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Politik

Sicherheitskräfte bringen Rote Moschee unter Kontrolle

Fast 40 Stunden nach dem Sturm auf die Rote Moschee in Islamabad haben die Sicherheitskräfte das Gotteshaus vollständig unter Kontrolle gebracht. Die Zahl der Todesopfer war zunächst unklar.

Soldaten vor der Erstürmung der Moschee, Quelle: AP

Soldaten vor der Erstürmung der Moschee

Begräbnis eines bei den Kämpfen getöteten Soldaten in Lahore, Quelle: AP

Begräbnis eines bei den Kämpfen getöteten Soldaten in Lahore

Nach zweitägigen Gefechten hat die pakistanische Armee den Widerstand der Islamisten in der Roten Moschee in Islamabad gebrochen und das Gelände vollständig unter ihre Kontrolle gebracht. Das Gelände sei am Mittwoch (11.7.07) zunächst von den militanten Besetzern befreit worden, sagte Armeesprecher Waheed Arshad in der pakistanischen Hauptstadt. Nun müsse der Komplex nach ungezündeten Granaten und Sprengfallen durchsucht werden. Zudem müssten die Toten geborgen werden.

Bis kurz zuvor erschütterten noch einzelne Schüsse und Explosionen das Gelände in der pakistanischen Hauptstadt. Über Nacht seien drei der noch in dem Gebäude verschanzten führenden Extremisten getötet worden, erklärte Arshad. Leichen von Frauen und Kindern seien bislang nicht in dem Komplex gefunden worden, meldete Ministerpräsident Shaukat Aziz: "Die Operation ist vorbei."

Bis zu 200 Tote

Bei der Erstürmung starben nach offiziellen Angaben mindestens 53 Moschee-Besetzer und neun Soldaten. Pakistanische Medien schätzten die Zahl der Opfer auf 80 bis 200. Die Streitkräfte hatten keine Angaben dazu gemacht, wie viele Menschen sich noch in der Moschee und den angrenzenden Koranschulen aufhielten. Es hieß lediglich, seit dem 3. Juli seien 1.300 Menschen aus dem Gebäude geflüchtet.

Bewaffnete Kommandos hätten am Mittwoch die letzten Aufständischen getötet, die sich noch in Tunneln und Bunkern verschanzt hielten, sagte Arshad weiter. Angesichts des erbitterten Widerstands hatte die Armee zunächst eingestehen müssen, dass die islamistischen Kämpfer auch mehr als 24 Stunden nach dem Beginn der Militäraktion noch etwa ein Viertel des weitläufigen Geländes kontrollierten. Nach Armeeangaben feuerten die Besetzer teils aus Lüftungsschächten im Keller des Gebäudes.

"Neue Strategie"

Laut dem Armeesprecher sollte die Moschee bald für Journalisten zugänglich gemacht werden. Nach offiziellen Angaben befanden sich bei der Erstürmung der Moschee, die am Dienstagmorgen begonnen hatte, weniger Frauen und Kinder auf dem Gelände als vermutet. Rund 60 Frauen und Kindern gelang nach Beginn der Erstürmung die Flucht. Einige von ihnen mussten nach Angaben von Behördenvertretern ins Krankenhaus.

Ein Präsidentenberater sagte, Musharraf werde am Donnerstag in einer Rede an die Nation eine "neue Strategie im Kampf gegen Extremismus und Terrorismus" vorstellen. Musharraf, ein enger Verbündeter der USA in deren "Krieg gegen den Terror", war durch den tagelangen Kampf um die Rote Moschee im Zentrum der Hauptstadt unter Druck geraten. Die US-Regierung hatte die Erstürmung des Gebäudekomplexes und das "verantwortungsvolle" Vorgehen der pakistanischen Behörden begrüßt.

Bush bekräftigt Vertrauen

Unter den Toten war auch der radikale Geistliche Abdul Rashid Ghazi. Er galt als ein Anführer der Bewegung, die in Pakistan ein islamistisches System nach dem Vorbild der gestürzten Taliban in Afghanistan errichten will. Sein Leichnam wurde nach Angaben des Innenministeriums im Kellergeschoss der Koranschule für Frauen gefunden. Der Tote sei dem Innenministerium übergeben worden, sagte Generalmajor Arshad. Ghazi hatte sich bis zuletzt geweigert aufzugeben.

Aus Protest gegen die Militäraktion gingen bereits am Dienstag zahlreiche Pakistaner auf die Straße. In Peshawar kam es am Mittwoch erneut zu islamistischen Protesten. "Tod für Musharraf", riefen die Teilnehmer. Im benachbarten Afghanistan forderte der ranghohe Taliban-Kommandeur Mansur Dadullah die Muslime auf, Selbstmordanschläge auf die pakistanischen Sicherheitskräfte zu verüben. Die USA stellten sich hinter die Entscheidung Musharrafs, die Moschee zu stürmen. Den Extremisten sei genug Zeit eingeräumt worden, erklärte das Außenministerium in Washington. Präsident George W. Bush bekräftigte sein Vertrauen in den Kampf Musharrafs gegen Extremisten. (stu)

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