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Aktuell Asien

Sicherheits-Mythos führte zur Fukushima-Katastrophe

Die japanische Regierung und der Stromkonzern Tepco haben das Risiko eines Atomunfalls unterschätzt. Das ist das Ergebnis eines Berichtes einer Kommission unabhängiger Experten, die das Parlament eingesetzt hatte.

Japan Fukushima Tsunami trifft AKW Foto: ddp

Japan Fukushima Tsunami trifft AKW Welle

Das Hauptproblem ist nach Meinung der Experten, dass die Energiekonzerne sowie die Regierung "die Gefahr nicht als Realität erkannt" hätten, weil sie "an den Mythos atomarer Sicherheit geglaubt" hätten, heißt es in der jetzt veröffentlichten Untersuchung. Die Behörden seien der Auffassung gewesen, "dass schwere Unfälle in Atomkraftwerken in Japan nicht geschehen können".

Das havarierte Atomkraftwerk Fukushima Daiichi Foto: Tokyo Electric Power

Das havarierte Atomkraftwerk Fukushima Daiichi

Der Untersuchungsausschuss hatte die Atomkatastrophe in Fukushima vom März 2011 bereits Anfang Juli dieses Jahres als vermeidbar und als eine "von Menschen verursachte Katastrophe" bezeichnet. Das Atomkraftwerk sei damals "verwundbar" gewesen. Die Betreibergesellschaft Tepco hatte den beinahe 15 Meter hohen Tsunami, der nach einem Erdbeben der Stärke 9 über das Kraftwerk hereinbrach, dagegen wiederholt als "unvorhersehbar" bezeichnet. Das Atomkraftwerk war bei dem Unglück schwer beschädigt worden. Durch die Zerstörungen kam es zur Kernschmelze, große Gebiete wurden radioaktiv verseucht. Das Unglück in Fukushima war der schwerste Atomunfall seit der Tschernobyl-Katastrophe im Jahr 1986.

Langzeitwirkung für Anwohner und Tepco

Video ansehen 01:19

Japan: dem "Mythos atomarer Sicherheit" erlegen

Die Folgen der dreifachen Kernschmelze im AKW Fukushima Daiichi sind auch knapp eineinhalb Jahre nach der Katastrophe zu spüren. Mehr als 100 000 Menschen können bis heute nicht in ihre Heimat zurückkehren. Außerdem ist die Atomruine noch immer nicht unter Kontrolle. Sorgen bereitet ein Abklingbecken des Reaktors 4, wo mehr als 1500 Brennstäbe nach einer Wasserstoffexplosion im Reaktorgebäude praktisch ungeschützt unter einer Plane in 30 Metern Höhe liegen.

In der vergangenen Woche hatte Tepco testweise zwei Stäbe herausgeholt. Nach Einschätzung der Regierung kann frühestens in zehn Jahren damit begonnen werden, die Reaktoren 1 bis 4 zu entkernen. Der vollständige Rückbau des Atomkraftwerks dürfte danach etwa 30 bis 40 Jahre dauern.

Vertuschung über wahre Strahlenwerte?

Über die scharfen Vorwürfe der Experten gegen Stromkonzerne und Regierung hinaus beschäftigt die Reaktorkatastrophe von Fukushima jetzt die Justiz. Japanische Behörden ermitteln wegen des Verdachts, die Höhe der Strahlenwerte bei den Aufräumarbeiten in Fukushima Daiichi sei gezielt falsch angegeben worden. Medien hatten berichtet, dass Arbeiter angehalten worden seien, ihre Strahlenmessgeräte zu manipulieren, damit sie länger in dem beschädigten Atomkraftwerk bleiben konnten. Die jetzt eingeleiteten Ermittlungen sind die ersten der Regierung in diesem Fall.

gb/nis (dpa/dapd/AFP)

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