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Wirtschaft

Sichere Gewinner

Die Terroranschläge erschütterten die Weltwirtschaft und trieben viele Unternehmen in die roten Zahlen. Doch es gibt auch Branchen, die gestärkt aus der Krise hervorgehen.

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Seit dem 11. September ist nichts mehr wie vorher. Das gilt besonders für die Wirtschaft. Hart getroffen von den Terroranschlägen und ihren Folgen wurden besonders Fluggesellschaften, Finanz- und Versicherungsdienstleister sowie die Tourismusbranche. Aber es gibt auch Wirtschaftszweige, die vom Kampf gegen den internationalen Terrorismus und dem Bedürfnis der Menschen und Unternehmen nach mehr Sicherheit profitieren. Neben Rüstungsgüterherstellern und Anbietern von Sicherheitslösungen für die Informationstechnologie können sich nach Ansicht von Experten auch Telekomunternehmen und Spezialisten für alternative Energien auf verstärkte Nachfrage freuen.

Windmühlenpark Middelgrunden

Ingbert Faust, Analyst bei ABN Amro, führt die Branchenrotation auch auf einen Wandel im Freizeitverhalten der Bürger seit den Terroranschlägen zurück. "Die Leute reisen weniger und gehen weniger aus, dafür wird beispielsweise mehr telefoniert und mehr Zeit in der Wohnung verbracht, weshalb auch mehr Geld für hochwertige Elektronikprodukte wie Fernseher ausgegeben wird." Diesem Trend folgend hat Faust auch die Aktien der Deutsche Telekom und des Fernsehgeräteherstellers Loewe auf seiner Kaufliste stehen. Dort findet sich auch der deutsche Hersteller von Windkrafträdern, Nordex, wieder. Das Unternehmen profitiert Faust zufolge ebenfalls von dem wachsenden Sicherheitsbedürfnis der Menschen: "Die Angst vor Terroranschlägen auf Atomkraftwerke dürfte auch den bereits vorhandenen Schub in Richtung erneuerbare Energien wie Windkraft statt Atomenenergie noch weiter verstärken", sagte Faust.

Videokonferenz statt Dienstreise

Auch für Fausts Kollegen Martin Gilles von West LB Panmure zählen Telekommunikations- und Softwareunternehmen zu den Gewinnern der Krise: "Es ist gut vorstellbar, dass Firmen sich zur Kommunikation künftig mehr auf Videokonferenzen verlassen, statt für ein Treffen in die USA oder quer durch Europa zu fliegen." Dies sei zudem nicht nur aus Sicherheitsgründen sinnvoll, sondern helfe den Unternehmen angesichts der momentan schwachen Wirschaftslage auch Kosten zu sparen. Als weitere wichtige Konsequenz aus den Terroranschlägen hat Gilles die Umstrukturierung und den Ausbau der Sicherheit von Datenbeständen bei Firmen und Behörden ausgemacht. "Die Ereignisse am 11. September haben gezeigt, dass Firmen mit nur einem Rechenzentrum ihren gesamten Datenbestand und damit ihre Geschäftsgrundlage verlieren können," betonte der Aktienstratege und fügte hinzu: "Die weitere Dezentralisierung von Rechenzentren wird für zahlreiche Unternehmen deshalb hohe Priorität haben."

Sicherheitsdienstleistungen keine Eintagsfliege

"Die Antwort auf den Terrorismus ist Technologie", sagt Michael Schubert, Marktstratege bei der Bankgesellschaft Berlin. "Das geht von Sicherheitstechnologie über Personen- und Sacherkennung, Kommunikation bis hin zu klassischen Waffensystemen." Inzwischen sei klar, dass die Politik und die Unternehmen den gesamten Sicherheitsbereich in der Vergangenheit vernachlässigt hätten. Während die Nachrüstung von Flughäfen oder Bahnhöfen relativ schnell zu bewerkstelligen sei, werde dies bei Firmen und Behörden länger dauern. Wichtig sei, dass künftig nicht nur als sensibel geltende Bereiche geschützt würden, sondern die Sicherheitsstandards auf breiter Front erhöht würden. "Man weiss ja nie, was sich Terroristenhirne sonst noch alles ausdenken können", sagte Schubert zur Begründung.

Welche Unternehmen besonders von dem Bedürfnis nach mehr Sicherheit profitieren, werde sich erst in den nächsten Monaten zeigen. Derzeit finde eine Neuausrichtung der Strategie vieler Firmen statt, mit dem Ziel ein möglichst großes Stück von dem zu verteilenden Kuchen zu bekommen. Denn eines ist für Schubert klar: "Wir alle müssen uns auf dauerhaft erhöhte Kostenbudgets für Sicherheitsdienstleistungen einstellen."

WWW-Links

  • Datum 20.11.2001
  • Autorin/Autor Michael Knigge
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  • Permalink http://p.dw.com/p/1OBR
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