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Sichtbares

Manche handeln kurz-, manche weitsichtig – auch ohne Sichthilfe. Manche fahren auf Sicht oder kommen zur Einsicht, selbst wenn sie mit Absicht gehandelt haben. Dann sollte Nachsicht geübt werden.

Gäbe es eine verlässliche Rangliste der meistgebrauchten Wörter in der deutschen Sprache, dann wäre dieses Wort mit all seinen Ablegern mit Sicherheit vertreten. Wir nehmen natürlich und oder aber einmal aus. Sie laufen außer Konkurrenz. Es geht um die Sicht, um Sichtbares und Unsichtbares.

Sichthilfen

Ein Mann schaut aus einer Klobrille hinaus

Durchsicht, aber keine Sichthilfe ...

Sicht: Das bedeutet die Fähigkeit zu sehen, sowohl auf kurze wie auf lange Entfernung – manchmal mit einer Sehhilfe, manchmal ohne. Sicht- und Sehhilfen sind mittlerweile selbstverständlich geworden. Ob jemand kurz- oder weitsichtig ist – für fast jeden Sicht- oder Sehfehler gibt es eine optische Korrekturhilfe. Wobei unter Kurz- und Weitsichtigkeit nicht nur eine Beeinträchtigung der Sehfähigkeit zu verstehen ist.

Das Wort Sicht ist ursprünglich eine Lehnübersetzung des lateinischen vista. Erstmals verzeichnet ist es im 9. Jahrhundert als siht im Alt- und Mittelhochdeutschen. Es stammt aus der Seemannssprache. Früher, als die Seeleute noch mit relativ ungenauen Seekarten auf den Meeren unterwegs waren, war der Ruf Land in Sicht ein Grund zum Jubeln. Denn aus der Sicht der Seeleute bedeutete dies – oft nach mehreren Wochen – endlich wieder festen Boden unter den Füßen zu haben.

Auf Sicht

Oft müssen Seeleute aber auf Sicht fahren. Dann, wenn das Wetter nicht sichtig, also klar ist, ihre Navigationssysteme versagen und dicker Nebel herrscht. Falls dann plötzlich ein Hindernis, das bisher unsichtbar war, auf einmal sichtbar vor den Augen des Kapitäns auftaucht, kann es zu spät sein.

Schiffsbug im Nebel.

Auf Sicht fahren!

Es sei denn, der Kapitän hat das Hindernis doch noch rechtzeitig genug gesichtet, umfährt es, so dass es nach vielen Schreckminuten dann bald außer Sicht ist. Sicher ist, dass ganz schnell unter den mitfahrenden Hobby-Seeleuten über das Verhalten des Kapitäns diskutiert wird. Die Sichtweisen können dabei ziemlich auseinandergehen. "Aus meiner Sicht hat er sich sehr umsichtig verhalten", kommt es da von dem einen. Andere wiederum sehen es ganz anders und werfen dem Kapitän Fehler vor.

Unterschiedliche Sichtweisen

Die Sicht auf die Dinge ist – wie wir wissen – selten einheitlich. Der eine sieht etwas so, der oder die andere hat eine ganz andere Sichtweise und sieht die Dinge mit anderen Augen. Wir loben gerne Menschen mit Weitsicht. Diese haben meist das Ganze einer Sache im Blick, bedenken mögliche Folgen. Ganz anders diejenigen, die kurzsichtig sind, die nur den momentanen, schnellen Erfolg einer Sache im Auge haben und sich von ihrer Meinung auch schwerlich abbringen lassen.

Verstellte Sicht

Der Sicherheitszaun in Heiligendamm

Die Sicht ist verstellt ...

Wem dergestalt die Sicht verstellt ist, dem mangelt es mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auch an Einsicht – also an der Erkenntnis oder dem Verständnis. Einsicht hat aber auch jemand, der andere beobachten kann. Will jemand seinem Nachbarn oder Fremden keine Einsicht in sein Privatleben geben, dann schützt er sich: mit einem Sichtschutz, etwa in Form einer Hecke, von Trennwänden, Rollläden und so weiter.

Je nach Lage des Grundstückes kann es nun aber sein, dass so ein Sichtschutz dem Nachbarn Schatten aufs Grundstück wirft. Aus seiner Sicht ist der Sichtschutz des Nachbarn die reine Rücksichtslosigkeit. Erfahrungsgemäß ist es nun so, dass beide Parteien wenig Einsicht zeigen und sich schließlich nicht anders zu helfen wissen, als die Angelegenheit aus juristischer Sicht betrachten zu lassen.

Juristische Sicht

Das führt für den einen oder anderen Anwalt zu der Notwendigkeit der Akteneinsicht. Da wird bisheriger Schriftverkehr der nachbarschaftlichen Streithähne gesichtet. Die Briefe oder Emails werden durchgeschaut, geordnet. Wichtiges wird von Unwichtigem getrennt.

Ein Schild mit der Aufschrift Rücksicht ist besser und einem Teufel-Stofftier

Deutlicher Hinweis ...

Das Verb sichten ist im Übrigen eng verwandt mit dem Verb sieben und stammt von dem germanischen sib ab. Dies bedeutete in der Tat Gutes von Schlechtem zu trennen, Brauchbares von Unbrauchbarem.

Rücksichtnahme gefordert

Nachsicht, also mildes Verständnis, wird bei Streithähnen selten an den Tag gelegt. Der eine wirft dem anderen vor, er habe mit Absicht den Zaun so aufgestellt, dass Schatten auf sein Grundstück falle. Der so Beschuldigte fordert Rücksicht ein. Er wolle nicht den Blicken des Nachbarn ausgesetzt sein. Rücksichtnahme sollte eigentlich selbstverständlich sein. Denn würden alle Menschen ohne Rücksicht auf Verluste handeln, also ohne darauf zu achten, ob es jemandem schadet, dann würde es nur Streit geben. Wir hoffen auf Ihre Einsicht!

Fragen zum Text

Keine Seh- oder Sichthilfe ist …

1. eine Lupe.

2. ein Fernrohr.

3. eine Klobrille.

Ist jemand oder etwas verschwunden, dann ist er/sie/es …

1. in Sicht.

2. bei Sicht.

3. außer Sicht.

Denkt jemand nur an sich, dann ist er/sie …

1. rücksichtsvoll.

2. rücksichtslos.

3. rücksichtlich.

Arbeitsauftrag

Stellen Sie sich vor, sie hätten bei schlechter Sicht einen Unfall. Die Polizei kommt an die Unfallstelle. Sie erklären, wie es zu dem Unfall kam. Spielen Sie diese Situation in Ihrer Gruppe. Verwenden Sie dabei möglichst viele Begriffe, in denen Sicht vorkommt.

Autor: Michael Utz

Redaktion: Beatrice Warken


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