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Deutschland

Sicherheit ist nichts Absolutes

Nach dem Irrflug eines geraubten Kleinflugzeugs bei Frankfurt ist klar, dass zentrale Fragen beim Umgang mit solchen Gefahren völlig ungeklärt sind. Das Verteidigungsministerium sieht das anders.

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Zunächst unbehelligt: Amok-Flieger im Frankfurter Bankenviertel

Um neun Minuten nach vier Uhr am Sonntagnachmittag (05.01.) ist die Bundeswehr nach Angaben des Verteidigungsministeriums informiert worden. Einige Minuten später steigen zwei Abfangjäger der Luftwaffe vom Typ Phantom auf und haben bereits um 16:44 Uhr Blickkontakt zu dem Motorsegler, der über der Innenstadt von Frankfurt kreiste. Von der ersten Meldung bis zum Eintreffen der Abfangjäger am Ort des Geschehens hat die Bundeswehr also etwas länger als eine halbe Stunde gebraucht.

"Akzeptieren Sie, dass es gut geklappt hat!"

Frankfurt Skyline

Trügerische Idylle?

Schneller zu handeln sei kaum möglich gewesen, meint Oberst Hannes Wendroth. "Akzeptieren Sie doch, dass es aus meiner Sicht recht gut geklappt hat und dass die Akteure, die dort im Spiel waren, in kurzer Zeit ein komplettes Lagebild hatten und eine Entscheidung hätten treffen können", belehrt der Sprecher des Verteidigungsministeriums auf Nachfrage.

Bis die Bundeswehr informiert wurde, war der offenbar geistesgestörte Pilot allerdings schon eine Weile über der Frankfurter Innenstadt unterwegs. Der Grund für die Verzögerung: Die Meldung musste erst von der NATO zur Bundeswehr gelangen, da der Luftraum über Deutschland grundsätzlich in Absprache mit der NATO gesichert wird. Erst dann wurde die Luftwaffe aktiv.

Folgen mussten abgewogen werden

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Ein Abschuss des Motorseglers hätte schreckliche Folgen gehabt.

Lange Minuten, in denen viel hätte passieren können. Das räumt auch der Sprecher des Verteidigungsministeriums ein. Dennoch: "Ich kann mir kaum vorstellen, dass Sie damit einverstanden wären, wenn ich Ihnen heute geschildert hätte, dass ein Soldat, egal welchen Dienstgrades, eigenmächtig entscheidet, was im Luftraum über der Bundesrepublik Deutschland passiert."

Die gefährlichen Folgen, die ein möglicher Abschuss des Flugzeugs über dem Ballungsraum Frankfurt hätte haben können, mussten erst abgewogen werden. Das sei zwischen dem Verteidigungsminister, dem Bundeskanzler und dem hessischen Ministerpräsidenten geschehen. Auch das habe Zeit in Anspruch genommen, betont Wendroth.

Arbeitsgruppe braucht Zeit

Im Ernstfall hätte der Verteidigungsminister einen Abschuss befehlen müssen. Aber wie die Absprachen in einem solchen Fall idealer weise verlaufen sollten, dazu gibt es, keinen genauen Plan. Wendroth muss auf Nachfrage einräumen, "dass wir ein ausgefeiltes Regelwerk zu dem, was uns am Sonntag widerfahren ist, noch nicht haben."

Die mit der Ausarbeitung solcher Regeln beauftragte Arbeitsgruppe ist bereits unmittelbar nach dem 11. September 2001 unter Führung des Verteidigungsministeriums eingesetzt worden. Trotzdem liegen greifbare Ergebnisse noch nicht vor. So etwas brauche seine Zeit, beschwichtigt Wendroth.

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Zum Glück ist der Vorfall in Frankfurt noch einmal glücklich ausgegangen, und der Amok-Flieger ließ sich diesmal von Drohgebärden der entsandten Abfangjägern einschüchtern, wie Wendroth beschreibt: "Wenn so ein Motorsegler um die Türme der Frankfurter Innenstadt kreist und der fährt mal durch den Abgas-Schwall einer Phantom, dann ist das für den auch nicht mehr so wahnsinnig witzig. Hier hatten die Abfangjäger auch ein hohes Abschreckungs-Potenzial."

Trotzdem sei es richtig, dass die Arbeitsgruppe von der Realität eingeholt worden sei. Bleibt zu hoffen, dass die Geschehnisse im Luftraum über dem dichtbesiedelten Rhein-Main-Gebiet die Verantwortlichen in den Ministerien nun wieder wachgerüttelt haben. Für den Ernstfall ist ein genauer Plan unerlässlich, denn jede Minute zählt.