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Kultur

Sichtbare Räume ohne Menschen

Candida Höfer gehört zu den bekanntesten deutschen Fotokünstlern. Jetzt stellt die zurückhaltende Fotografin 15 ihrer Werke im Museum Morsbroich aus.

Künstlerin vor weißer Wand

Candida Höfer/project done

Candida Höfer lässt lieber andere über ihre Kunst reden. Dennoch empfängt sie anläßlich der Eröffnung ihrer aktuellen Ausstellung ‚projects:done’ in Köln ein paar Journalisten. Der Blick der Künstlerin ist ruhig und wachsam – gerade so, wie hinter einer Kamera. Es geht ihr um ein langsames, intensives Sehen von Situationen. Ein deutlicher Kontrast zu den medialen Bilderfluten heutiger Tage.

Zwei fotografische Ansätze

Die Bilder können honorarfrei und einmalig für die Berichterstattung genutzt werden

Leere Korridore

Höfers Werk ist in zwei Phasen unterscheidbar. In der ersten Phase fotografierte sie das soziale Umfeld samt seiner Menschen. So reiste die junge Fotografin 1968 nach Liverpool und versuchte das Zeitgefühl dieser brodelnden Stadt zwischen Industrie und Popkultur einzufangen. Vielleicht ist dieses Interesse für Menschen und ihre Umgebung quasi familienbedingt. Candida Höfer ist die Tochter des Journalisten Werner Höfer, der in den frühen 60er Jahren das regionale Fernsehprogramm des Westdeutschen Rundfunk aufbaute. Candida Höfer arbeitete bereits in den 70er Jahren an ihrer Fotoserie ‚Türken in Deutschland’ (1979), in der sie türkische Mitbürger und deren Lebensumfeld porträtiert.

Nach diesem Projekt allerdings kommen keine Menschen mehr in ihren Bildern vor und es markiert den Beginn der zweiten Phase. Ab sofort widmet sie sich ausschließlich der Abbildung von Architektur – insbesondere von Innenräumen. Ein Grund für diese Zäsur ist sicherlich ihr Studium an der Kunstakademie Düsseldorf bei Bernd und Hilla Becher. Die Bechers sind weltweit bekannt für ihre Fotografien von Industriebauten. Aus der sogenannten ‚Becher-Schule’ sind international so anerkannte Künstler wie Thomas Ruff und Andreas Gursky hervorgegangen.

Menschenleere Räume erzählen vielleicht mehr

Candida Höfer/projects:done

Fotopräsentation in der Austellung projects:done

„Ich lasse die Menschen lieber aus meinen Bildern heraus, weil ich finde, daß der Raum sichtbarer wird“, erklärt sie ihre Arbeitsweise. Sie möchte keine „Menschen für ihre Bilder zu nutzen“. Betrachtet man die Raumfotografien Höfers, so wird auf den zweiten Blick eines klar: die Menschen sind zwar nicht zusehen – und doch haben sie immensen Einfluss auf die Bilder.

In der Serie ‚Niederländische Botschaft Berlin’ (2003) sieht man beispielsweise neben moderner Architektur auch unfertige Räume, in denen immer das Wirken der Menschen zu spüren ist. So erzählen ihre menschenleeren Tableaus oft mehr über die Menschen, als es ein intimes Gesichtsporträt jemals könnte.

Zusammenarbeit mit Berliner Architekten

Candida Höfer/projects:done Foto darf für die Berichterstattung einmalig verwendet werden

Gerahmte Bilder

Die aktuelle Ausstellung vereint beide Ansätze ihrer Fotografie. Sie ist in enger Zusammenarbeit mit dem Berliner Architekten-Büro Kuehn Malvezzi entstanden. Die Architekten haben kongeniale Tischvitrinen entworfen, in denen die bisher unveröffentlichte Arbeit ‚Flipper’ (1973) von Höfer ausliegt. In scheinbar charmanter Unordnung liegen darin originale Schwarz-Weiß-Abzüge von Flipperautomaten aus Kneipen und Restaurants, kontrastiert mit der kühlen Eleganz des Tisches.

Mit den Augen durchwandern

"Bilder sollen nicht geschwätzig sein", sagt Candida Höfer, "Ich will sie für die Geschichten von Leuten öffnen, die mit ihren Augen durch diese Bildern wandern“. Das schaffen die Bilder der Ausstellung allemal. Sie sind nicht nur ein gelungener Überblick über das Schaffen Höfers, sondern auch ein subjektiver Blick auf europäische Realität der letzten 40 Jahre.

Autor: Daniel Müller

Redaktion: Marlis Schaum

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