebig in die Länge ziehen um die Emotion, die man damit ausdrücken möchte, zu betonen.

Bei "Boooah" bin ich beeindruckt, aber "Boooooooooah" heißt, ich bin von den Socken. Gerne auch mit der Stimme spielen und eine tiefere Tonart anschlagen.

Alles klar? Beherrschen Sie jetzt einige Grundregeln deutscher nonverbaler Kommunikation? Wir freuen uns über ein Beweis-Video! Ein Tweet genügt: @dw_kultur #MeettheGermans.

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