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Kultur

Sie kam, sang und siegte

Sie war Deutschlands bekanntester Weltstar: Marlene Dietrich, Filmdiva und Sängerin, das Sexsymbol einer ganzen Generation. Am 27. Dezember wäre "die Dietrich" 100 Jahre alt geworden.

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Von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt

Ihr Entdecker Josef von Sternberg beschrieb Marlene Dietrich im Rückblick auf das erste Treffen 1929 als eine biedere und etwas pummelige Berliner Hausfrau. Die Tochter eines früh verstorbenen preußischen Polizeileutnants schlug sich zu dieser Zeit mit kleinen Filmen durch. Sie war mit dem Produktionsassistenten Rudolf Sieber verheiratet und hatte 1924 die gemeinsame Tochter Maria zur Welt gebracht. Doch das "Pummelchen" verzauberte von Sternberg so, dass
der Star-Regisseur die 27-Jährige vom Fleck weg für den "Blauen Engel" engagierte. Der Film wurde Geschichte.

Auf nach Hollywood

Dietrich war nach der Premiere 1930 für das deutsche Publikum die Tingeltangel-Lola, die verführerisch und mit übereinander geschlagenen Beinen ihr "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt" hauchte und damit den Typus des männermordenden Vamps etablierte. Der von seiner Entdeckung besessene von Sternberg nahm sich Großes vor: Er brachte Marlene Dietrich nach Hollywood, drehte dort mit ihr und Gary Cooper noch im selben Jahr den Welterfolg "Marokko" und bastelte am Aussehen der Schauspielerin: 15 Kilo musste sie sich mit einer Suppendiät abhungern und vier Backenzähne ziehen lassen, damit das Gesicht schmaler wurde und die kühle Blonde noch unnahbarer wirkte.

Doch das in eiserner preußischer Disziplin ertragene Leiden lohnte sich. Von Sternbergs "Blonde Venus" strickte weiter am Mythos des Männertraums. "Selbst wenn sie nichts anderes als ihre Stimme hätte, könnte sie damit dein Herz brechen", schwärmte der Schriftsteller Ernest Hemmingway, der zu der scheinbar unendlichen Reihe ihrer Liebhaber zählte: Yul Brunner, Jean Gabin, Ernst Lubitsch oder Maurice Chevalier gehörten angeblich dazu, aber auch
Frauen wie etwa Edith Piaf. In "Marokko" hatte Dietrich zudem die wohl erste leidenschaftliche Kuss-Szene zwischen zwei Frauen in der Filmgeschichte gezeigt und damit die Öffentlichkeit elektrisiert.

"Der Krieg ist doch Scheiße!"

Je berühmter die Dietrich in Hollywood wurde, desto mehr interessierten sich auch die Nazis für den deutschen Weltstar. Als sich die Diva und von Sternberg 1934 trennten, streckte Propaganda-Minister Joseph Goebbels seine Fühler aus. "Marlene sollte jetzt ins Vaterland heimkehren, ihre historische Rolle als Anführerin der deutschen Filmindustrie übernehmen", schrieb er in einem Artikel - und erreichte das Gegenteil. Dietrich beantragte die amerikanische Staatsbürgerschaft und begleitete sogar die US-Truppen an die Front. Über die BBC rief sie den deutschen Soldaten zu. "Jungs, opfert euch nicht. Der Krieg ist doch Scheiße! Hitler ist ein Idiot."

Doch der Kampf gegen das Regime wurde ihr von vielen Deutschen nicht gedankt, sondern als Verrat vorgehalten. 1960 kam sie in ihrer neuen Karriere als Sängerin zum letzten Mal nach Deutschland. Während begeisterte Fans sie mit Applaus überschütteten, sammelte sich vor den Theatern der Mob, hielt Plakate mit Aufschriften wie "Go home" hoch, im Rheinland wurde die Diva bespuckt.

Marlene Dietrich

Umso überraschter war die deutsche Öffentlichkeit, dass Marlene Dietrich, nachdem sie die letzten zwölf Jahre ihres Lebens vollkommen zurückgezogen in Paris gelebt hatte, sich nach ihrem Tod in Berlin beerdigen ließ. "Ich bin, Gott sei Dank, Berlinerin" und werde "stets Deutsche bleiben" hatte sie schon in ihren Memoiren geschrieben. Maria-Magdalena Dietrich, so ihr vollständiger Name, liegt auf dem kleinen Friedenauer Friedhof in Berlin-Schöneberg, Grabstelle 34/38. "Hier stehe ich an den Marken meiner Tage - Marlene 1901 - 1992" steht auf ihrem Grabstein.

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  • Datum 27.12.2001
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