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Wirtschaft

Shell tritt Führung im weltgrößten Förderprojekt an Gazprom ab

Japan hat an die Verantwortung Moskaus bei der Energieversorgung appelliert. Dem Appell ging die Einigung auf eine Übernahme des russischen Gaskonzerns Gazprom beim Gas- und Ölförderprojekt Sachalin II voraus.

Sachalin II, Foto: AP

Sachalin II

Putin mit Shell-Chef Jeroen van der Veerdem und Mitsui-Chef Shoei Utsuda (v. r.), Foto: AP

Putin mit Shell-Chef Jeroen van der Veerdem und Mitsui-Chef Shoei Utsuda (v. r.)

Im Ringen mit den ausländischen Investoren um die Aufteilung des gigantischen Gas- und Ölförderprojekts Sachalin II hat sich die russische Seite durchgesetzt. Der staatlich kontrollierte russische Energieriese Gazprom steigt mit einem hauchdünnen Mehrheitsanteil von 50 Prozent plus einer Aktie in das Projekt ein, das bislang allein von ausländischen Unternehmen geführt wurde, wie der britisch-niederländische Shell-Konzern in London mitteilte.

Shell reduziert seinen Anteil an dem Sachalin-Konsortium von derzeit 55 Prozent auf 27,5 Prozent. Die japanischen Unternehmen Mitsui und Mitsubishi, die ebenfalls zu dem Konsortium gehören, behalten noch 12,5 bzw. 10 Prozent an Sachalin.

Abhängig von Importen

Russland müsse verantwortungsvoll handeln, sagte der japanische Regierungssprecher Yasuhisa Shiozaki am Freitag (22.12.2006) in Tokio. Japan hänge von Energieimporten aus dem Ausland ab. Deshalb sei es für Tokio wichtig, dass die Entwicklung von Sachalin II ungestört ablaufe und das Projekt eine stabile Versorgung gewährleiste.

Sachalin II ist mit einem Investitionsvolumen von 20 Milliarden Dollar das weltweit größte private Öl- und Gasförderprojekt. In seinem Rahmen soll vor der Insel Sachalin eine Förderinsel sowie eine Gas-Verflüssigungsanlage gebaut werden. Ab 2008 soll von dort erstmals Flüssiggas nach Japan und Korea geliefert werden.

Geldbußen angedroht

Mit Sachalin II sollen nach Angaben von Shell Öl- und Gasvorräte im Rechenwert von vier Milliarden Barrel (je 159 Liter) Öl erschlossen werden. Vor längerer Zeit hatten sich die zunächst auf etwa zehn Milliarden Dollar geschätzten Kosten verdoppelt. Bis jetzt wurden nach Shell-Angaben bereits zwölf Milliarden Dollar investiert.

Die Vereinbarung mit Russland sah vor, dass die am Konsortium beteiligten Firmen diese Investition zunächst zurück verdienen können, bevor in größerem Maße Abgaben fällig werden. Bisher sind nach Angaben von Shell 600 Millionen Dollar aus dem Sachalin-Projekt an den russischen Staat geflossen. Zuletzt hatte die russische Umweltaufsicht mit hohen Geldbußen gedroht, weil beim Bau der Anlagen die Natur nachhaltig beschädigt worden sei.

Folgen für Shell

Für Shell könnte die Verringerung seiner Anteile an Sachalin II nach Ansicht von Branchenbeobachtern Folgen für die wichtige Bemessung seiner Ölvorräte haben. Konzernvorsitzender Jeroen van der Veer erklärte: "Für uns geht es vor allem darum, dass Sachalin II endlich in Gang kommt." Gazprom-Chef Alexej Miller wies auf das Interesse seines Unternehmens hin, im Bereich Flüssiggas stärker zu werden.

Der russische Präsident Wladimir Putin zeigte sich "zufrieden" mit der unterzeichneten Vereinbarung. Über den Einstieg von Gazprom war wochenlang unter massivem Druck der russischen Behörden verhandelt worden. Dabei drohte die russische Seite mit dem Entzug der in den 1990er Jahren erteilten Lizenz für das Projekt. Die offizielle Begründung war, dass sich Shell und seine japanischen Partner nicht an Umweltauflagen hielten. Putin zeigte sich in seiner Reaktion auf die Einigung denn auch "glücklich" darüber, dass die "ökologischen" Anliegen Russlands berücksichtigt würden. Nach Ansicht von politischen Beobachtern missfiel es der russischen Regierung aber vor allem, dass das größte Rohstoff-Projekt des Landes in den Händen ausländischer Konzerne war. (stu)

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