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Wirtschaft

Sie sind drin - Ein Dorf in Sambia geht ans Netz

Eine Welt ohne Internet: In vielen afrikanischen Dörfern ist das Realität. Ein Team der Fraunhofer-Gesellschaft will das ändern - mit dem Projekt "Connecting the Unconnected".

Quelle: Fraunhofer FOKUS Eingereicht von Jutta Wasserrab

Online - mit dem Fraunhofer-Projekt "Connecting the Unconnected"

Im September war Jens Mödeker erstmals in Afrika. Der Ingenieur ist zwar kein klassischer Entwicklungshelfer, aber sein Job im Süden Sambias hat durchaus etwas mit Entwicklungshilfe zu tun: Er bringt die Menschen dort ins Internet.

Quelle: Fraunhofer FOKUS Eingereicht von Jutta Wasserrab

Sambias Realität - Der Zugang zum Netz ist oft versperrt

Mödeker hat aus Sambia einen kurzen Film mitgebracht, den er im Dorf Macha gedreht hat. Darin schildert der einzige Arzt, wie er sich um 8.000 Kranke kümmert, unterstützt von zwei Krankenschwestern. Immer wieder müssten sie Notfall-Patienten ins 40 Kilometer entfernte Krankenhaus überweisen. Jens Mödeker hat mit eigenen Augen gesehen, wie schwierig es für den Arzt oft ist, Leben zu retten: "Der hat keine Möglichkeit, irgendetwas zu kommunizieren." Lange Fußmärsche ersetzten den Klick im Netz. Ein Netzwerk würde es dem Arzt ermöglichen, Anfragen zu stellen. Ein kurzes: "Habt Ihr das Medikament und könnt Ihr mir das schicken?" Eine kurze Antwort - und ein langer Fußmarsch und viel kostbare Zeit wären gespart.

Ein kleines Dorf in Sambia - der ideale Partner

Einfach ist es allerdings nicht, Orte wie Macha ans Netz zu bringen: Die Umweltbedingungen sind rau, der Strom fällt oft aus und man muss sich mit den Funkfrequenzen zufrieden geben, die vorhanden sind, denn das Projekt-Team der Fraunhofer Gesellschaft hat sich vor allem auf drahtlose Kommunikationsnetze spezialisiert.

Quelle: Fraunhofer FOKUS Eingereicht von Jutta Wasserrab

Alle machen mit - Fraunhofer-Forscher installieren ein Netzwerk in Macha

Dass sich das Experten-Team für das Dorf in Sambia entschieden habe, sei kein Zufall, sagt Informatik-Professor Karl Jonas, der das Projekt von Anfang an unterstützt hat. Damit ein Projekt erfolgreich wird, müsse das Interesse aus Afrika selbst kommen. Außerdem müsste es Menschen vor Ort geben, die wenigstens ein wenig wirtschaftliches und technisches Wissen mitbrächten, die bereit seien, die Unterstützung von außen anzunehmen - und die letztlich in der Lage seien, die Infrastruktur selbst aufzubauen. Genau diese Bedingungen waren im sambischen Dorf Macha erfüllt.

Das Geheimrezept: nutzen, was vor Ort vorhanden ist

Schon bevor das Fraunhofer-Team nach Macha kam, gab es dort eine kleine Firma, die sich darum kümmerte, das Krankenhaus mit dem Internet zu versorgen. So gab es bereits eine Satelliten-Verbindung. Weil Satelliten-Technik aber kompliziert und auch teuer ist, stoßen die Menschen dort ganz schnell an ihre technischen, aber auch finanzielle Grenzen.

Quelle: Fraunhofer FOKUS Eingereicht von Jutta Wasserrab

Technologie aus Deutschland - nicht immer kommt sie zum Zug

Dieses doppelte Problem wollen die Fraunhofer-Leute im wahrsten Sinne des Wortes weiträumig lösen: "Wir haben dort gekaufte Technologie installiert", erklärt Mödeker. Erst einmal sehen, wie gut das läuft, und wie gut die Menschen damit zurande kommen. Die Idee: Mödeker möchte nicht nur das Krankenhaus und ein paar Häuser mit Netzanschluss versorgen, sondern weiter entfernte Gebäude oder Stationen zu einem Netz formen. "Das gibt es dort so noch nicht", freut sich Mödeker.

Macha - ein Vorbild für die ganze Welt

Damit das Internet langfristig ohne Unterstützung aus Deutschland funktionieren kann, müssen die Geräte einfach sein. Einheimische Techniker müssen sie warten können - denn irgendwann sind die Experten aus Deutschland weg. Die Geräte müssten selbst sinnvolles tun, zum Beispiel, sich wieder einwählen, wenn eine Verbindung ausfällt. Andererseits müssten parallel Techniker ausgebildet werden, sagt Jonas, "auf dem Niveau, wie wir es aus Deutschland kennen." Im Idealfall könnte dann das Internet-Projekt in Macha ein Vorbild für alle Entwicklungsländer werden, hofft Jonas - weit über Afrika hinaus.

Autor: Marcel Fürstenau / Jutta Wasserrab

Redaktion: Henrik Böhme