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Welt

Sicherheitsproblem Cyberwelt

Im Vorfeld der Münchner Sicherheitskonferenz trafen sich 200 Fachleute zur Cybersicherheits-Konferenz. Fazit: Die Gefahren durch die Vernetzung wachsen rasant. Einfache Lösungen sind nicht in Sicht.

"Die Cyber-Domäne war, ist, und wird auch in Zukunft einer der herausfordernden Bereiche internationaler Sicherheitsfragen sein", mit diesen Worten verortete Wolfgang Ischinger das Thema Cybersicherheit klar auf der Agenda der Münchner Sicherheitskonferenz. Ein Kernproblem aus Sicht des Direktors der Münchner Sicherheitskonferenz: Die Sprache der IT-Experten sei zu kompliziert. Viele Menschen könnten dem nicht folgen und würden abgehängt.

Knapp 200 Firmenvertreter, Fachleute und IT-Experten bildeten das Publikum bei der 2. Internationalen Cybersicherheits-Konferenz. Sie ist Teil des Begleitprogramms zur Münchner Sicherheitskonferenz, die ab Freitag für drei Tage rund 600 hochrangige Entscheidungsträger aus aller Welt zusammenbringt. Der Bayerische Hof als Konferenzort platzt aus allen Nähten. Das zeigt sich auch an Kleinigkeiten. Die Cybersicherheitskonferenz etwa fand etwas gedrängt im Frühstückssaal auf der 6. Etage statt, gleich neben Schwimmbad und Spa. Weshalb man den Ausführungen der hochrangigen Redner folgen und zugleich Menschen in weißen Bademänteln auf der Dachterasse beim Rauchen beobachten konnte.

Deutschland Wolfgang Ischinger PK vor der Münchener Sicherheitskonferenz 2016

Wolfgang Ischinger, Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz

Chancen und Risiken der Cyberwelt

Dabei waren unter anderem: Ein Vorstandsmitglied der Bundesbank (Andreas Dombret), der Informationssicherheitschef der Deutschen Bank (Al Tarasiuk), der Chef der globalen Sicherheitsstrategie von Microsoft (Paul Nicholas), ein Vorstandsmitglied des TÜV SÜD (Axel Stepken), ein Kriminaldirektor des Bundeskriminalamtes (Heiko Löhr) sowie der Chef für globale Cybersicherheit des chinesischen Netzwerkausrüsters Huawei (John Suffolk). Wie zuvor schon beim Weltwirtschaftsforum in Davos stand auch in München die derzeitige vierte industrielle Revolution im Vordergrund: die fortschreitende Vernetzung, Digitalisierung und Automatisierung der industriellen Produktion entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Robin Niblett , Direktor desLondonder Think Tanks Chatham House, verband diese Entwicklung mit dem Treiber wirtschaftlichen Wachstums der letzten zwei Jahrzehnte: Der Globalisierung.

Die Vernetzung durch das Internet sei eine grundlegende Voraussetzung für die Globalisierung gewesen, so Niblett. Jetzt, in Zeiten schwachen Wachstums, sei die Fähigkeit zum Umgang mit großen Datenmengen essentiell. Wie bei vielen Cyberkonferenzen herrschte Einigkeit: das große Potential der Digitalisierung für wirtschaftliches Wachstum müsse genutzt werden. Zugleich waren sich auch alle Beteiligten darüber klar, dass genau dies die Abhängigkeiten der Gesellschaften und damit auch die Angriffsmöglichkeiten enorm erhöhen werde. Die Cyberwelt habe eine neue Hyper-Asymmetrie hervorgebracht, erklärte Niblett. Während man in der analogen Welt etwa im Krieg drei Angreifer brauchte, um einen Verteidiger zu überwinden, könne in der digitalen Welt ein Angreifer 1000 Verteidiger matt setzen.

Deutschland Andreas Dombret

Andreas Dombret, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank

445 Millarden Euro Schaden

So eindeutig der Befund wachsender Gefahren, so geteilt waren die Meinungen, inwieweit diese Gefahren in den Führungsetagen der Wirtschaft wahrgenommen, ernst genommen und angegangen würden. Einige Redner stellten ein deutlich gewachsenes Problembewusstsein bei den Wirtschaftslenkern fest, wie zum Beispiel der Allianz-Vorstand für Mittel- und Osteuropa, Christopher Lohmann. Thomas Köhler von der Wirtschaftsberatung Ernst &Young sah das anders. Er verwies auf eine Umfrage unter 1300 Unternehmen im vergangenen Jahr. Demnach glaubten 88% der Befragten, die Informationssicherheit ihres Unternehmens sei nicht ausreichend. 36% hielten es für unwahrscheinlich, einen hoch entwickelten Angriff auf ihr Unternehmen überhaupt zu erkennen.

Die Bayrische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner hatte in ihrer Eröffnungsrede zuvor bereits die Dimensionen des Schadens deutlich gemacht: Allein für Deutschland bezifferte sie die den jährlichen Schaden durch Cyberangriffe auf 50 Milliarden Euro. Weltweit, konnte man später hören, summiere sich der jährliche Schaden auf 445 Milliarden Euro.

Digitale "Kronjuwelen"

Im Laufe der Veranstaltung kristallisierten sich einige Ansätze zu größerer Cybersicherheit heraus: Unternehmen müssten priorisieren, was ihre wirklich schützenswerten "Kronjuwelen" seien. Die breite Bevölkerung könne mit Programmen zu Datensicherheit und Datensparsamkeit sensibilisiert werden, ähnlich Programmen zur Verkehrssicherheit in der Vergangenheit. Vor allem aber müsse man nach vorne schauen, versuchen, neu entstehende Problemfelder frühzeitig zu identifizieren und entsprechend zu handeln. Mit Blick auf die rasante Entwicklung hin zu Industrie 4.0, zum Internet der Dinge und e-government wurde auch der Ruf nach unabhängigen Zertifizierungsstellen laut. Denn Einigkeit bestand in der Einschätzung: Je mehr und je enger wir miteinander vernetzt sind, desto wichtiger wird eine uralte Qualität aus der analogen Welt: Vertrauen!

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