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Kultur

Showdown in Guatemala-Stadt

In Guatemala wird diese Woche entschieden, wer die Olympischen Winterspiele 2014 ausrichten wird. Zwischen den Bewerberländern ist ein erbitterter Wettkampf entbrannt, der zunehmend politische Züge trägt.

Südkoreas Präsident Moo-Hyun, Quelle: AP

Südkoreas Präsident Roh Moo-Hyun trifft in Guatemala ein, um die Bewerbung Pyeongchangs zu unterstützen

Guatemala-Stadt hat mächtig aufgerüstet: 6000 Sicherheitskräfte sollen die Staatschefs und ihre Delegationen schützen, die im letzten Moment die Werbetrommel für ihre Stadt rühren, in der die Olympischen Winterspiele 2014 stattfinden sollen. Miteinander konkurrieren das russische Sotschi, das südkoreanische Pyeongchang und das österreichische Salzburg.

Angereist sind Südkoreas Präsident Roh Moo Hyun, Österreichs Kanzler Gusenbauer und der russische Präsident Putin. Die Entscheidung fällt am Mittwoch. Dann wählen die 102 stimmberechtigten Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) die Olympia-Stadt. Um 1.00 Uhr mitteleuropäischer Zeit wird IOC-Präsident Rogge am Donnerstag den Sieger verkünden.

Pyeongchang hat die besten Karten

Pyeongchang geht nach dem Abschlussbericht des IOC mit den besten Vornoten ins Rennen. Auch deshalb wird die Kleinstadt bei den Intertops-Sportwetten mit 1,16 vor Salzburg (2,75) und Sotschi (5,0) gehandelt. Südkorea spielt die Wiedervereinigungskarte - 2014 sollen "Friedensspiele" werden. Nordkorea hat seine Unterstützung bereits zugesagt und sogar eine gemeinsame Mannschaft in Aussicht gestellt.

IOC-Präsident Jacques Rogge, Quelle: AP

IOC-Präsident Jacques Rogge wird die Entscheidung verkünden

Die Schwarzmeerstadt Sotschi wirbt mit Spielen "zwischen Palmen und den Bergen". Der Badeort an der russischen Riviera soll für knapp zwölf Milliarden Euro zu einem ganzjährigen Sportzentrum entwickelt werden. Bisher fehlt die olympische Infrastruktur.

Salzburg setzt bei "Winterspielen des Herzens" auf Tradition, Leidenschaft und geringes Sicherheitsrisiko. Acht der geplanten elf Wettkampfanlagen, darunter die Bob- und Rodelbahn im bayrischen Königssee, haben ihre Tauglichkeit längst bewiesen. Und das Verkehrskonzept gilt als schlüssig. "Von der Sache her ist unsere Bewerbung die mit Abstand beste", verkündet Sonderbotschafter und Rodel-Olympiasieger Georg Hackl. Nach IOC-Erhebungen unterstützen allerdings nur 41 Prozent der Salzburger die Spiele. Die Zustimmung vor Ort gilt aber als wichtiger Bewerbungsfaktor, wie Michael Schirp, Sprecher des Deutschen Olympischen Sportbundes, erklärt. "Wenn die Bevölkerung eine Bewerbung nicht mitträgt, hat die Stadt schlechte Chancen."

Machtpolitische Ränkespiele

Aus der Olympia-Entscheidung ist längst ein Politikum geworden. Denn es geht um Sponsorengelder in dreistelliger Millionenhöhe - und ums politische Image. Immer enger werde bei Winterspielen der Schulterschluss zwischen Sport, Politik und Wirtschaft, erklärt Stefan Schwarzbach, Sprecher des Deutschen Skiverbandes.

In Guatemala haben sich die Politiker nobel einquartiert, um potenzielle Befürworter zum Gespräch zu laden. Das politische Werben macht Sinn, da noch 30 Prozent der IOC-Mitglieder als unentschlossen gelten. Das IOC steht dem Stimmenfang skeptisch gegenüber. Die Ethikkommission ermahnte die Mitglieder bereits, sich nicht über Gebühr beim heftig werbenden Putin aufzuhalten.

Russlands Präsident Wladimir Putin, Quelle: AP

Lockt mit Gazprom-Geld: Russlands Präsident Wladimir Putin

Russland will Macht zeigen. Mit Geld geht das am besten, weshalb Putin den Energieriesen Gazprom als Sponsor ins Gespräch gebracht hat. Mit 180 Millionen Dollar, dem Dreifachen des üblichen Preises, wolle der Konzern in das Topsponsorenprogramm des IOC einsteigen, berichtet die Süddeutsche Zeitung . Das IOC lehnte dankend ab.

Weichenstellung für 2016

Die Entscheidung in Guatemala stellt auch die Weichen für die Sommerspiele 2016. Denn wer am Mittwoch verliert, hat dann umso bessere Chancen. Experten rechnen damit, dass Putin bei einem Scheitern Sotschis umgehend St. Petersburg für 2016 vorschlägt.

Moskaus Gegenspieler sitzt in Washington: Die Sommerspiele 2016 sollen nach Chicago gehen, nachdem New York bei der Bewerbung um 2012 kläglich gescheitert war. Laut SZ könnten die USA versuchen, Druck auf das IOC auszuüben, wenn der Kongress bald darüber diskutiert, ob amerikanische Sportler 2008 zu den Spielen nach China reisen sollen, das Menschenrechte mit Füßen tritt. Ein Boykott wäre für das IOC fatal. Besänftigen ließe sich Washington mit einer Zusage für Chicago. Ob sich das IOC einschüchtern lässt, bleibt abzuwarten. Sicher scheint, dass Russland alles daran setzen wird, seine Ansprüche durchzusetzen. In Guatemala kann man sich davon überzeugen: Direkt neben dem IOC-Tagungshotel haben die Russen zur Eigenwerbung eine Eislaufbahn bauen lassen. Olympiasieger Jewgeni Pluschenko dreht hier schwitzend seine Runden.

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