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Wirtschaft

Shoppen im ältesten Buchladen der Welt

Seit 1732 gibt es die Lissaboner Buchhandlung Bertrand. Sie hat Erdbeben, Revolutionen und auch die letzte Wirtschaftskrise überlebt. Die Hoffnung wächst, dass vom zarten Wirtschaftsaufschwung der Buchhandel profitiert.

Der älteste durchgehend betriebene Buchladen der Welt liegt mitten im mondänen Lissaboner Stadtviertel Chiado. Von hier sind es nur ein paar Meter zur Staatsoper und zu dem berühmten Café "A Brasileira", vor dessen Tür eine Bronzestatue an Portugals größten modernen Dichter Fernando Pessoa erinnert.

"Die Buchhandlung war schon immer ein Treffpunkt für Lissabons Intellektuelle und Schriftsteller," sagt Catarina de Novais, Verkaufsleiterin der Verlagsgruppe und Handelskette Bertrand, die aus dem 282 Jahre alten Buchladen entstanden ist. Novais steht vor frisch restaurierten Holzregalen im Eingangsbereich der Buchhandlung, die sich wie ein langer Schlauch tief in die alten Gemäuer eines bürgerlichen Wohnhauses aus dem 18. Jahrhundert erstreckt.

Die Renovierung wird erst 2015 abgeschlossen sein, wenn ein Café und ein Veranstaltungsraum eingeweiht werden sollen. "Im Chiado wurde schon immer eifrig diskutiert und viele Ideen ausgetauscht," sagt Novais. "Und unsere Buchhandlung soll bald wieder ihren eigenen Beitrag leisten."

Kaufkräftige Mittelschicht fehlt

Die Investition fällt dem Bertrand-Unternehmen nicht leicht. Bis 2010 gehörte die Gruppe, zu der mittlerweile 53 Läden, ein Buchklub und acht Verlage gehören, zu Bertelsmann, bis der Gütersloher Konzern das Unternehmen an das größte portugiesische Verlagshaus Porto Editora verkaufte.

Ältester Buchladen von Lissabon

Die Buchhandlung Bertrand liegt in der Rua Garrett 73-75

Der Buchhandel steckt in Portugal in der Krise. Seit 2004 musste fast ein Fünftel aller Buchläden schließen. Die Einnahmen aus dem Buchverkauf sind im vergangenen Jahr noch einmal um 4,6 Prozent zurückgegangen.

Unter den harten Sparmaßnahmen, die Portugal seit dem Beginn der Staatsschuldenkrise im Jahr 2011 umsetzen musste, hat vor allem die Mittelschicht gelitten. "Bücher sind für viele Portugiesen zurzeit einfach keine Notwendigkeit," sagt João Alvim. Der Präsident des Verbandes portugiesischer Verlage und Buchhändler (APEL) weist aber auch auf hausgemachte Probleme hin. "Anders als in vielen europäischen Ländern spielt der digitale Markt für uns noch keine große Rolle."

Dabei fördert die Internetpräsenz auch den Export portugiesischer Bücher ins Ausland. Bertrands Verkaufsleiterin Catarina de Novais schätzt, dass bis zu 12 Prozent der Käufer, die über die hauseigene digitale Plattform einkaufen, nicht in Portugal wohnen. Der Großteil der portugiesischen Bücher, die von den Verlagen ins Ausland geliefert werden, geht nach Afrika. Fast die Hälfte wird im boomenden Angola abgesetzt, wohin Zehntausende arbeitssuchende Portugiesen in den letzten Jahren ausgewandert sind.

Ältester Buchladen von Lissabon

Verkaufsleiterin Catarina de Novais

Sprachbarriere stört Export

Dennoch bleibt der Markt von weltweit über 230 Millionen Muttersprachlern von den portugiesischen Verlagen fast ungenützt. Portugal hat sich mit seinen ehemaligen Kolonien noch nicht auf eine einheitliche Schriftsprache einigen können, die gleichzeitig in Europa, Afrika und Südamerika benutzt werden könnte.

Die in Portugal hergestellten Romane portugiesischer Schriftsteller werden deshalb erst in eine brasilianische Fassung gebracht, bevor sie in dem über 200 Millionen Einwohner starken südamerikanischen Land auf den Markt kommen. APEL-Präsident João Alvim ist deshalb skeptisch: "Die Erfolgsgeschichte, die viele portugiesische Exportunternehmen zurzeit schreiben, lässt sich von den Verlagen nicht einfach imitieren. Wir werden unsere Probleme ganz sicher nicht über den Export lösen."

Portugals Wirtschaft hat in den vergangenen fünf Jahren seine Exportquote von 28 auf 41 Prozent steigern können. Neben der Außenwirtschaft hat aber auch der private Konsum zugelegt, im dritten Quartal 2014 um 2,7 Prozent.

Catarina de Novais hofft, dass jetzt die Portugiesen wieder mehr Bücher kaufen: "Ich denke, die Talsohle haben wir durchschritten. Und ob es ein gutes Jahr wird, hängt nun auch vom Weihnachtsgeschäft ab."

Tourismus soll Leser bringen

Für die Buchhandlung im Chiado bleibt noch eine andere Hoffnung. Denn Lissabon wird zu einem immer beliebteren Reiseziel. In den ersten zehn Monaten des Jahres 2014 ist die Zahl der Übernachtungen in der portugiesischen Hauptstadt im Vergleich zum Vorjahr um fast 15 Prozent gestiegen. Den berühmten Buchladen wollen viele Besucher sehen.

Vor einem der Holzregale steht ein modisch gekleideter älterer Herr: Sunil aus Sri Lanka besucht Lissabon zum ersten Mal. Die Buchhandlung haben seine Tochter und seine Enkelin im Internet ausfindig gemacht. Sunil schaut auf Werke portugiesischer Autoren - darunter Werke des Nobelpreisträgers José Saramago und des Dichters Fernando Pessoa, die ins Englische übersetzt wurden: "Die Auswahl an englischsprachiger Literatur könnte zwar etwas großzügiger sein", sagt er, "wir werden aber trotzdem ganz bestimmt ein Souvenir mit nach Hause nehmen."