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Politik

Sichere Wahl für Vajpayee

Indien wählt ein neues Parlament. 670 Millionen Menschen in der größten Demokratie der Welt sollen ihre Stimme abgeben. Der Sieger scheint schon festzustehen: Ministerpräsident Vajpayee. Warum ist er so erfolgreich?

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Wähnt sich bereits als Wahlsieger: Indiens Premierminister Vajpayee

Atal Behari Vajpayee wollte nach eigenem Bekunden eigentlich gar nicht mehr antreten, und Sonia Gandhi wollte ohnehin nie in die Politik. Trotzdem wird die indische Parlamentswahl, die am Dienstagmorgen (20.4.2004) begonnen hat und erst am 10. Mai abgeschlossen sein wird, zwischen dem Ministerpräsidenten und der Führerin der altehrwürdigen Kongress-Partei entschieden werden. Es dürfte ein ungleiches Rennen werden. Mit seinen 79 Jahren ist Vajpayee auf dem Höhepunkt seiner Beliebtheit angelangt. Und die Kongress-Partei von Sonia Gandhi muss nach jüngsten Umfragen mit dem schlechtesten Ergebnis ihrer Geschichte rechnen.

Wahl in fünf Phasen

Die Regierungsallianz unter Führung seiner nationalistischen Hindu-Partei Bharatiya Janata (BJP) profitiert von der boomenden Wirtschaft des Landes und der Entspannung der Beziehungen zum Erzfeind Pakistan. Die Wahl in der mit mehr als einer Milliarde Einwohnern größten Demokratie der Welt findet in fünf Phasen statt und zieht sich über drei Wochen hin.

Die Auszählung der Stimmen beginnt am 13. Mai 2004, drei Tage nach Abschluss der Wahl. Mit dem zeitlich gestaffelten Verlauf sollen die Voraussetzungen für größtmögliche Sicherheitsvorkehrungen geschaffen werden. Wahlberechtigt sind mehr als 660 Millionen Menschen. In der ersten Phase, die am Dienstag (20.4.2004) beginnt, wird über 140 der insgesamt 543 Sitze in der gesetzgebenden Kammer Lok Sabha abgestimmt. Gewählt wird an diesem Tag in 14 der 28 Staaten Indiens. Für die Sicherheit sollen 400.000 Soldaten sorgen.

Bemerkenswerte Veränderungen

Die indische Regierungskoalition der Nationalen Demokratischen Allianz (NDA) platzt in den Tagen vor den Parlamentswahlen fast vor Selbstbewusstsein: Erst verkündete sie stolz "Indien glänzt", dann wurde gar der Slogan "Supermacht Indien" erwogen. Gemeint ist das vor allem wirtschaftlich. Indien wartet in jüngster Zeit mit Erfolgen auf, von denen manch europäischer Staat nur träumen kann. Das Land, so meinen indische wie ausländische Ökonomen und Politiker, könnte aus dem Schatten Chinas heraustreten.

In der Tat sind die Veränderungen seit der vorigen Parlamentswahl im Jaher 1999 bemerkenswert: Die Wirtschaft boomt, die Erzfeinde Indien und Pakistan führen Friedensgespräche, und die Separatisten in der zwischen den Nachbarstaaten geteilten Kaschmir-Region arbeiten auf ein Ende der Gewalt hin.

Selbstbewusster Ministerpräsident

Am Vorabend der Wahl irritierte der Ministerpräsident seine Partner in der Allianz, als er indirekt die Koalition in Frage stellte und von einer absoluten Mehrheit seiner BJP träumte. "Meine Sorge ist jetzt, dass wir wieder mit einer Koalition aus 22 Parteien belastet werden, und dies sollte man besser vermeiden", zitierte die Zeitung "The Times of India" Vajpayee. Noch vor drei Jahren galten Vajpayee und seine BJP bei vielen als Vertreter der alten Garde von Hindu-Hardlinern, die das muslimisch dominierte Pakistan für alle ihre Übel verantwortlich machten. Heute dagegen wird der 79-jährige Vajpayee als Integrationsfigur betrachtet - auch bei muslimischen Wählern.

"Der Ministerpräsident hat in den letzten Jahren eine erstaunliche öffentliche Wandlung durchgemacht - von einem alten, kränkelnden Mann zu einem sehr aktiven charismatischen Führer", meint Paul Wallace, Professor für Politische Wissenschaften an der University of Missouri-Columbia. Und er ist offenbar fest entschlossen weiter zu machen: Freunde hätten ihm noch nicht erlaubt, sich "aus der Politik zurückzuziehen", sagte Vajpayee bei einer Wahlveranstaltung. In seiner Bharatiya Janata Party (BJP) dürfte das mit Erleichterung aufgenommen worden sein. Es gibt keinen Zweifel daran, dass Vajpayee bei der Wahl in der größten Demokratie der Welt das Zugpferd der hindu-nationalistischen Partei ist.

Schwere Zeiten für die Opposition Sonia Gandhi wird es dagegen schwerer haben. Die aus Italien stammende und wenig eloquente Statthalterin der Nehru-Gandhi-Dynastie spricht inzwischen Hindi, aber mit Akzent. 1965 lernte sie beim Studium in Cambridge ihren künftigen Ehemann Rajiv Gandhi kennen, Enkel des ersten indischen Ministerpräsidenten Jawaharlal Nehru. Damals hatte die Tochter eines Bauunternehmers nur "eine vage Idee, dass es Indien mit seinen Schlangen, Elefanten und Dschungeln irgendwo auf der Welt gibt", bekannte sie einst. (am)

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