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Politik

Sicher über den Wolken?

Mit den Anschlägen am 11. September 2001 wurden fatale Sicherheitsmängel im Flugverkehr deutlich. Seitdem wurde vieles geändert - und manches nicht.

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Reichen die verschärften Sicherheitsmaßnahmen der Airlines aus, um einen erneuten Anschlag zu verhindern?

"Ein potentieller Täter muss immer damit rechnen, dass einer dabei ist. Das dient der Abschreckung," sagt Georg Fongern, Pressesprecher der Pilotenvereinigung Cockpit gegenüber DW-WORLD. Gemeint sind die sogenannten "Sky Marshalls", Beamte des Bundesgrenzschutzes (BGS), die seit September 2001 Flüge deutscher Airlines begleiten. Bundesinnenminister Otto Schily hat diese Maßnahme unmittelbar nach den Anschlägen auf das World Trade Center veranlasst. Stets in zivil, als unauffällige Passagiere getarnt, sollen die BGS-Beamten schnell eingreifen können, wenn sich Passagiere als potentielle Flugzeugentführer entpuppen. Als Vorbild dienten die "Sky Marshalls" der israelischen Fluggesellschaft El Al, die dort schon seit etwa 30 Jahren für Sicherheit sorgen.

Strenge Geheimhaltung

Informationen, die über die Bestätigung der puren Existenz von bewaffneten Flugbegleitern hinausgehen, sind kaum zu bekommen. "Über die Anzahl der "Sky Marshalls", darüber wie viele pro Flug an Bord sind, auf welchen Routen sie mitfliegen, welche Ausbildung sie haben und wie sie bewaffnet sind, können wir aus Sicherheitsgründen nichts sagen," lautet die Antwort aus dem Bundesinnenministerium auf Nachfrage von DW-WORLD. Auf welchen Strecken Begleitschutz mitfliegt, hänge vom jeweiligen Gefährdungspotential ab, so ein Sprecher des Ministeriums.

Auch mit Waffengewalt

Georg Fongern bestätigt immerhin, dass die "Sky Marshalls" mit Handfeuerwaffen ausgerüstet sind. Schließlich hätten sie eine Aufgabe zu erfüllen, und dafür bräuchten sie Waffen. Eine Gefährdung der Passagiere durch Kugeln, die bei einem Schusswechsel die Bordwände durchschlagen können, sieht Fongern nicht: Die Klimaanlagen der Flugzeuge seien in der Lage einen Druckausfall zu kompensieren. In der Frage, wer an Bord das Kommando hat, ob Pilot oder die BGS-Beamten, macht Fongern deutlich: "Nicht jedes Mal, wenn er den Finger am Abzug hat, muss er den Kapitän anrufen."

Langwierige Umbauphase

Anders als etwa die Lufthansa verzichten manche Airlines auf die bewaffneten Flugbegleiter. "Die British Airways hat keine", so Pressesprecherin Karen Herzog gegenüber DW-WORLD. Zum einen könnte der Gebrauch von Schusswaffen an Bord eben doch ein Sicherheitsrisiko darstellen, zum anderen würde in Großbritannien noch kein entsprechendes Gesetz existieren, begründet das Unternehmen seine Entscheidung.

Beide Unternehmen betonten jedoch im Gespräch mit DW-WORLD, dass sie die Sicherung der Cockpits sofort nach dem 11. September verbessert hätten. Als erste Maßnahme seien die Zugänge zum Cockpit schwerer zugänglich gemacht worden. Im Moment befände man sich in einer Umbauphase, um die Cockpits im Falle der Deutschen Lufthansa bis zum Frühling 2003 komplett mit den "neuen, kugelsicheren und abschließbaren Türen sowie Kameras zur Videoüberwachung" auszustatten, so das Unternehmen. Maßnahmen, die sich die Lufthansa immerhin etwa 32 Millionen Euro kosten lässt. Bei der British Airways sollen entsprechende Umrüstungen im November 2003 abgeschlossen sein. Aufgrund europäischer und US-amerikanischer Richtlinien im Flugverkehr, werden wohl nahezu alle Airlines weltweit nachziehen, ist man sich bei der Lufthansa sicher.

Mängel am Boden

Die Sicherheit an Bord der Maschinen kann umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen am Boden nicht ersetzen. Ausgerechnet in den USA scheint es vor allem damit zu hapern: Zwar findet auch dort kaum noch eine Nagelschere im Handgepäck den Weg in die Kabine, eine flächendeckende Kontrolle des aufgegebenen Gepäcks, wie dies in Deutschland bis Ende 2002 der Fall sein soll, sei aber noch in weiter Ferne, meint Georg Fongern. Und auch bei der Überprüfung der Personen, die Zugang zum Sicherheitsbereich der Flughäfen haben, würden die USA hinter deutschen Standards zurückliegen.

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