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Shell-Pipeline bedroht den asiatischen Grauwal

Johannes Beck19. Februar 2005

Trotz Walfangverbots - der Meeressäuger ist noch immer vom Aussterben bedroht. Jetzt könnte ein Shell-Projekt das Überleben der Grauwale gefährden. Der Ölkonzern plant eine Pipeline vor der russischen Pazifikküste.

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Shell will seine Förderung im Lebensraum der letzten asiatischen Grauwale ausbauenBild: AP

Mitte des 20. Jahrhunderts dachte man bereits, dass die asiatischen Grauwale ausgestorben wären. Der Walfang hatte ihren Bestand im West-Pazifik praktisch eliminiert. Eine kleine Gruppe hatte aber das Abschlachten durch die Walfänger überlebt. Im Gegensatz zu den amerikanischen Grauwalen, die wieder sehr zahlreich im Ost-Pazifik vor den USA und Mexiko leben, konnten sich die asiatischen Grauwale bis heute nicht wirklich erholen.

Öl Bohrplattform im Niger Delta
Öl-Bohrplattform des Shell-Konzerns im Niger-DeltaBild: AP

Nach dem Walfang droht ihnen nun die Förderung von Öl und Gas vor der russischen Küste den Garaus zu machen, warnt eine wissenschaftliche Studie der Internationalen Naturschutzunion IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Resources). Thomas Schultz-Jagow, Kommunikationsdirektor des WWF (World Wildlife Fund) International, bestätigt die Studie: "Aus Sicht des WWF und der Walexperten ist es ganz klar, dass dieses Projekt eine Todesdrohung für die Grauwale ausspricht. Die Population ist sehr klein und seit Jahren schon stark bedroht."

"Jeden Schaden für die Grauwale minimieren"

Weltweit gibt es gerade einmal noch etwa 100 asiatische Grauwale. Schon der zusätzliche Tod eines einzigen Weibchens pro Jahr, würde höchstwahrscheinlich zum Aussterben der Art führen, warnt die Naturschutzunion IUCN. Bereits jetzt wird Öl vor der Küste Sachalins gefördert. Mit den damit verbundenen Risiken für die Wale: Lärm, Ölverschmutzung und mögliche Kollisionen mit Schiffen. Doch nun sollen zwei neue Öl- und Gasfelder erschlossen werden. Eine Pipeline soll dabei direkt durch das Hauptjagdgebiet der Wale führen.

Investor ist die Sakhalin Energy Investment Company, zu 55 Prozent im Besitz des niederländisch-britischen Ölkonzerns Shell. Die restlichen Anteile halten die japanischen Gesellschaften Mitsui und Mitsubishi. Mit den neuen Öl- und Gasreserven vor Sachalin will Shell die boomenden Volkswirtschaften Asiens versorgen. Die geplante Pipeline soll in Zukunft den Öltransport das ganze Jahr über ermöglichen. Bisher geht das nur in den eisfreien sechs Monaten.

Sakhalin Energy selbst hatte die IUCN-Studie in Auftrag gegeben, um die möglichen Konsequenzen des Projekts auf Sachalin zu prüfen. Außerdem hat das Unternehmen bisher neun Millionen Dollar ausgegeben, um die Wale besser zu untersuchen. Das sei vorbildlich für andere Projekte im Energiebereich, bescheinigen die IUCN-Wissenschaftler dem Unternehmen. Anderseits kritisieren sie, dass noch Informationen über die Risikobewertung fehlten. Kritisch sehen die Walexperten vor allem den Verlauf der Pipeline und fordern Alternativrouten. Der WWF hat Shell bereits angeboten, gemeinsam über eine alternative Routenführung und eine andere Positionierung der Bohr-Plattformen zu diskutieren. Bis die Walexperten ausreichend Daten vorlegen können, unterstützt der WWF die Forderungen der Walkomission - das Shell-Projekt auszusetzen.

Sakhalin Energy und das Mutterunternehmen Shell haben bereits angekündigt, die Empfehlungen der Wissenschaftler genau prüfen zu wollen, bevor man sich endgültig entscheide. Das gelte auch für mögliche Alternativrouten der Pipeline. Im April vergangenen Jahres hat Shell beschlossen, alle geplanten Bauarbeiten zurückzustellen und erst einmal weitere Informationen einzuholen, sagte eine Sprecherin auf Anfrage der Deutschen Welle. Shell habe sich verpflichtet, jeden möglichen Schaden für die Grauwale zu minimieren. Auch der WWF ist optimistisch, gemeinsam mit Shell einen Weg zu finden und so die Grauwale vor dem Aussterben zu bewahren.