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Nahost

Sicherheitsoffensive beginnt mit Blutvergießen

In Bagdad hat die lange erwartete Sicherheitsoffensive der Amerikaner begonnen: Mit der Festnahme eines Vize-Ministers und erneutem Blutververgießen.

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CH-46 Sea Knight-Hubschrauber über Bagdad

Zu Beginn ihrer Militäraktion gegen Terroristen und Milizen in Bagdad hat die US-Armee am Donnerstag (8.2.) den stellvertretenden irakischen Gesundheitsminister Hakim al-Samili festgenommen. Al-Samili gehört der Bewegung des radikalen Schiiten-Predigers Muktada al-Sadr an, die eine eigene Miliz unterhält und an der Regierungskoalition von Ministerpräsident Nuri al-Maliki beteiligt ist.

Hakim al-Samili soll in mehrere Todesfälle von Mitarbeitern des Ministeriums verwickelt sein und Schmiergelder in Höhe von mehreren Millionen Dollar an die Miliz weitergeleitet haben. Dem Festgenommenen wird zudem vorgeworfen, im großen Maßstab Milizionäre eingestellt zu haben, die Einrichtungen des Gesundheitsministeriums für Entführungen und Morde genutzt hätten, wie die US-Streitkräfte erklärten.

Irak Sicherheitskontrolle in Bagdad Soldat

Checkpoint in Bagdad

90.000 Mann gegen die Gewalt

Die ersten Schritte der seit langem erwarteten Sicherheitsoffensive seien getan, sagte Generalmajor William Caldwell. Mit dem Einsatz soll ein Großaufgebot von bis zu 90.000 Mann die eskalierende Gewalt in der irakischen Hauptstadt in den Griff bekommen. Soldaten und Polizisten hatten bereits am Montag neue Straßensperren errichtet.

Trotz des Beginns der Offensive kamen am Donnerstag mindestens 32 Iraker ums Leben, mehr als 50 weitere wurden verletzt. In Bagdad riss die Explosion einer Autobombe in einem schiitischen Viertel der Hauptstadt sieben Menschen in den Tod. Es gab zehn Verletzte, wie die Polizei mitteilte. Auf einem Fleischmarkt in der überwiegend von Schiiten bewohnten Stadt Asisija 90 Kilometer südlich der Hauptstadt explodierte eine Autobombe. Dabei kamen nach Polizeiangaben 20 Menschen ums Leben, 50 weitere wurden verletzt. Insgesamt wurden 43 Menschen getötet oder tot aufgefunden.

Irak Hubschrauber über Bagdad

Black Hawk über der Grünen Zone Bagdad

Fünf Hubschrauber in zwei Wochen

Nach dem neuerlichen Verlust eines US-Militärhubschraubers erklärte die Gruppe Islamischer Staat im Irak, der der El-Kaida nahe stehen soll, seine Kämpfer hätten den Helikopter abgeschossen. Dabei kamen am Mittwoch alle sieben Insassen ums Leben. Ein Offizier der irakischen Luftwaffe sagte, die Maschine sei von einer Flugabwehrrakete abgeschossen worden. Die USA haben damit im Irak binnen etwas mehr als zwei Wochen fünf Hubschrauber verloren.

Eine von sunnitischen Abgeordneten geforderte Befragung von Verteidigungsminister Abdelkader Mohammed Dschasim im Parlament fand am Donnerstag unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Der Minister erklärte Einzelheiten des neuen Sicherheitsplans für Bagdad, an dessen Umsetzung irakische und amerikanische Truppen beteiligt sind.

Veruntreuung

Drei US-Reserveoffiziere und zwei weitere Amerikaner wurden unterdessen wegen Veruntreuung von irakischer Wiederaufbauhilfe angeklagt. Ihnen wird vorgeworfen, rund 3,6 Millionen Dollar (2,8 Millionen Euro) umgeleitet zu haben, wie die amerikanische Justiz am Mittwoch erklärte. Der erste Prozess gegen einen US-Soldaten wegen Verweigerung seines Einsatzes im Irak ist ergebnislos abgebrochen worden. Militärrichter John Head erklärte die Verhandlung in Fort Lewis im US-Staat Washington am Mittwoch für beendet, entließ die Geschworenen und setzte einen neuen Prozess für den 19. März an. Er gab damit einem Antrag der Anklage statt. Grund war ein Dokument, das der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada unterzeichnet, aber nach Ansicht des Richters nicht richtig verstanden hatte. (sams)