Sicherheitsüberprüfungen lassen Zahl der muslimischen Gefängnisseelsorger sinken | Aktuell Europa | DW | 15.02.2018
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Ditib-Imame

Sicherheitsüberprüfungen lassen Zahl der muslimischen Gefängnisseelsorger sinken

In Deutschland betreuen immer weniger Imame Häftlinge. In den neuen Bundesländern gibt es keinen einzigen Seelsorger für Muslime. Hintergrund sind Kontrollen der Prediger.

Deutschland U-Haft-Zelle für Muslime (Imago/J. Tack)

Imame sind für muslimische Häftlinge in deutschen Gefängnissen als Seelsorger aktiv

Die Zahl der in deutschen Gefängnissen als Prediger aktiven Imame ist einem Zeitungsbericht zufolge in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. Nach einer Umfrage der "Rheinischen Post" unter den 16 Bundesländern sind aktuell bundesweit rund 110 Imame in den Haftanstalten aktiv. Allein in Nordrhein-Westfalen hatte die Zahl der Prediger für das Freitagsgebet noch vor drei Jahren bei 117 gelegen.

Hintergrund des Rückgangs sind demnach vor allem in NRW die seit einem Jahr verpflichtenden Sicherheitsüberprüfungen für Imame. Die große Mehrheit der vom Dachverband der türkischen Moscheegemeinden (Ditib) entsandten Imame verweigern jedoch die Checks. Zuvor waren sie ausschließlich für Imame anderer Islamverbände verpflichtend.

Keine muslimischen Seelsorger im Osten

In NRW sind nach Angaben der Zeitung derzeit nur noch 25 Imame in den Gefängnissen aktiv – lediglich fünf davon von Ditib beziehungsweise direkt von den Generalkonsulaten entsandt. Im September 2016 waren es noch 92. In Baden-Württemberg sind demnach aktuell 24 und in Bayern 34 Imame in Justizvollzugsanstalten tätig, darunter 17 von Ditib.

Gar keine muslimischen Seelsorger gibt es laut "Rheinischer Post" hingegen in den neuen Bundesländern. In Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen arbeiten keine Imame in Gefängnissen, auch nicht in Schleswig-Holstein. Nach Angaben dieser Länder besteht dort kein Bedarf. Im Einzelfall werden Muslime etwa von christlichen Seelsorgern betreut.

Erhöhte Kontrollen nach Märtyrer-Diskussion

Die Sicherheitschecks waren unter der rot-grünen Landesregierung vom damaligen Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) eingeführt worden. Sein Nachfolger Peter Biesenbach (CDU) hält daran fest. "Ohne Sicherheitsüberprüfung kommt bei uns niemand mehr ins Gefängnis - keiner bekommt einen Vertrauensvorschuss, auch Ditib nicht", sagte er. "Wir freuen uns über jeden, der religiöse Seelsorge anbieten will, aber wir behandeln alle gleich."

Die erhöhten Kontrollen waren eine Konsequenz aus der Kontroverse um einen Comic der türkischen Religionsbehörde Diyanet, mit der Ditib eng verbunden ist. Der Islamverband hatte sich nach Ansicht der Landesregierung nicht ausreichend von dem Comic distanziert, in dem der Märtyrer-Tod verherrlicht wurde. Auf die Sicherheitsprüfung hatte die Ditib zunächst mit Unverständnis reagiert, dann aber erklärt, weiterhin Seelsorge in Gefängnissen leisten zu wollen.

mb/mm (epd, afp)

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